Inzestfall schockt Brasilien Der Fritzl aus dem Dschungel


Jahrelang hielt ein Fischer seine Tochter in einer Hütte im brasilianischen Urwald als Sexsklavin gefangen, zeugte sieben Kinder mit ihr. Nun flog der Inzestfall, der böse Erinnerungen an Josef Fritzl weckt, durch einen anonymen Hinweis auf.

Ein Fischer in Brasilien soll seine Tochter zwölf Jahre in einer abgelegenen Strohhütte im Dschungel eingesperrt, immer wieder vergewaltigt und sieben Kinder mit ihr gezeugt haben. Das teilte die brasilianische Polizei am Mittwoch nach der Verhaftung des 54-jährigen Mannes in der Nähe eines kleinen Dorfs im Nordosten des Landes mit. Ihm werde zudem vorgeworfen, auch noch ein Mädchen missbraucht zu haben, das er mit seiner inzwischen 28-jährigen Tochter hatte.

Die Polizei war durch einen anonymen Telefonanruf auf den Inzestfall gekommen, der stark an das Verbrechen in Österreich erinnert: Vor einem Jahr wurde Josef Fritzl zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er seine Tochter 24 Jahre in ein Kellerverließ sperrte und dort sieben Kinder mit ihr zeugte.

Hütte nur mit dem Kanu erreichbar

Jose Agostinho Bispo Pereira hielt seine Tochter der Polizei zufolge in einer aus zwei Räumen bestehenden Hütte in der Nähe des kleinen Fischerdorfs Experimento unter Hausarrest. Die Hütte liege so abgelegen im Dschungel, dass sie nur mit dem Kanu zu erreichen sei, sagte ein Polizeibeamter. Die Kinder schienen unterernährt und seien kaum in der Lage, zu kommunizieren. Die meisten seien unbekleidet gewesen.

Der Missbrauch der Tochter soll 1998 begonnen haben, als Pereira von seiner Frau verlassen worden sei. Der 54-Jährige sei in ein Gefängnis in der Stadt Pinheiro im Staat Maranhao gebracht worden, die 80 Kilometer von Experimento entfernt ist. Die Polizei erklärte, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Tochter und Kinder von der Außenwelt isoliert

Der ermittelnde Inspektor sagte, die Tochter und ihre Kinder seien in der Hütte fast völlig von der Außenwelt isoliert gewesen. "Niemand von ihnen durfte das Haus verlassen. Niemand kann lesen, sie können sich kaum mit anderen verständigen", sagte der Inspektor. "Ihnen wurde mit dem Tod gedroht, sollten sie fliehen und jemanden über die Lage informieren."

Das Alter der Kinder - vier Mädchen und drei Jungen - schätzt die Polizei auf zwei Monate bis zwölf Jahre. Von den insgesamt sieben Kindern lebten sechs bei ihrer Mutter in der Hütte, das siebte Kind war gleich nach seiner Geburt an eine andere Familie gegeben worden. Die 28-jährige Tochter und ihre Kinder sind nun in staatlicher Obhut.

APN/AFP

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