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Sieg vor Oberlandesgericht: Kachelmann hat sein "Vertrauen in die deutsche Justiz zurückgewonnen"

Vor fünf Jahren wurde Jörg Kachelmann vom Vergewaltigungsvorwurf freigesprochen. Jetzt hat das Oberlandesgericht Frankfurt entschieden, dass seine Ex-Geliebte ihn bewusst falsch angezeigt hat. 

Der ehemalige Wettermoderator Jörg Kachelmann vor dem Oberlandesgericht

Der ehemalige Wettermoderator Jörg Kachelmann sagt, er sei Opfer einer "Verbrecherin" geworden

Auf diesen Tag hat Jörg Kachelmann lange gewartet. Doch trotz seines eindeutigen Siegs vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt ist der Wettermoderator klug genug, um öffentlich keine Triumphgefühle aufkommen zu lassen.

"Ich habe mein Vertrauen in die deutsche Justiz zurückgewonnen", sagt der 58-Jährige am Mittwoch im Gerichtssaal fast demütig. Um dann - mit leger umgebundenem Schal als Markenzeichen - noch eine klare Botschaft an seine anwesende Ex-Geliebte zu richten: Er sei Opfer einer "Verbrecherin" geworden, die nicht straffrei davonkommen dürfe.

Sechseinhalb Jahre nach seiner spektakulären Festnahme am Frankfurter Flughafen und der anschließenden Inhaftierung hat der OLG-Senat Kachelmann bestätigt, was dieser schon immer sagte. Die Journalistin habe ihn "vorsätzlich und wahrheitswidrig" der Vergewaltigung bezichtigt, stellt das OLG in seiner rund 45-minütigen Begründung fest.

Claudia D. muss Gutachten bezahlen

Claudia D. muss deshalb nun die Kosten für medizinische Gutachten bezahlen, die Kachelmann in der U-Haft in Auftrag gab, um sich zu verteidigen. Doch im Schadenersatzverfahren ging es weniger um den eher lächerlichen Betrag von 7096,51 Euro für die Gutachten. Es interessierte vielmehr die Frage, was zwischen den beiden damals wirklich passiert ist.

Kachelmann hatte im Zivilprozess die Beweislast: Er musste zeigen, dass Claudia D. bewusst die Unwahrheit sagte. Bei seinem Freispruch im Mannheimer Strafprozess Ende Mai 2011 hatte die dortige Kammer noch erklärt, das Urteil sei nicht mit dem "Nachweis einer intentionalen Falschaussage" seiner Ex-Geliebten verbunden.

Dagegen lassen die drei Richter des OLG-Senats im 33-seitigen Urteil nun keinen Zweifel an der Falschaussage von Claudia D. erkennen. Sie sind überzeugt, dass sie sich die Verletzungen bei der angeblichen Vergewaltigung in der Nacht zum 9. Februar 2010 selbst beigebracht hat. Dabei stützen sie sich vor allem auf ein Gutachten von Marcel Verhoff, dem Direktor des Instituts für Rechtsmedizin an der Universität Frankfurt.

Ex-Geliebte von Jörg Kachelmann mit "krimineller Energie"

Es spreche "deutlich mehr" dafür, dass die Verletzungen ohne Fremdeinwirkung zustande kamen, hatte er dem Gericht gesagt. Das OLG verweist zugleich darauf, dass sich Claudia D. in ihren Aussagen in zahlreiche Widersprüche verstrickt habe. Das von ihr geschilderte Geschehen einer Vergewaltigung sei "farblos und detailarm" und daher wenig plausibel. Kachelmann selbst hatte von einvernehmlichem Geschlechtsverkehr gesprochen.

Claudia D. sei bei ihrer Falschaussage mit "krimineller Energie" und "direktem Vorsatz" vorgegangen, stellt das OLG fest. Dies habe zur Freiheitsberaubung - der U-Haft Kachelmanns - geführt. Als Motiv vermuten die Richter Rachegefühle, da dieser Parallelbeziehungen geführt habe und sich habe abwenden wollen.

Kachelmanns Ex-Geliebt ist in Sonnenbrille und einem beigen Cowboyhut zum Termin erschienen. Auf das für sie nicht ganz unerwartet kommende Urteil hat sie sich gut vorbereitet. Von einem "Justizskandal" spricht die Radiomoderatorin in einer selbst verlesenen Erklärung. Sie sieht sich als Opfer eines Fehlurteils gegen Frauen, die sich mutig gegen sexuelle Gewalt stellen. Ihr denkwürdiger Auftritt im Gerichtssaal endet in der Beschimpfung der drei (männlichen) Richter, die sie als "armselige, feige Frauenverächter" bezeichnet.

Schwere Freiheitsberaubung?

Die falsche uneidliche Aussage sei zwar verjährt, sagt Kachelmanns Anwalt Johann Schwenn. Dies gelte aber nicht für die schwere Freiheitsberaubung. "Die hat die Staatsanwaltschaft von Amts wegen zu verfolgen." Die Staatsanwaltschaft Mannheim will das nun prüfen, wie sie wenige Stunden nach dem Urteil ankündigt.

Kachelmann selbst will nach eigenen Worten wieder dorthin, wo er einst war. Er habe seine Moderation bei der ARD und Werbeverträge verloren, sagt er. "Es gibt ganz viele Menschen, die mich fallengelassen haben wie eine heiße Kartoffel."

fin/Thomas Maier / DPA