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Inzestfall im Westerwald (I) Zweitem Mann wird der Prozess gemacht


Weiterer Schritt zur Aufklärung: Nach dem Inzest in Fluterschen im Westerwald soll nun auch ein zweiter Mann vor Gericht kommen. An ihn habe der Familienvater offenbar seine Tochter und zwei Stiefkinder für Sex verkauft - und dabei zugeschaut.

Im Missbrauchs-Fall von Fluterschen im Westerwald steht bald auch einer der Männer vor Gericht, an die der Familienvater seine Tochter und Stieftochter für Sex verkauft haben soll. Der Prozess gegen einen 63-Jährigen wegen fünf Fällen von Kindesmissbrauchs beginnt am 18. März in Betzdorf, wie der Direktor des Amtsgerichts am Freitag bestätigte. Der Mann hatte den Vater laut Anklage für Sex mit seinen Töchtern bezahlt.

Nach einem Bericht der "Rhein-Zeitung" soll der Vater, der unter anderem mit seiner Stieftochter acht Kinder gezeugt haben soll, dabei zugesehen haben. Der 48-Jährige steht vom kommenden Dienstag an in Koblenz vor Gericht.

"Nicht die feinsten Leute"

In seinem Haus lebten zeitweise bis zu 15 Kinder mit dem 48-Jährigen und seiner 52 Jahre alten Ehefrau zusammen: vier Kinder aus erster Beziehung der Ehefrau, vier Kinder aus der Ehe sowie die sieben Kinder der Stieftochter - gezeugt zwischen 1999 und 2009. Das erste Kind dieser Beziehung starb kurz nach seiner Geburt. Es liegt im Nachbarort begraben.

Das Dorf ist klein, nur etwa 750 Menschen leben dort. Man kennt sich. Die Gerüchteküche brodelte immer wieder. Der "Rhein-Zeitung" sagen einige Bewohner, dass sie etwas geahnt hätten. Die Kinder der 28-Jährigen hätten wie Klone des Stiefvaters ausgesehen, sagten Einwohner. Im Kindergarten will niemand dazu Stellung beziehen. "Kein Kommentar", heißt es dort nur knapp.

Auch die Polizei kam nicht klar

Das Jugendamt betreute die 28-Jährige mit ihren sieben Kindern - mindestens einmal wöchentlich schaute eine Mitarbeiterin vorbei. "Die junge Frau war teilweise überfordert", sagt Hermann-Josef Greb, der Leiter des zuständigen Jugendamtes, rückblickend. Immer wieder habe die Mitarbeiterin nachgefragt, ob der Stiefvater der Vater der Kinder sei. "Das Opfer hat das jeweils abgestritten und erklärt, da sei nichts dran, das seien Unterstellungen." Später präsentierte die Familie sogar einen Mann, der die Vaterschaft anerkannt hatte. Mittlerweile fechte er diese jedoch wieder an.

Auch die Polizei kam nicht weiter. Einmal sollen die Beamten dem Jugendamtsleiter zufolge sogar einen Tipp aus dem direkten Umfeld der Familie bekommen haben. Doch die Blockadehaltung der Eltern und der Kinder sowie die entlastenden Aussagen der mutmaßlichen Opfer ließen alle Ermittlungen im Sande verlaufen.

mcp/DPA DPA

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