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Jahresrückblick

Ermittlungen im Jahr 2018: Manager mit Säure überschüttet, Obdachloser enthauptet: Diese Kriminalfälle sind noch immer ungelöst

Schüsse auf einen Fußballprofi, Säureattacke auf einen Manager, ein enthaupteter Obdachloser, ein erschossener Intensivtäter - und ein spektakulärer Überfall auf einen Geldtransporter: Kriminalfälle aus dem endenden Jahr, die immer noch ungelöst sind.

Polizeibeamte stehen an einem Geldtransporter mit aufgebrochenen Türen

Polizeibeamte stehen an einem Geldtransporter mit aufgebrochenen Türen. Mehrere Maskierte hatten das Fahrzeug in der Nähe des Alexanderplatzes (Berlin) überfallen. 

DPA

Es ist ein bisschen wie im Fernsehkrimi: Viele spektakuläre Straftaten werden von der Polizei früher oder später aufgeklärt. Bei Gewaltkriminalität insgesamt liegt die Erfolgsquote bei mehr als drei Viertel der Fälle, bei Tötungsdelikten sind es sogar rund 95 Prozent. Trotzdem: Das Jahr 2018 geht zu Ende, und bei einigen Kriminalfällen, über die tagelang gesprochen wurde, konnten die Ermittler noch keinen Täter präsentieren. Eine Auswahl.


7. Januar 2018: Ein Fußballprofi wird auf der Autobahn beschossen. Wurde er zu einer politischen Zielscheibe?

Deniz Naki ruft mit einer Hand am Mund zu einem Mitspieler

Fußballprofi Deniz Naki ruft mit einer Hand am Mund zu einem Mitspieler

DPA

Der deutsch-türkische Fußballprofi Deniz Naki ist nahe Düren bei Aachen auf der Autobahn 4 unterwegs, als er nach eigenen Angaben aus einem fahrenden Wagen beschossen wird. Der heute 29-Jährige - er hatte 31 Mal für deutsche Junioren-Nationalteams gespielt sowie eine Zeit lang unter anderem für den FC St. Pauli - bleibt unverletzt.

+++ Lesen Sie hier, warum Fußballprofi Deniz Naki nicht in die Türkei zurückkehren will. +++

Von der Staatsanwaltschaft in Aachen heißt es nach dem Angriff: "Wir ermitteln in alle Richtungen." Auch eine politisch motivierte Tat wird nicht völlig ausgeschlossen. Der Fußballer mit kurdischen Wurzeln sah sich wegen pro-kurdischer Äußerungen seit längerem als Zielscheibe. Ende Januar wird er von der türkischen Fußballföderation (TFF) lebenslang gesperrt - zum Grund heißt es: "Diskriminierung und ideologische Propaganda" vonseiten Nakis.


4. März 2018: Der Innogy-Finanzchef wird Opfer eines Säureattentats. Warum, ist bis heute unklar.  

Bernhard Günther, Finanzvorstand des Ökostrom-Konzerns Innogy.

Bernhard Günther, Finanzvorstand des Ökostrom-Konzerns Innogy

DPA

Der Finanzchef des Energiekonzerns Innogy, Bernhard Günther, wird Opfer eines Säureattentats. Nach dem Joggen nahe seinem Wohnhaus in Haan bei Düsseldorf überfallen ihn zwei Männer, sie werfen ihn zu Boden, schütten ihm ätzende Säure ins Gesicht und fliehen. Der 51-jährige Günther erleidet schwerste Verletzungen.

+++ Lesen Sie hier, wie Bernhard Günther bei der Ermittlung der Täter helfen will. +++

Wenige Wochen später nimmt er die Arbeit wieder auf. Im September stellt die Staatsanwaltschaft Wuppertal ihre Ermittlungen ein. Die Identität der Täter bleibt ebenso ungeklärt wie deren Motive für den Anschlag. Innogy hat bis zu 80.000 Euro Belohnung für Tathinweise ausgesetzt. Günther wurde vor sechs Jahren schon einmal überfallen - damals wurde er beim Joggen zusammengeschlagen.


23. März 2018: Ein Obdachloser wird enthauptet. Trotz 1300 Spuren bleibt die Frage ungeklärt: von wem?

Obdachloser wird enthauptet auf Friedhof gefunden

Mit einem Absperrband ist auf dem Hauptfriedhof ein Leichenfundort gekennzeichnet. Der Obdachlose Gerd Michael Straten wurde hier enthauptet gefunden.

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Der Obdachlose Gerd Michael Straten wird enthauptet auf dem Koblenzer Hauptfriedhof gefunden. Der 59-Jährige hatte einst mit Kunst gehandelt, Ende der 90er Jahre aber sein Geschäft schließen müssen.

+++ Lesen Sie hier, wie die Polizei fieberhaft auf die Suche nach einer "heißen Spur" im Kriminalfall Gerd Michael Straten suchte. +++

Straten lebte danach jahrelang auf dem Hauptfriedhof. Er soll häufig eine Bibliothek besucht, kaum Alkohol getrunken und keineswegs dem Klischee von Obdachlosen entsprochen haben. Die Anteilnahme in Koblenz ist groß. Im Sommer heißt es, die Polizei habe rund 1000 mögliche Zeugen befragt und etwa 1300 Spuren und Hinweise ausgewertet. Ein Tatverdächtiger wurde aber nicht ermittelt. Die Staatsanwaltschaft hat 10.000 Euro Belohnung für Hinweise zur Aufklärung des Falls ausgelobt.


9. September 2018: Clan-Mitglied Nidal R. wird erschossen. Sollen Reviere neu abgesteckt werden?

Clan-Mitglied Nidal R. wird auf offener Straße erschossen - zahlreiche Gäste kommen zu seiner Trauerfeier

Zahlreiche Trauergäste kommen zur Beerdigung von Nidal R. auf dem Neuen Zwölf-Apostel-Kirchhof in Schöneberg

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Intensivstraftäter und Clan-Mitglied Nidal R. wird in Berlin-Neukölln erschossen. Die Tat ereignet sich an einem Sonntagnachmittag am Rand des Tempelhofer Felds neben einem Eiswagen und vor den Augen von Spaziergängern und Kindern.

+++ Lesen Sie hier mehr über Nidal R., für den Berlin einst die "Intensivtäter"-Abteilung einführte. +++

Clan-Krieg? Werden Reviere der Kriminellen neu abgesteckt? Die Hintergründe bleiben unklar. Der Mordfall rückt die organisierte Kriminalität in Berlin und Probleme mit kriminellen Mitgliedern arabisch-libanesischstämmiger Großfamilien in den Blickpunkt. Der 36-jährige Nidal R. galt als Teil solcher Netzwerke. Bis zu 2000 Trauergäste kommen zu seiner Bestattung, darunter mehrere Oberhäupter bekannter arabischstämmiger Clans. 150 Polizisten bewachen die Zeremonie.


19. Oktober 2018: Maskierte überfallen einen Geldtransporter. Drei sind immer noch auf freiem Fuß.

Polizeibeamte stehen an einem Geldtransporter mit aufgebrochenen Türen

Polizeibeamte stehen an einem Geldtransporter mit aufgebrochenen Türen. Mehrere Maskierte hatten das Fahrzeug in der Nähe des Alexanderplatzes (Berlin) überfallen. 

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Maskierte überfallen in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes einen Geldtransporter, fliehen mit Beute in zwei Autos und beschießen einen Streifenwagen, der sie verfolgt.

Die Szene wird als filmreif beschrieben: Mindestens fünf Männer sollen die Fahrer des Transporters mit Maschinenpistolen bedroht, den Wagen aufgebrochen und acht kleine und große Geldkisten herausgeholt haben.

+++ Lesen Sie hier, warum der Überfall die Ermittler vor ein Rätsel stellt. +++

Bei der Flucht mit zwei Autos verlieren sie erst eine große Kiste; dann lassen sie kurz darauf einen beschädigten Fluchtwagen mit den weiteren sieben Kisten stehen, um mit dem zweiten Auto zu entkommen.

Am 6. Dezember ist wieder Bewegung in den Fall gekommen, als ein weiterer Tatverdächtiger festgenommen wurde. Auf die Spur des 32-Jährigen kamen die Ermittler nach dem Geständnis eines seiner Komplizen, der Ende November festgenommen worden war, wie die Berliner Generalstaatsanwaltschaft mitteilte. Der 32-Jährige soll für die Logistik des Überfalls verantwortlich gewesen sein. Er soll das Tatfahrzeug und die Werkzeuge zum Öffnen des Geldtransporters beschafft haben. Die Generalstaatsanwaltschaft  wirft dem Mann Beihilfe zum schweren Raub vor. Die Polizei sucht nach eigenen Angaben weiter nach den verbliebenen drei Komplizen der beiden in Untersuchungshaft sitzenden Verdächtigen.

Michael Kieffer / fs / DPA
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