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Jagdskandal im Thüringer Umweltministerium: Artenschutzbeamter posiert mit totem Elefanten

Ein Hobby sorgt für Ärger: Ein Artenschützer gibt mit einem geschossen Elefantenbullen an. Er ist sich keiner Schuld bewusst und legt nach: Die Jagd sei schließlich legal.

Von Gernot Kramper

Erst der Bulle, nun der Job: Udo W.s Jagdfieber hat ein zweites Opfer gefordert

Erst der Bulle, nun der Job: Udo W.s Jagdfieber hat ein zweites Opfer gefordert

Udo W. ist ein Jäger von altem Schrot und Korn. Eine gute Trophäe lässt er sich auch etwas kosten. Im Dezember 2013 flog er um die halbe Welt, damit er im Naturschutzgebiet in Botswana einen Elefantenbullen zur Strecke bringen konnte.

Der Bulle wird zwar durch Artenabkommen geschützt, die Jagd war aber vollkommen legal. Überall auf der Welt lassen Naturschutzreservate überzählige und alte Tiere begehrter Rassen von Jagdverrückten abschießen, weil sie damit gute Einnahmen erzielen. Die Motivation der Parks ist daher verständlich, die Geisteshaltung der Schützen weniger.

Was sagen Sie zu dem jagenden Artenschützer?

Strafrechtlich nicht relevant

Bei Udo W. macht sein Beruf den Jagdausflug zum Skandal. Er ist Spitzenbeamter im Thüringer Umweltministerium und für den Artenschutz zuständig. Der oberste Tierschützer outete sich selbst als Großwildjäger, weil er die Trophäenfotos von sich und "seinem" Bullen an Bekannte und Mitarbeiter schickte. Stolz beschrieb er seine Beute: Gewicht fünf Tonnen, Länge der Stoßzähne 69 bis 72 Zentimeter. Dazu gab es eine Schilderung des strapaziösen Jagdausflugs. Ein grober Fehler. Hätte W. die Mail nur an Jagdfreunde geschickt, hätte es damit sein Bewenden gehabt. Im Ministerium hingegen waren einige Mitarbeiter über den Großwildjäger im Chefsessel nicht erfreut und leiteten die Mail an die Grünen weiter. Gegenüber der "Thüringer Allgemeinen" räumte W. die Elefantenjagd ein und rechtfertigte sein Jagdvergnügen: "Natürlich ist das für mich kein Problem", sagte er. "Ich gehe doch keinem illegalen Hobby nach."

Der stolze Jäger im Kreis seiner Helfer

Trophäenbild mit Jagdhelfern

Jagdlobby im Ministerium?

Auf den Seiten von Tierschutzorganisationen wie Peta wird die Absetzung von W. gefordert. Das Ministerium sieht dagegen keine Handhabe gegen die Freizeitbeschäftigung des Beamten.

Einige Mitarbeiter wollen sich nicht damit abfinden, dass die Elefantenjagd keine Konsequenzen hat. Sie fütterten die "Thüringer Allgemeine" mit weiteren Interna. Glaubt man ihren Informationen, scheint das Umweltministerium in Thüringen mit lauter Jagdverrückten besetzt zu sein. Unter der Überschrift "Trophäen-Neid im Ministerium: Beamte streiten, wer jagen darf" berichtet das Blatt über einen erbitterten Kampf im Ministerium. Strittig sei, wer die prächtigsten Hirsche auf den landeseigenen Flächen und Jagden erlegen darf. Normalerweise wird die Jagd von den Angestellten ausgeübt, die die Wälder und Felder dienstlich betreuen. Der Schuss auf ausgewählte Trophäen soll den Informationen zufolge aber nicht den einfachen Förstern erlaubt sein, die sonst Pflege und Hege ausüben. Dieses Privileg soll per Sonderverordnung den Schreibtischbeamten der Ministeriumsspitze zukommen. Gejagt würde dann während der Dienstzeit und auf Kosten des Steuerzahlers.

Mit Sondergenehmigung dürfen die Stoßzähne exportiert werden.

Mit Sondergenehmigung dürfen die Stoßzähne exportiert werden.

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