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Jahrzehntelanger Missbrauch in Braunau: Mutmaßlicher Inzesttäter muss in U-Haft

Seit 40 Jahren soll der heute 80-Jährige seine beiden Töchter missbraucht haben. Nun muss der mutmaßliche Täter aus Braunau am Inn in Untersuchungshaft. Kinder sollen bei den Vergewaltigungen nicht gezeugt worden sein.

In dem neuen Inzestfall in Österreich ist für den 80-jährigen Verdächtigen Untersuchungshaft angeordnet worden. Dies gelte vorerst bis zum 9. September, teilte das Landesgericht Ried am Freitag mit. Staatsanwalt Alois Ebner sagte der Nachrichtenagentur Apa, nach bisherigen Erkenntnissen habe der Mann mit seinen Töchtern keine Kinder gezeugt. Der Verdächtige bestritt weiter, seine beiden heute 53 und 45 Jahre alten Töchter seit 1970 regelmäßig sexuell missbraucht und körperlich misshandelt zu haben. Er habe jedoch keine Beschwerde gegen seine Inhaftierung eingelegt.

Der Bezirkshauptmann von Braunau, Georg Wojak, sagte im Gespräch mit der österreichischen Nachrichtenagentur Apa, die offenbar geistig zurückgebliebenen Töchter des Verdächtigen würden in einer "adäquaten Einrichtung" untergebracht. Sie sollen dem Bericht zufolge in Anwesenheit eines medizinisch-psychiatrischen Sachverständigen befragt werden. Auch der 80-Jährige werde voraussichtlich medizinisch begutachtet.

Gegen Töchter wird wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt

Ans Licht kam der Fall nach Polizeiangaben Anfang Mai, als sich die ältere Tochter gegen einen erneuten Vergewaltigungsversuch ihres Vater wehrte und dieser daraufhin stürzte. Seine Töchter ließen den Angaben zufolge den Hilflosen zunächst liegen, erst zwei Tage später riefen sie eine Sozialarbeiterin. Diese erstattete Anzeige bei der Polizei. Der Mann wurde ins Krankenhaus gebracht und dann in ein Pflegeheim von Braunau, blieb aber zunächst auf freiem Fuß. Erst am Donnerstagnachmittag wurde er festgenommen.

Nun wird laut Apa nicht nur gegen ihn ermittelt, sondern auch gegen seine beiden Töchter wegen unterlassener Hilfeleistung. Staatsanwalt Alois Ebner sagte jedoch, er gehe von Notwehr aus. Die Frauen seien "primär als Opfer anzusehen und nicht als Täterinnen". Sie sollen laut Ebner während ihrer Schulzeit auch von einem Bekannten ihres Vaters misshandelt worden sein, diese Taten seien aber mittlerweile verjährt.

"Gefängnis im Kopf"

Dass die Frauen nicht die Flucht ergriffen hatten, obwohl sie faktisch nicht eingesperrt waren, sei erklärbar, sagte Psychiaterin Adelheid Kastner im österreichischen Rundfunk ORF: "Das Gefängnis dürfte im Kopf gewesen sein." Der Vater habe offenbar mit Drohungen so große manipulative Macht ausgeübt, dass die Schwestern keinen Ausbruch wagten. "Wenn man zum einen bedroht wird und zum anderen sich selbst nicht die Kompetenz zutraut, draußen in der Welt zurecht zu kommen, dann kann dieses manipulative Einsperren sehr effizient sein", erklärte sie in einem Fernsehinterview.

Der Fall erinnert an den Inzesttäter Josef Fritzl, der seine Tochter fast ein Vierteljahrhundert lang in seinem Keller in Amstetten festgehalten und mit ihr sieben Kinder gezeugt hatte. Im März 2009 wurde er zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

iml/DPA/AFP / DPA