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Oldenburg Der kleine Joe ist wieder da – aber es bleiben viele Fragen

Gullyschacht in Oldenburg, in dem der achtjährige Joe entdecket wurde
Der achtjährige Joe wurde mehr als eine Woche nach seinem Verschwinden in einem Oldenburger Gullyschacht gefunden
© Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt / Ammerland, Andre van Elten / DPA
Das Bangen hat ein Ende – und was für eins: Der achtjährige Joe aus Oldenburg wurde mehr als eine Woche nach seinem Verschwinden lebend gefunden. Für die Polizei ist die Arbeit damit aber noch nicht erledigt, denn noch ist vieles in dem Fall mysteriös.

Die erlösende Nachricht kam am Samstag. "Der achtjährige Joe lebt!", twitterte die Polizei Oldenburg um 7.41 Uhr. Damit endete die mehr als einwöchige Suche nach dem kleinen Jungen, die eine ganze Region in Atem gehalten hat.

Ein Spaziergänger hatte nach Polizeiangaben am selben Morgen um 6.22 Uhr ein leises Wimmern unter einem Gullydeckel in der Oldenburger Kranichstraße – wenige hundert Meter vom Wohnhaus Joes entfernt – gehört und den Notruf gewählt. Gemeinsam retteten Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst den Jungen aus dem Kanalschacht (der stern berichtete). Er wurde ein Krankenhaus eingeliefert. "Joe war unverletzt äußerlich, unterkühlt natürlich", sagte Polizist Stefan Klatte der Nachrichtenagentur DPA. Und: "Wir sind so glücklich – wirklich!"

Joe aus Oldenburg mehr als eine Woche verschwunden

Für die Familie von Joe endete damit ein Albtraum. "Ein herzliches Danke, Danke, Danke!", sagte der hörbar erleichterte Vater des kleinen Jungen bei RTL an die unzähligen Helferinnen und Helfer gerichtet, die in den vergangen Tagen nach seinem Sohn gesucht hatten.

Doch trotz der erlösenden Nachricht vom Samstag – für die Polizei ist die Arbeit an dem Fall noch nicht beendet, denn viele Fragen bleiben weiterhin, wie eine Sprecherin am Montag dem stern sagte. "Wir wissen noch nicht, wie Joe in den Gullyschacht gelangen konnte." Selbst ein kräftiger Erwachsener kann den Gullydeckel nach Reporterangaben nicht ohne weiteres anheben. Möglicherweise ist Joe an einer anderen Stelle in das weit verzweigte Kanalsystem gelangt und durch die Röhren gekrabbelt. Mit einer Kamera sollte das Tunnellabyrinth untersucht werden, um den möglichen Weg des Kindes nachzuvollziehen.

Aber es besteht auch weiterhin die Möglichkeit eines Verbrechens. "Wir ermitteln weiter in alle Richtungen", so die Beamtin weiter. Zu den Akten gelegt werde der Fall noch nicht, so die Polizei. Aus ermittlungstaktischen Gründen wollten die Beamtinnen und Beamten keine Angaben dazu machen, ob der Junge bei seiner Entdeckung dieselbe Kleidung wie am Tag des Verschwindens trug. Völlig unklar ist auch, ob und wie der Achtjährige sich in der gesamten Zeit mit Nahrung oder zumindest mit Wasser versorgt hat. Joe selbst sei am Wochenende noch nicht befragt worden, hieß es. Der Junge sei weiterhin zur Beobachtung im Krankenhaus, so die Polizeisprecherin am Montag.

Polizei gründete Mordkommission

Joe war am Freitag, den 17. Juni, in der Nähe der elterlichen Wohnung im Nordosten Oldenburgs zum letzten Mal gesehen worden. Noch am selben Abend hatte die Polizei eine erste großangelegte Suchaktionen gestartet. Weil der Junge eine geistige Behinderung hat, wurde befürchtet, dass er die Suche als ein Spiel missverstehen und sich bewusst verstecken könnte. In den folgenden Tagen wurden die Suchaktionen mit immensem Einsatz von Mensch und Material fortgesetzt, auch Freiwillige beteiligten sich. Am vergangenen Donnerstag schien die Hoffnung, Joe noch lebend zu finden, mehr und mehr zu schwinden. Die Polizei rechnete mit dem Schlimmsten und richtete nach einer Zeugenaussage eine Mordkommission ein, trieb die Suche nach dem Kind aber parallel weiter voran – bis zum vergangenen Samstag um 6.22 Uhr.

Quellen: Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt / Ammerland bei Twitter, Pressemitteilungen Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt / Ammerland, RTL, Nachrichtenagentur DPA


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