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Abu Sayyaf Islamisten enthaupten deutsche Geisel auf den Philippinen

Die deutsche Geisel in einem Mitte Februar veröffentlichten Video der Terrorgruppe Abu Sayyaf
Die deutsche Geisel in einem Mitte Februar veröffentlichten Video der Terrorgruppe Abu Sayyaf
© Screenshot Abu-Sayyaf-Video
Seine Lebensgefährtin wurde ermordet, er selbst verschleppt: Mehr als drei Monate war ein deutscher Segler auf den Philippinen in der Hand von Abu Sayyaf. Jetzt veröffentlichte die Terrorgruppe ein Video, das seine Enthauptung zeigt.

Die islamistische Terrorgruppe Abu Sayyaf hat am Montag ein Video veröffentlicht, das die Enthauptung ihrer deutschen Geisel auf den Philippinen zeigen soll. Das Auswärtige Amt bestätigte am Nachmittag die Ermordung des Entführten und verurteilte sie als grausamen Terrorakt. "Es gibt nun keinen vernünftigen Zweifel mehr, dass der auf den Philippinen entführte Deutsche nicht mehr am Leben ist. Wir sind zutiefst erschüttert über das unmenschliche und grausame Vorgehen der Täter", erklärte ein Sprecher. Zuvor hatte bereits die Regierung in Manila den Tod des Deutschen bestätigt. Ein Berater von Präsident Rodrigo Duterte sprach von einer "barbarischen Enthauptung".

Der 70 Jahre alte Mann war im November auf einer Segeltour zusammen mit seiner Lebensgefährtin überfallen und auf die Insel Jolo im Süden des Inselstaats verschleppt worden. Die 59 Jahre alte Frau wurde damals bereits getötet.

In einem Mitte Februar veröffentlichten Video hatte Abu Sayyaf mit der Enthauptung des Seglers gedroht. Darin sagte der Deutsche selbst, sollte seinen Entführern nicht binnen zwölf Tagen das geforderte Lösegeld in Höhe von umgerechnet knapp 570.000 Euro gezahlt werden, werde er getötet. Die Geisel bat die Bundesregierung in der Videobotschaft eindringlich um Hilfe. Die Frist lief am Sonntag um acht Uhr MEZ ab. Die philippinische Regierung selbst bezahlt in der Regel keine Lösegelder.

Seglerpaar wurde schon einmal entführt

Die beiden Deutschen waren im Juni 2008 schon einmal überfallen worden. Damals hatten schwerbewaffnete Piraten vor Somalia das Paar verschleppt. Erst nach annähernd zwei Monaten kamen die Segler frei. Presseberichten zufolge wurden damals rund 445.000 Euro Lösegeld gezahlt. Offiziell gab es dafür aber nie eine Bestätigung. Dem stern hatten die beiden nach ihrer Rettung ein Interview gegeben, in dem sie ihre Geiselhaft und die Motive für ihre Weltumseglung schilderten.

Im Süden der mehrheitlich katholischen Philippinen kämpfen muslimische Separatisten seit den 1960er-Jahren für Autonomie. Die Gruppe Abu Sayyaf ("Schwertträger") entstand 1991 unter dem Einfluss von Al-Kaida. Sie terrorisiert die Bevölkerung mit Anschlägen und finanziert ihren Kampf mit der Entführung von Ausländern und Lösegelderpressungen. 2014 schwor sie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Treue.

Die Gruppe trat schon mehrfach mit brutalen Aktionen in Erscheinung: Im Jahr 2000 entführte sie 21 Touristen von einer Taucherinsel in Malaysia auf die Philippinen. Darunter war die Göttinger Familie Wallert, die erst nach Monaten im Dschungel wohl gegen Lösegeld freikam.

2004 starben bei einem Anschlag auf eine Fähre auf den Philippinen 116 Menschen. 2014 entführte Abu Sayyaf ein deutsches Paar von seiner Segeljacht und lies es erst nach Monaten frei. In diesem Jahr wurden zwei Kanadier entführt und enthauptet - angeblich, weil kein Lösegeld gezahlt wurde. Abu Sayyaf hat nach Schätzungen etwa zwei Dutzend weitere Geiseln in der Gewalt.

Die philippinische Insel Jolo. Zwei deutsche Geiseln. Sechs Monate Gefangenschaft. Henrike Dielen und ihr Lebensgefährte Stefan Okonek waren von April bis Oktober 2014 in die Hände der islamistischen Terrororganisation Abu Sayyaf. OTON: Die meiste Angst hatte ich um Stefan, dass man dem Stefan etwas antut. Mit dem Stern sprechen sie erstmals und exklusiv über die Zeit als Geiseln. OTON: Dass wir umgebracht werden, war natürlich immer eine Angst. Aber ich hatte immer mehr Angst um Stefan, weil er ein Mann ist. Weil ich denke mal, was ich eben noch nie gehört hatte war, dass man einer Frau etwas antut. Deswegen hatte ich um mich jetzt nicht so die Angst. Ich habe immer gedacht, wenn sie jemandem von uns etwas antun, ist Stefan der Erste. Das war meine große Angst. Wie es dann letztlich auch passiert ist. Als man ihn am Schluss so gefoltert hat. Stefan Okonek und Henrike Dielen haben zwanzig Jahre lang mit ihrem Segelschiff die Welt bereist. Am 17. April 2014 überfallen die Terroristen ihr Boot. Auf einer bekannten Route, die die beiden Deutschen oft gesegelt sind. Es folgen qualvolle Wochen in den Camps der Entführer. OTON: Am meisten geholfen hat, dass wir beiden zusammen waren. Also Stefan hat mir geholfen. Hat mir Zuversicht gegeben. Hat mich beruhigt. Und er hat immer gesagt, ich müsse mir keine Sorgen machen. Die möchten ja schließlich was erreichen. Und wir sind die Ware sozusagen. Und wenn die Ware verdirbt, dann kriegen die nichts mehr. Mehrmals drohten die Islamisten öffentlich, ihre Geiseln mit dem Messer zu enthaupten. OTON: Ich denke es hat auch geholfen, an die schönen Sachen zu denken. Dass man sagt, man lässt die schlechten Seiten beiseite und achtet auf die schönen Sachen. Zum Beispiel war der Wald sehr schön dort. Man konnte also tolle Bäume ankucken. Man konnte Tiere beobachten. Wenn es nur eine Spinne war. Oder eine Ameise. Oder Katzen. Auf die schönen Sachen achten. Das Motto hat uns sehr beruhigt. Gezeichnet von den vergangenen Monaten kommen die beiden Deutschen im Oktober frei. OTON: Es ist erstaunlich weit weg mittlerweile. Ich habe jetzt keine bösen Erinnerungen, die mich verfolgen in dem Sinne. Und ich bin heilfroh, dass das so ist. Im Moment gucke ich eher in die Zukunft als in die Vergangenheit. Lesen Sie das ganze Interview mit Henrike Dielen und Stefan Okonek im neuen Stern. Jetzt im Handel
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mad DPA AFP

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