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Kinder-Schönheitskönigin: JonBenet Ramsey: Der Mord, über den Amerika seit 20 Jahren rätselt

Die sechsjährige JohnBenet Ramsey wurde an Weihnachten 1996 erwürgt und gefesselt im Keller ihrer Eltern gefunden, ihr Mörder bis heute nicht gefunden. Eine neue TV-Doku präsentiert nun ihren Bruder als Täter. Dieser reagiert mit einer Millionenklage.

Das Grab von JonBenet Ramsey in Marietta, Georgia. 

Das Grab von JonBenet Ramsey in Marietta, Georgia. 

Es ist der Morgen des ersten Weihnachtstages 1996: Patsy Ramsey steht bereits um 5.30 Uhr auf und geht in die Küche um Kaffee zu machen. Ihr Mann John und ihre Kinder JonBenet und Burke schlafen noch. Denkt Patsy zumindest. Auf der Hintertreppe ihres Hauses in Boulder im US-Bundesstaat Colorado findet sie jedoch einen Brief. Darin steht, ihre Tochter sei entführt worden und komme erst gegen eine Zahlung von 118.000 Dollar wieder frei. Die Ramseys rufen die Polizei, diese beginnt wegen Kindesentführung zu ermitteln. 

Erst am Nachmittag entdeckt John Ramsey seine Tochter im Keller. Erdrosselt liegt das sechsjährige Mädchen mit Klebeband gefesselt in einer Abstellkammer, in der Weihnachtsgeschenke versteckt sind. Der Gerichtsmediziner stellt später außerdem eine Schädelfraktur fest und findet im Intimbereich Verletzungen, die eine Sexualstraftat nicht ausschließen. Es ist der Auftakt zu einem Fall, der Amerika seit mittlerweile 20 Jahren beschäftigt. Und bei dem Motiv und Täter bis heute unbekannt sind. 

Geständiger Verdächtiger wird 2006 freigesprochen

JonBenet Ramsey

JonBenet Ramsey gewann einige Titel bei Kinder-Miss-Wahlen, auf dem Foto ist sie 1996 als "America's Royale Miss" zu sehen.

Vor zehn Jahren glaubten die Ermittler zwischenzeitlich, den Mörder von JonBenet endlich gefasst zu haben. Der ehemalige Lehrer John Karr legte sogar ein Geständnis ab. Doch seine DNA stimmte nicht mit den Spuren am Tatort überein. Karrs Faszination von der Kinder-Schönheitskönigin JonBenet und dem Mordfall erweckten zudem den Verdacht, dass er sich nur als Mörder aufgespielt haben könnte. Er wurde in der Folge freigesprochen.

Auch die Eltern und den Bruder zählte die Polizei von Anfang an zum Kreis der Verdächtigen. Die Ermittler vermuteten beispielsweise früh, dass das Papier auf dem die Lösegeldforderung stand, von einem Schreibblock im Haus abgerissen wurde. Eine Handschriftenanalyse schloss John Ramsey zwar als Verfasser der Botschaft aus, nicht jedoch seine Frau Patsy. Erst 2008 wurden die Ramseys formal entlastet, da bei der Leiche entnommene DNA-Proben sie laut Staatsanwaltschaft als Täter ausschlossen. Patsy Ramsey, die 2006 an Krebs starb, erlebte das nicht mehr.

Auf der Liste der Verdächtigen standen außerdem ein Sexualstraftäter, eine ehemalige Haushälterin der Familie, ein Elektriker und ein Weihnachtsmann-Darsteller. Überführt wurde jedoch nie jemand.

TV-Doku zum 20. Jahrestag klagt JonBenets Bruder an

JonBenet Ramsey Eltern

Patsy und John Ramsey auf einem Foto von 2000. Die Eltern von JonBenet zählten immer wieder zum Kreis der Verdächtigen.

Dieses Jahr strahlte der Sender CBS zum 20. Jahrestag des Mordes eine Dokumentation aus, die JonBenets Bruder Burke, zum Tatzeitpunkt neun Jahre alt, als Täter ermittelt haben will. Die These: Burke erschlug seine Schwester im Streit mit einer Taschenlampe, die Eltern vertuschten die Tat. Die Sendung stützt sich auf die Aussagen von sieben Ermittlern, die mehr oder weniger nah an dem Fall dran sind oder waren. Einer von ihnen ist A. James Kolar, ehemaliger Mitarbeiter des Bezirkstaatsanwalts von Boulder. Die Sendung basierte auf einem Buch, das er über den Fall geschrieben hatte.

Kritiker der Show monierten jedoch, wirklich neue Fakten und Beweise habe die Dokumentation nicht geliefert. Die ausgewählten Experten seien zudem befangen gewesen und hätten sich in Burke Ramsey als Killer verrannt. 

JonBenet Ramsey Heim

Ein Polizeiwagen parkt am 3. Januar 1997 vor dem Haus der Familie Ramsey in Boulder, Colorado.

Ex-Polizeichef: Der Fall wird nie gelöst werden

Burke Ramsey selbst, mittlerweile 29 Jahre alt, wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe. Er verklagt den Sender nun auf insgesamt 750 Millionen Dollar, unter anderem wegen Verleumdung. "CBS hat die Öffentlichkeit betrogen", heißt es laut "Denver Post" in der Klage. Und weiter: "Statt einer Dokumentation, die auf neuen Untersuchungen eines sogenannten Experten-Teams basiert, war 'The Case of: JonBenet Ramsey' eine fiktive Verbrechenssendung".  

Obwohl auch nach 20 Jahren immer noch viel Bewegung im Fall JonBenet steckt, scheint es zweifelhaft, dass er jemals abschließend aufgeklärt werden kann. Mark Beckner, der ehemalige Polizeichef von Boulder, hat laut "Washington Post" in einer "Ask me anything"-Session bei Reddit eingeräumt, dass bereits bei den Anfangsermittlungen zu viele Fehler gemacht wurden. So seien am Weihnachtsmorgen 1996 zu wenig Polizisten verfügbar gewesen, die Beamten hätten den Tatort nicht richtig kontrollieren können. Auch seien JonBenets Eltern viel zu spät getrennt voneinander vernommen worden. Die ernüchternde Einschätzung des Ex-Polizisten: "Glauben Sie nicht, dass jemals irgendjemand im Ramsey-Fall verurteilt werden wird".

rös