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Inzestfall in Bayern: "Das halbe Dorf wusste davon"

34 Jahre lang soll Adolf B. aus Willmersbach seine eigene Tochter vergewaltigt haben, drei gemeinsame Kinder soll es geben. Sein Verteidiger sagt nun: Die Beziehung war einvernehmlich - und bekannt.

Von Malte Arnsperger

Inzestvorwürfe in einem kleinen mittelfränkischen Ort: 34 Jahre lang soll Adolf B. aus Willmersbach seine eigene Tochter vergewaltigt haben, drei gemeinsame Kinder soll es geben. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hat Anklage gegen den Mann erhoben.

Nun wehrt sich der Anwalt des 69-Jährigen gegen die Vorwürfe: "Mein Mandant streitet nicht ab, Geschlechtsverkehr mit seiner Tochter gehabt zu haben. Dies geschah jeweils einvernehmlich und ohne Anwendung von Gewalt durch meinen Mandanten", sagte Karl Herzog stern.de. "Die Tochter des Angeschuldigten ist die einzige Zeugin für die Schuldvorwürfe, die in keiner Weise objektivierbar sind." Aus diesem Grund habe er auch die Einholung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens in Auftrag gegeben.

Da viele der Taten schon verjährt sind, wirft die Staatsanwaltschaft Adolf B. die nicht verjährten Fälle vor - rund 500 Vergewaltigungen. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hat der Mann, der seit März 2011 in Untersuchungshaft sitzt, seine Tochter zum ersten Mal im Alter von 12 oder 13 Jahren mit Schlägen zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Seitdem habe er sie mehrmals in der Woche missbraucht. Als Erwachsene brachte die heute 46-Jährige den Angaben zufolge drei behinderte Söhne von ihm zur Welt. Zwei von ihnen starben bereits im Kindesalter.

Die Beziehung war im Dorf bekannt

Nun bestätigt Adolf B.s Anwalt, dass die drei Kinder von seinem Mandanten stammen. Der Vater des vierten Kindes der Frau sei der Bruder von Adolf B. Den Behörden habe sie jedoch immer gesagt, dass ihr die jeweiligen Väter ihrer Kinder nicht bekannt seien und eines der Kinder aus einer angeblichen Vergewaltigung durch einen Unbekannten stamme. Die ganze Familie, so Anwalt Herzog, sei deutlich unterdurchschnittlich intelligent.

Erst zu Beginn dieses Jahres kamen die mutmaßlichen Taten ans Tageslicht - wegen einer anderen kriminellen Handlung. Die Frau hatte einen Arzt für die Behinderung eines der Kinder verantwortlich gemacht und versucht, die Gattin des Mediziners zu erpressen. Dafür wurde sie zu einer Bewährungsstrafe verurteilt - und bekam eine Bewährungshelferin, der sie sich letztlich anvertraute. In diesem Zusammenhang, so sagt es Adolf B.'s Anwalt, habe der beauftragte Sachverständige über die Frau gesagt, es gebe keine Anhaltspunkte für Vernachlässigung oder sexuelle Übergriffe in der Kindheit. Zudem sei das Verhältnis zwischen Tochter und Vater im Ort seit vielen Jahren bekannt gewesen, niemand habe Gewalt festgestellt.

Das jahrzehntelange Stillhalten des Opfers, das bis zuletzt mit seinen Kindern im elterlichen Haushalt gewohnt hat, versuchte die Oberstaatsanwältin mit Abschottung und hohem psychischen Druck zu erklären: "Das ist sehr schwer nachvollziehbar, aber der Vater soll sehr autoritär gewesen sein und die Frau ständig beim Einkaufen und Autofahren begleitet und soziale Kontakte unterbunden haben."

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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?