HOME

James J. "Whitey" Bulger: Gangsterkönig im Spielerparadies

Er war einer der "Most Wanted" in den USA. Vergangene Woche wurde der seit 16 Jahren gesuchte Gangster James J. "Whitey" Bulger festgenommen. Jetzt werden Details von seiner Flucht bekannt.

James Bulger

Casino statt Quarantäne: Der gesuchte Gangster James J. "Whitey" Bulger vergnügte sich in Las Vegas

Als James J. "Whitey" Bulger am vergangenen Mittwoch in seiner Wohnung im kalifornischen Santa Monica festgenommen wurde, schien die Sache klar: Der 81-Jährige muss sich dort lange Zeit versteckt gehalten haben. Denn er war 16 Jahren lang einer der zehn meistgesuchten Verbrecher der USA.

Doch erste Befragungen nach der Verhaftung zeichnen ein ganz anderes Bild: Bulger, der ein Barvermögen von mehr als 800.000 Dollar in seinem Appartement versteckt hielt, lebte keineswegs zurückgezogen in seiner Wohnung. Stattdessen unternahm er immer wieder ausgedehnte Reisen, wie die "New York Times" unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichtete. Oftmals fuhr er nach Las Vegas, um an den Spielautomaten zu zocken. Dabei gewann er der Staatsanwaltschaft zufolge mehr als er verlor. Mehrmals habe er auch - schwer bewaffnet - seine Heimatstadt Boston bereist, weil er sich um "unerledigte Geschäfte" habe kümmern müssen.

Vorbild für Scorseses Mafia-Drama

Dort war Bulger 1994 kurz vor einer geplanten Festnahme untergetaucht - ein früherer FBI-Ermittler hatte ihn kurz vor seiner Ergreifung gewarnt. Bulger wird vorgeworfen, in den 70er und 80er Jahren in Boston Kopf einer irischen Bande gewesen zu sein, die mit äußerster Brutalität vorging. Geldwäsche, Erpressung, Drogengeschäfte und 19 Morde werden ihm zu Last gelegt.

Bulgers schillernde Biografie lieferte die Vorlage für die von Jack Nicholson dargestellte Gangsterfigur Frank Costello in Martin Scorseses Mafia-Drama "Departed - Unter Feinden", das 2007 mit dem Oscar als bester Film ausgezeichnet wurde.

Sie galten als "zurückhaltend" und "liebenswürdig"

Nach seiner Flucht lebten Bulger und seine Lebensgefährtin Catherine Greig unter dem Namen Carol und Charlie Gasko die letzten 14 Jahre in einer Wohnung in Santa Monica. Die Miete hat das Paar nach Auskunft des Vermieters immer bar bezahlt. Nachbarn beschreiben sie als "zurückhaltend" und "liebenswürdig". Während seine Lebensgefährtin ein gutes Verhältnis zu ihrer Nachbarschaft pflegte, sei Bulger verschlossen gewesen und habe viel Zeit zu Hause vor dem Fernseher verbracht.

Es waren letztlich nicht die dreisten Reisen, die den Gangsterkönig zu Fall brachten. Vielmehr wurde ihm der Schönheitswahn seiner Lebensgefährtin zum Verhängnis. Weil die Behörden davon wussten, richtete das FBI seine Kampagne gezielt an Frauen, die Greig während einer Beauty-Behandlung gesehen haben könnten. In 14 amerikanischen Städten wurden 30-sekündige Spots im Supermarkt geschaltet. Der entscheidende Tipp kam per Telefon.

Statt Roulette in Vegas wird sich Bulger künftig wohl mit Poker-Runden im Knast bescheiden müssen.

Carsten Heidböhmer
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?