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Kachelmann in U-Haft Ostern in Freiheit?


Die Staatsanwaltschaft ist zwar nicht von Jörg Kachelmanns Unschuld überzeugt. Trotzdem könnte der TV-Wetterexperte zu Ostern schon vorläufig auf freiem Fuß sein - wenn er einige Bedingungen erfüllt.
Von Manuela Pfohl

Obwohl der dringende Tatverdacht gegen Jörg Kachelmann weiterbesteht, könnte der ARD-Wetterexperte schon zu Ostern einen Spaziergang in Freiheit genießen. Dass die Staatsanwaltschaft die Vergewaltigungsvorwürfe, die eine Ex-Freundin gegen den 51-Jährigen erhoben hat, für glaubhaft hält, ändert nichts daran, dass hinter verschlossenen Türen inzwischen kräftig über alle Möglichkeiten der vorläufigen Haftentlassung verhandelt wird. Einen entsprechenden Antrag habe Kachelmanns Anwalt Reinhard Birkenstock aber bislang nicht gestellt, sagt Behördensprecher Andreas Grossmann.

Laut Grossmann ist die Aussetzung einer U-Haft unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Und zwar dann, wenn der Beschuldigte eine Kaution zahlt, seinen Pass bei den Meldebehörden abgibt und sich in festgelegten Abständen bei der Polizei meldet. "Ob einem Antrag auf Aussetzung der U-Haft stattgegeben wird, muss dann ein Haftrichter am Amtsgericht entscheiden. Der wiederum bespricht das mit der Staatsanwaltschaft", so Grossmann. Zur Höhe der Zahlung gibt es keine festen Regeln. Sie richte sich nach den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beschuldigten.

Justiz misstraut der Schweiz

Im Fall Kachelmann, der mit seiner Firma "Meteomedia" nicht schlecht verdient, könnte die Summe also entsprechend hoch sein. Doch warum musste der Schweizer dann am vergangenen Sonntag überhaupt in Untersuchungshaft, warum wurde er nicht, nachdem ihn die Staatsanwaltschaft mit den Vorwürfen konfrontiert hatte, gleich gegen Zahlung einer Kaution vorläufig auf freien Fuß gesetzt?

Grossmann: "Für die Beantragung und den Erlass des Haftbefehls wegen dringenden Tatverdachts und Fluchtgefahr war die Überlegung maßgeblich, dass die Schweiz ihre eigenen Bürger nicht der deutschen Justiz ausliefern könnte." Konnte Kachelmann die Befürchtung, dass er sich in seine Heimat absetzt und damit vor der Strafverfolgung in Deutschland flieht, inzwischen ausräumen?

Was plant der Verteidiger?

Und wann müsste Jörg Kachelmann einen solchen Antrag stellen, um noch rechtzeitig zu Ostern auf freiem Fuß zu sein? Laut Grossmann ist eine Aussetzung der U-Haft "zügig" möglich, sobald die vereinbarte Kaution gezahlt wurde. Bleibt die Frage, warum Kachelmanns Anwalt das nicht längst getan hat. Reinhard Birkenstock hatte am Mittwoch einen Antrag auf Haftprüfung zurückgezogen. Welche Schritte er nun einlegen will, teilte er zunächst nicht mit. Nur soviel: "Die Verteidigung ist in ständigem Arbeitskontakt mit der Staatsanwaltschaft, um im Auftrag von Jörg Kachelmann die weitere Sachaufklärung zu beschleunigen."

Nach seinem Gespräch mit der Staatsanwaltschaft und dem Haftrichter am Mittwoch hatte Kachelmann noch einmal erklärt, er sei unschuldig. Doch auch der Anwalt des 37-jährigen mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers blieb bei seiner Position. Demnach soll Kachelmann die Radiomoderatorin, mit der er elf Jahre lang liiert gewesen sein soll, nach einem Streit im Februar vergewaltigt haben. Wird seine Schuld bewiesen, droht ihm eine Freiheitsstrafe von zwei bis 15 Jahren.


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