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Journalisten sind frei: Westerwelle holt deutsche Reporter ab

Geldstrafe statt Haftstrafe: Die in Iran inhaftierten deutschen Reporter sind frei. Außenminister Gudio Westerwelle wird sie in einer Regierungsmaschine mit nach Hause nehmen.

Die beiden im Iran inhaftierten Reporter sind auf freiem Fuß. "Die beiden deutschen Staatsangehörigen befinden sich zur Stunde in Täbris in Begleitung deutscher Konsularbeamter", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am frühen Nachmittag in Berlin. Am Abend traf Außenminister Guido Westerwelle (FDP) in Teheran ein, um die beiden Mitarbeiter der "Bild am Sonntag" mit einem Regierungsflugzeug abzuholen. In Teheran stehen aber auch Gespräche mit der iranischen Führung auf dem Programm. Der FDP-Vorsitzende ist damit der erste deutsche Außenminister seit siebeneinhalb Jahren, der den Iran besucht.

Die amtliche iranische Agentur Isna hatte am Samstag gemeldet, dass die beiden Journalisten zu einem Bußgeld von rund 36.000 (500 Millionen Rial) statt zu einer Haftstrafe verurteilt wurden. Zuvor hatten Angehörige der Männer ein Gnadengesuch an gerichtet.

Die Urteile gegen die beiden Journalisten seien wegen "Vergehen gegen die nationale Sicherheit" ergangen, zitierte Isna aus einer Justizmitteilung. Nach Angaben von Isna stellte das Gericht fest, die Männer seien "von anderen Beschuldigten in dem Prozess benutzt" worden seien. "Sie haben daher islamisches Mitgefühl verdient", hieß es.

Schwestern richteten Gnadengesuch an die Regierung in Teheran

Die beiden Journalisten, Marcus Hellwig und Jens Koch, waren am 10. Oktober 2010 in der Provinzhauptstadt Täbris beim Versuch verhaftet worden, den Sohn und den Anwalt von Sakineh Mohammadi-Aschtiani zu interviewen, die wegen Ehebruchs zum Tode durch Steinigung verurteilt worden war. Den Deutschen wurde dabei ein Verstoß gegen die Visabestimmungen vorgeworfen.

"Der Spiegel" berichtete am Samstag, zwei Schwestern der Journalisten hätten ein Gnadengesuch an die Regierung in Teheran gerichtet. Darin hätten sie im Vorfeld des am 21. März beginnenden iranischen Neujahrsfests Newroz, zu dem in den vergangenen Jahren viele Häftlinge begnadigt worden seien, um die Freilassung ihrer Brüder gebeten. "Wir bitten die Führung in Teheran daher um Gnade", werden Miriam Lobinsky und Christina Hellwig in dem Bericht zitiert.

"Sie haben Schande über mich gebracht"

In den vergangenen Monaten hatten zahlreiche deutsche Politiker, darunter auch Westerwelle sowie Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an die iranische Führung appelliert, die Reporter freizulassen. Daraufhin durften die Beschuldigten Ende Dezember in Tabris ihre Familien treffen.

selbst hatte Anfang Januar in einer möglicherweise inszenierten Erklärung vor ausländischen Journalisten gesagt, sie wolle "die beiden Deutschen", ihren ehemaligen Anwalt Mohammed Mostafaie sowie die in Deutschland lebende Sprecherin des Komitees gegen die Steinigung, Mina Ahadi, verklagen, weil sie "Schande über mich und das Land gebracht" hätten.

san/AFP/DPA / DPA