Jugendanstalt Regis-Breitingen Prozess wegen Folterung eines Mithäftlings eröffnet


Wegen brutaler Folter an einem Mithäftling müssen sich von heute an zwei junge Männer vor dem Landgericht Leipzig verantworten. Den 17 und 26 Jahre alten Angeklagten wird versuchter Mord vorgeworfen. Sie sollen einen damals 18-Jährigen gequält und eingeschüchtert haben, um ihn in den Selbstmord zu treiben.

Der Prozess um einen Gewaltexzess von Häftlingen gegen einen Mitgefangenen der sächsischen Jugendstrafanstalt Regis-Breitingen ist vor dem Landgericht Leipzig eröffnet worden. Die Staatsanwaltschaft wirft den 17 und 26 Jahre alten Angeklagten versuchten Mord, schwere und gefährliche Körperverletzung sowie Nötigung vor. Die Angeklagten wollen sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern. Für den Prozess sind vier Verhandlungstage angesetzt, das Urteil soll im Februar gefällt werden. Nach der Verlesung der Anklage vertagte die Strafkammer die Verhandlung auf Mittwoch. Als Begründung nannte der Vorsitzende Richter Norbert Göbel das Fehlen eines Gutachters. Dieser sollte das Verhalten des jüngeren der beiden Angeklagten während der Verhandlung begutachten. Der Sachverständige habe den Termin vergessen, gab Göbel bekannt.

Er wurde laut Anklage geschlagen und verbrüht

Staatsanwalt warf den beiden Angeklagten vor, im Mai 2008 an mehreren Tagen und zum Teil gemeinsam mit anderen einen 18-jährigen Mithäftling schwer misshandelt und zu töten versucht zu haben. Der 18-Jährige wurde demnach mit einem Besenstiel gegen die Beine und mit Fäusten gegen die Brust geschlagen, er musste sich auf einen Schrank setzen und einen Schrei ausstoßen, außerdem die Arme und Beine durch das Gitter der Zelle stecken und mit einem Teller in der Hand "Fahrschule spielen". Sein Oberkörper wurde bemalt - ob mit Hakenkreuz und SS-Runen, wie früher berichtet, sagte der Staatsanwalt nicht. Das Opfer erlitt Verbrühungen: Der 17-Jährige - damals erst 15 - übergoss laut Anklage den 18-Jährigen mit heißem Wasser, schlug ihn und drängte ihn, sich das Leben zu nehmen. Auf ihn sei ein Kopfgeld ausgesetzt. Statt sich von russischen Gefangenen töten zu lassen, solle er sich besser selbst umbringen, sagte der 15-Jährige laut Anklage.

Misshandelte wollte sich selbst strangulieren

Der Misshandelte versuchte tatsächlich, sich mit einem Gürtel zu strangulieren. Nachdem dies zwei Mal nicht geklappt hatte, nahm er von dem Vorhaben jedoch wieder Abstand. Daraufhin versuchten die beiden Peiniger laut Anklage, ihn aufzuhängen. Der 18-Jährige wehrte sich aber erfolgreich dagegen. Später vertraute er sich einem Mitarbeiter der Strafanstalt an, sprach aber zunächst nur von einem geplanten Suizid. Erst ein Jahr später kam heraus, dass die Angeklagten und weitere Mitgefangene den jungen Mann über Wochen erniedrigt und gequält hatten. Einen Antrag des Anwalts des 17-Jährigen auf Ausschluss der Öffentlichkeit wies das Gericht zurück. Es sei nicht zu erkennen, dass die öffentliche Verhandlung dem gerichtserfahrenen jungen Mann schaden könnte, erklärte der Vorsitzende.

APN APN

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