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Anime-Fans weltweit trauern: Brandanschlag in Japan mit 33 Toten – so begründet der Verdächtige die Wahnsinnstat

Ein Mann soll in Japan einen Brandanschlag auf ein Anime-Filmstudio verübt haben, bei dem 33 Menschen getötet wurden. Nun kommen immer mehr Details ans Licht – und Anime-Fans in der ganzen Welt trauern. 

Ein Mann betet vor dem Gebäude, in dem 33 Menschen den Tod fanden

Ein Mann betet vor dem Gebäude, in dem 33 Menschen den Tod fanden

AFP

Es ist der schlimmste tödliche Anschlag in Japan seit fast zwei Jahrzehnten: Ein 41-jähriger Mann wird verdächtigt, einen Brandanschlag auf ein Studio für Anime-Filme in der Stadt Kyoto begangen zu haben. Medienberichten zufolge betrat der Mann das dreistöckige Gebäude, schrie "sterbt!", verschüttete eine brennbare Flüssigkeit und zündete sie an. 33 Menschen kamen dabei ums Leben. Die meisten von ihnen wurden laut Berichten der Nachrichtenagentur Kyodo auf einer Treppe gefunden, die zum Dach führt. Nach Informationen des Senders NHK starben viele der Opfer an einer Kohlenmonoxidvergiftung. 

36 Menschen seien verletzt worden, 17 befänden sich noch in Krankenhäusern, so die Zeitung "Asahi Shimbun". Unter den Verletzten ist auch der mutmaßliche Brandstifter. Die japanische Zeitung "Mainichi Shimbun" berichtet unter Berufung auf Ermittlerkreise, dass der 41-Jährige das Feuer gelegt habe, weil er meinte, das Filmstudio, die Kyoto Animation Co., habe ihm "eine Geschichte gestohlen". Die Ermittler konnten jedoch den mutmaßlichen Diebstahl nicht bestätigen. Die Präfekturpolizei von Kyoto vermutet, dass der Mann aufgrund seiner einseitigen Sichtweise einen Groll gegen das Unternehmen hegte und Rache wollte.

Mutmaßlicher Täter saß bereits im Gefängnis

Besonders tragisch: Laut der Nachrichtenagentur Reuters hatte das betroffene Gebäude weder Sprinkleranlagen noch Feuerhydranten. Dies habe ein Beamter der Feuerwehr von Kyoto mitgeteilt. Dieser Brandschutz sei aber auch nicht vorgeschrieben gewesen, da das Gebäude als "Büro" eingestuft wurde. Feuerlöscher und Alarmanlagen seien aber vorhanden gewesen.  

Laut "Mainichi Shimbun" arbeitete der mutmaßliche Attentäter nie bei Kyoto Animation, und bislang sei auch kein Zusammenhang zwischen ihm und den Studio bekannt. Der 41-jährige Mann sei im Zuge seiner Behandlung im Krankenhaus unter Narkose gesetzt worden. Sobald er sich erholt habe, wolle die Polizei ihn offiziell verhaften und weitere Ermittlungen anstellen, so das Blatt weiter.

Nach Angaben der Ermittler wurden am Ort des Brandanschlages zwei 20-Liter-Benzinkanister gefunden sowie mehrere Messer und ein Hammer. Daher gehe die Polizei von einer geplanten Tat aus, so "Mainichi Shimbun" weiter. Die Zeitung berichtet zudem, der mutmaßliche Täter sei bereits zuvor auffällig geworden. So habe er einem Nachbarn mit dem Worten "Ich bringe dich um" gedroht. Laut NHK wurde er außerdem wegen eines Raubüberfalls auf einen Supermarkt zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Er sei auch wegen psychischer Probleme in Behandlung gewesen, so der Sender.

Kyoto: Tote nach Brandanschlag auf Trickfilmstudio – Täter schrie "Sterb!"

Trauer bei Anime-Fans in Japan und weltweit

Bereits wenige Stunden nach dem mutmaßlichen Brandanschlag hatten Einwohner der Stadt ihre Anteilnahme gezeigt und Blumen am Tatort niedergelegt. Ein 71 Jahre alter Anwohner sagte Reuters: "Ich bin einfach sehr, sehr traurig, dass diese Menschen, die so viel jünger sind als ich, so früh verstorben sind." Japans Premierminister Shinzo Abe schrieb auf Twitter: "So viele Menschen wurden getötet oder verletzt. Es ist so schrecklich, dass ich nicht die richtigen Worte finden kann." Auch viele Fans der japanischen Zeichentrickfilme, genannt Anime, trauerten um die Opfer. Ein Student sagte Kyodo: "Ich liebe KyoAni, also bin ich besorgt." Das 1981 gegründete Filmstudio hatte viele bekannte Filme und Serien produziert, zum Beispiel "K-On!".

Unter den Hashtags #PrayForKyoani oder #KyoAniStrong bekundeten viele auf Twitter ihr Beileid und ihre Trauer. Einige riefen zu Spenden auf. Das in den USA ansässige Animationsstudio "Sentai Filmworks" startete eine Online-Spendenaktion, wie die Plattform "GoFundMe" angab. In wenigen Stunden wurden mehr als 540.000 US-Dollar an Spenden gesammelt.

In Japan sind Gewaltverbrechen vergleichsweise selten. Dort werden Brandanschläge, wo viele Menschen in Holzhäusern leben, hart bestraft. Sogar die Todesstrafe kann drohen. Im Mai ging ein Mann in der Nähe von Tokio mit Messern auf eine Gruppe Schulmädchen los und tötete zwei Menschen. Vor drei Jahren wurden bei einem Amoklauf in einem Heim für Behinderte 19 Menschen erstochen.

Quellen: Nachrichtenagenturen Kyodo (1), (2), Reuters (1), (2), "Asahi Shimbun", "Japan Times", "Mainichi Shimbun", NHK (1), NHK (2), mit Agenturen DPA und AFP

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