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Jerusalem: Tote bei Anschlag auf Talmud-Schule

Bei einem Anschlag auf ein jüdisches Priesterseminar in der israelischen Hauptstadt Jerusalem sind acht Menschen ums Leben gekommen. Die Attentäter sind in die Talmud-Schule eingedrungen und haben mehrere Minuten um sich geschossen.

Nach Monaten scheinbarer Ruhe ist die Gewalt nach Jerusalem zurückgekehrt: Zwei Attentäter sind am Abend in jüdische Religionsschule eingedrungen und haben dort nach Angaben der israelischen Polizei und Rettungsdienste mindestens sieben Menschen getötet worden. Israelische Medien berichteten von 35 Verletzten. Fernsehberichten zufolge wurden die beiden Attentäter von israelischen Spezialeinheiten getötet. Die Angreifer waren nach Augenzeugenberichten in die Bibliothek eingedrungen, wo sich etwa 80 Menschen befanden, und hatten wild um sich geschossen. Hunderte Polizisten umstellten das Gelände und suchten nach Verdächtigen. Es war der erste Anschlag in Jerusalem seit über einem Jahr.

Nach Bekanntwerden der Bluttat strömten in Gaza tausende Palästinenser auf die Straße. Viele feuerten Freudenschüsse in die Luft. Die radikale Hamas-Organisation, die den Gazastreifen regiert, bekannte sich nicht direkt zu der Tat, erklärte aber: "Wir segnen diese Aktion. Es wird nicht die letzte gewesen sein." Israel hatte erst vor kurzem eine Militäraktion im Gazastreifen beendet, der mehr als 120 Palästinenser zum Opfer gefallen waren, etwa die Hälfte davon Zivilpersonen. Als Grund für die Offensive nannte Israel den andauernde Raketenbeschuss militanter Palästinenser aus dem Gazastreifen heraus auf israelisches Territorium.

Verbindung zur Siedlerbewegung

Die Talmud-Schule Mercas Harav im Viertel Kirjat Mosche ist ein bekanntes religiöses Studienzentrum. Ihm werden enge Verbindungen zur jüdischen Siedlerbewegung im Westjordanland nachgesagt. Im vergangen Jahr gab es in Jerusalem keine Anschläge militanter Palästinenser. Die israelischen Sicherheitskräfte haben allerdings erklärt, viele Attentate vereitelt zu haben. Zwischen 2001 und 2004, dem Höhepunkt der israelisch-palästinensischen Kämpfe, war Jerusalem häufig der Schauplatz palästinensischer Anschläge, darunter zahlreiche Selbstmordattentate auf Busse.

Erste Berichte, wonach einer der Attentäter einen Sprengstoffgürtel trug, stellten sich als falsch heraus. Es habe sich tatsächlich um einen Munitionsgürtel gehandelt, sagte der Jerusalemer Polizeichef Schmuel Ben Rubi. Augenzeugen sagten im Fernsehen, die Schießerei habe mindestens zehn Minuten gedauert. Ein Schüler berichtete, er habe sich mit seinem Gewehr auf dem Dach eines nahegelegenen Gebäudes versteckt. Ein Angreifer mit einer automatischen Waffe sei aus der Bibliothek gekommen. "Der Terrorist kam zum Eingang und ich habe ihm zwei Mal in den Kopf geschossen", sagte der Religionsschüler.

Sanitäter unter Beschuss

Ein Sanitäter berichtete, der Schusswechsel habe noch angedauert, als die Rettungsdienste an der Schule eintrafen. "Wir gingen in Deckung, der Krankenwagen wurde getroffen", sagte er. "Da drin ist es schrecklich - Leichen und Verwundete - einfach furchtbar." Der Jerusalemer Bürgermeister Uri Lupolianski sprach im Fernsehen von einem "sehr traurigen Abend" für die Stadt: "Viele Menschen wurden im Herzen Jerusalems getötet." Der Direktor der Rettungsdienste, Eli Dein, sprach von "mindestens sieben Toten und zehn Verletzten."

Aron Heller/AP / AP