VG-Wort Pixel

"Technische Fehler" Fall Jeffrey Epstein: Überwachungsvideo aus Gefängnis versehentlich gelöscht

Jeffrey Epstein entging durch seinen Tod wohl einer langen Haftstrafe
Jeffrey Epstein entging durch seinen Tod wohl einer langen Haftstrafe
© Handout / New York State Sex Offender Registry / DPA
Der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein starb im August in seiner Zelle in Manhattan. Wenige Tage zuvor hatte er laut Behörden bereits versucht, sich das Leben zu nehmen. Videoaufnahmen von diesem Tag sind nun verschwunden.

Im Fall Jeffrey Epstein ist ein Gefängnis-Überwachungsvideo laut US-Behörden verschwunden. Dabei geht es um Bilder aus einer Kamera vor Epsteins Zelle in Manhattan während seines ersten mutmaßlichen Suizidversuches im Juli, wie mehrere US-Medien unter Berufung auf ein Statement der Justizvollzugsanstalt berichten.

Demnach wurden die Aufnahmen versehentlich gelöscht, obwohl der Anwalt des damaligen Zellennachbarn Epsteins explizit um die Aufbewahrung gebeten hatte. Stattdessen habe das Gefängnis Videomaterial eines anderen Gebäudeteils aufbewahrt. Auch auf dem speziellen Back-up-System für derlei Material seien die Aufnahmen bereits seit August nicht mehr aufzufinden. Letzteres sei auf "technische Fehler" zurückzuführen.

Jeffrey Epstein soll jahrelang Mädchen missbraucht haben

Der ehemalige Investmentbanker und Multimillionär Epstein war festgenommen worden, weil er über Jahre hinweg minderjährige Mädchen sexuell missbraucht und zur Prostitution gezwungen haben soll, manche von ihnen nur 14 Jahre alt. Wegen ähnlicher Vorwürfe war er 2007 in Florida bereits verurteilt worden, jedoch wegen eines Deals mit einer sehr milden Strafe davon gekommen. Im Sommer 2019 nahmen in New Yorker Behörden dann fest und wollten ihm den Prozess machten. Ihm drohte eine jahrzehntelange Haftstrafe.

Internationale Beachtung fand der Fall vor allem wegen Epsteins guter Kontakte in obere Gesellschaftsschichten. So verbrachte er Zeit mit Menschen wie dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton oder dem britischen Prinzen Andrew.

Zwei Tage nach dem mutmaßlichen Suizidversuch im Juli beantragte der Anwalt von Epsteins Zellennachbar die Aufbewahrung des Videos, laut Medien, um zu zeigen, wie vorbildlich sein Mandant sich verhalten habe. Das Gefängnis habe "versehentlich Videomaterial aus einem anderen Stockwerk aufbewahrt, was dazu geführt hat, dass die Aufnahmen von vor der Zelle des Angeklagten vom 22. auf den 23. Juli 2019) nicht mehr existieren", zitiert CNN aus dem Statement. Bereits im Dezember hieß es von den Behörden, dass die Aufnahmen vernichtet worden sein. Einen Tag später wurde verkündet, man habe sie doch wiedergefunden. Nun teilte das Gefängnis mit, dass sie tatsächlich verloren sein. 

Anfang August hatte man Epstein tot in seiner Zelle aufgefunden. Die Behörden stufen den Vorfall als Suizid ein. Besonders in den USA zweifeln jedoch viele Menschen diese Version der Geschehnisse an und vermuten eine Ermordung Epsteins wegen möglicher Verstrickungen von reichen und mächtigen Personen in seinen Fall, die vor Gericht hätten behandelt werden können. Dafür gibt es keine bekannten Belege.

Justizminister William Barr hat wegen der zahlreichen Ungereimtheiten eine Untersuchung einleiten lassen, spricht jedoch von "einer ganzen Reihe von Patzern", nicht von absichtlicher Manipulation. In der Todesnacht sollen zwei Wärter ihrer Pflicht nicht nachgekommen sein, Epstein alle 30 Minuten zu kontrollieren und entsprechende Berichte gefälscht haben. Die beiden hätten geschlafen und online geshoppt, hieß es in US-Medienberichten.

Sie haben suizidale Gedanken?

Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Quellen:"CNN" / "Washington Post" / BBC

fin

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker