John Allen Muhammad Sniper von Washington wird hingerichtet


Sieben Jahre nachdem er als "Heckenschütze von Washington" für Angst und Schrecken gesorgt hat, soll John Allen Muhammad am Dienstagabend hingerichtet werden. Er hatte mit seinem Ziehsohn mehrere Menschen aus dem Hinterhalt erschossen. Das Oberste Gericht der USA lehnte eine Aussetzung der Hinrichtung ab.

Der Heckenschütze von Washington soll heute Abend hingerichtet werden - sieben Jahre nach einer Mordserie, die über die USA hinaus Entsetzen ausgelöst hatte. Das Oberste Gericht der USA lehnte am Montag einen Antrag der Verteidigung auf einen Exekutionsaufschub ab. Damit bleibt John Allen Muhammad nur noch ein Gnadengesuch beim Gouverneur des US-Staates Virginia, wo er seit seiner Verurteilung 2004 in der Todeszelle sitzt. Dem Ersuchen werden so gut wie keine Chancen eingeräumt.

Drei Wochen hatten Muhammad und sein damals minderjähriger Ziehsohn Lee Boyd Malvo die Einwohner Washingtons und der umliegenden Gemeinden in Virginia und Maryland terrorisiert. Willkürlich und zu den unterschiedlichsten Tageszeiten schossen sie an Tankstellen und Parkplätzen gezielt auf Passanten. Die Menschen der Region lebten jeden Tag mit der Angst, das nächste Opfer zu sein. Zehn Menschen wurden getötet und sechs weitere verletzt. Der blutige Albtraum endete am 24. Oktober 2002, als die beiden auf einem Autobahnrastplatz nördlich von Washington festgenommen wurden.

Motiv war Abscheu gegen die Vereinigten Staaten

Schon vor den Attacken von Washington waren in Alabama und Louisiana sechs Menschen dem Heckenschützen-Duo zum Opfer gefallen. Während Malvo eine lebenslange Freiheitsstrafe erhielt, wurde Muhammad zum Tode verurteilt. Die sogenannten Sniper-Prozesse sorgten im In- und Ausland für ein großes Medieninteresse.

Als Motiv für die Tat gab Malvo Muhammads Abscheu gegen die Vereinigten Staaten an. Sein früherer Komplize habe die USA wegen der "Sklaverei", ihrer "Heuchelei" und ihrer Außenpolitik gehasst. Muhammad, der als Golfkriegsveteran ein routinierter Schütze ist, war vor mehr als 20 Jahren zum Islam konvertiert. Da die beiden Schützen von den Behörden zehn Millionen Dollar zu erpressen versucht hatten, war auch Geldgier als möglicher Grund vermutet worden.

Anwälte: Muhammad leidet unter Paranoia

In der vergangenen Woche hatte der inzwischen 48 Jahre alte Muhammad in einem letzten Appell das Oberste Gericht angerufen, um seine Hinrichtung noch zu stoppen. Seine Anwälte argumentierten, dass ihrem Mandanten nicht genug Zeit zur restlosen Ausschöpfung aller Berufungsmittel eingeräumt worden sei. Zudem wiesen sie auf Verfahrensfehler bei seiner Verurteilung hin. So sei nicht ausreichend berücksichtigt worden, dass Muhammad unter Paranoia und anderen mentalen Störungen gelitten habe. Die Richter folgten diesen Argumenten aber nicht.

Die Hinrichtung durch die Giftspritze im Staatsgefängnis von Greensville in Virginia wurde für Dienstag 21 Uhr Ortszeit (3 Uhr MEZ Mittwoch) angesetzt.

AFP/AP/DPA AP DPA

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