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Junge in Frankfurt vor ICE gestoßen: Tatverdächtiger schweigt – Politik diskutiert über Sicherheit an deutschen Bahnhöfen

Ein Mann stößt einen achtjährigen Jungen vor einen einfahrenden ICE in den Tod. Es ist bereits die zweite Tat dieser Art binnen zehn Tagen, was für eine politische Diskussion über die Sicherheit an deutschen Bahnhöfen sorgt. Die Hintergründe der Tat sind nach wie vor völlig rätselhaft.

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Nach der tödlichen Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof geht die Suche der Ermittler nach dem Motiv des Tatverdächtigen weiter. Der 40-Jährige, der am Montag einen achtjährigen Jungen vor einen einfahrenden ICE in den Tod gestoßen haben soll, wird laut Staatsanwaltschaft Frankfurt am heutigen Dienstag dem Haftrichter vorgeführt. Gegen ihn werde wegen Mordes und zweifachen Mordversuchs ermittelt.

Außer dem Jungen soll er auch die Mutter des Kindes in die Gleise gestoßen haben, die 40-Jährige aus dem Hochtaunuskreis habe sich aber im letzten Moment auf einen kleinen Fußpfad vor dem ICE retten können. Sie verletzte sich laut Staatsanwaltschaft leicht an der Schulter und erlitt einen Schock. Eine dritte Person, die der dringend Tatverdächtige laut Staatsanwaltschaft vor den ICE stoßen wollte, sei eine 78-jährige Passantin gewesen, die sich gegen den Stoß jedoch wehren konnte.

Bisher kein Zusammenhang mit Wächtersbach-Mord

Bislang hat sich der mutmaßliche Täter nicht zu dem Fall geäußert, sagte eine Sprecherin der Ermittlungsbehörde weiter. Der Mann kommt laut Innenministerium aus Eritrea und lebt nach Angaben der Schweizer Polizei mit seiner Familie im Kanton Zürich, ist dort seit 2006 gemeldet und verfügt über eine Niederlassungsbewilligung. Die Kantonspolizei hat für den späten Nachmittag eine Pressekonferenz anberaumt. Nach Frankfurt sei der Eritreer vor einigen Tagen mit dem Zug aus Basel gekommen. Ein Zusammenhang mit dem rassistisch motivierten Mord an einem Eritreer im hessischen Wächtersbach vor einigen Tagen sei bisher nicht zu erkennen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Es werde jedoch auch in diese Richtung ermittelt.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will sich "angesichts mehrerer schwerwiegender Taten in jüngerer Zeit" derweil in Berlin mit den Chefs der Sicherheitsbehörden beraten. Die Ergebnisse wird er auf einer Pressekonferenz (15 Uhr) vorstellen. Bei dem Treffen soll es nach DPA-Informationen neben der Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof auch um Angriffe und Drohungen gegen Vertreter der Linkspartei gehen, um Bombendrohungen gegen Moscheen sowie den Fall in Wächtersbach gehen.

Attacke in Frankfurt löste Debatte um Sicherheit an Bahnhöfen aus

Die Attacke im Frankfurter Hauptbahnhof löste auch eine Debatte über die Sicherheit an Bahnhöfen aus. Der CDU-Innenpolitiker Philipp Amthor sagte: "Nach dieser furchtbaren Straftat braucht es jetzt rasche und spürbare Konsequenzen für den Täter. Zusätzlich zum Strafverfahren sollten auch aufenthaltsbeendende Maßnahmen diskutiert werden. Darüber hinaus bin ich offen für eine Diskussion über bessere Sicherheitsvorkehrungen an unseren Bahnhöfen."

Der SPD-Verkehrsexperte Martin Burkert bemängelte in der "Bild"-Zeitung eine unzureichende Aufsicht an den Bahnsteigen, außerdem fehle es an den Bahnhöfen an Bundespolizisten.

Aus Sicht der Vorsitzenden der Verkehrsministerkonferenz, Anke Rehlinger (SPD), sind Taten wie in Frankfurt durch Sicherheitsmaßnahmen allerdings nicht zu verhindern. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte die saarländische Verkehrsministerin: "Eine solche Tat offenbart keine Sicherheitslücke, sondern eine Menschlichkeitslücke." 

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5600 Bahnhöfe und Haltestellen in Deutschland

Vertreter der AfD hatten die Tat zuvor bereits für ihre politischen Zwecke instrumentalisiert und hoben dabei auf die Herkunft des Verdächtigen ab. "Was muss noch passierten? Schützt endlich die Bürger unseres Landes, statt die grenzenlose Willkommenskultur", äußerte sich beispielsweise die Fraktionsvorsitzende Alice Weidel auf Facebook.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, warnte unterdessen vor Nachahmungstätern. Aus Großstädten wie Berlin seien Fälle sogenannter S- und U-Bahn-Schubser schon länger bekannt. "Die Polizei versucht sich nach jedem Fall präventiv besser einzustellen. Bei Taten, die vorsätzlich geschehen, stößt sie jedoch an ihre Grenzen", sagte Radek dem RND. Angesichts von 5600 Bahnhöfen und Haltestellen in Deutschland dürfe nicht mit schnellen Lösungen gerechnet werden. "Die sind alle so unterschiedlich strukturiert, dass es schwer sein dürfte, ein Konzept für alle zu entwickeln." Forderungen nach mehr Personal bezeichnete der GdP-Vize als unseriös.

Zwei ähnliche Vorfälle an Bahnsteigen innerhalb kurzer Zeit

In Frankfurt soll der tatverdächtige 40-Jährige am Montag auch die Mutter des getöteten Jungen ins Gleisbett gestoßen und es bei einer weiteren Person versucht haben. Die Mutter habe sich auf einen Fußweg zwischen zwei Gleisen gerettet. Sie wurde mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Die dritte Person konnte sich in Sicherheit bringen, ohne in die Gleise zu stürzen.

Der Frankfurter Fall erinnert an eine Attacke, die sich vor gut einer Woche in Voerde in Nordrhein-Westfalen ereignet hatte: Dort hatte ein Mann eine Frau an einem Bahnhof vor einen Zug gestoßen und so getötet.

kng / dho / DPA