HOME

Kachelmann-Prozess: Ex-Geliebte steht zu ihren Anschuldigungen

Die ehemalige Geliebte von Jörg Kachelmann hält auch am zwölften Prozesstag an ihren Beschuldigungen fest. Die 37-Jährige wirft dem 52 Jahre alten Fernsehmoderator vor, er habe sie mit einem Messer bedroht und vergewaltigt.

Die Ex-Freundin des Wettermoderators Jörg Kachelmann hält an ihrer Aussage fest, dass er sie im Februar dieses Jahres vergewaltigt habe. Das berichtete die Verteidigerin Kachelmanns, Andrea Combé, am Montag in einer Verhandlungspause des Landgerichts Mannheim. Damit steht in dem Vergewaltigungsprozess weiter Aussage gegen Aussage. Der 52-jährige Wetterexperte bestreitet die Tat. Laut Anklage soll er seiner langjährigen Freundin auch ein Messer an den Hals gesetzt und mit dem Tod gedroht haben.

Die Vernehmung der 37-jährigen Radiomoderatorin als Zeugin läuft bereits seit drei Prozesstagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Noch immer wird sie von den Richtern der 5. Großen Strafkammer befragt, danach werden Staatsanwaltschaft, Verteidiger und neun Gutachter folgen. Prozessbeobachter gehen deshalb davon aus, dass die Ex-Freundin und Nebenklägerin auch noch am Mittwoch im Zeugenstand stehen wird. Wie die Verteidiger Kachelmanns bestätigen, ist die Befragung durch das Gericht außergewöhnlich ausführlich.

Am Montag hielt sich die Exfreundin Kachelmanns das Buch "Der Soziopath von nebenan" vors Gesicht, als sie mit ihrem Anwalt in die Tiefgarage des Landgerichts Mannheim fuhr. Die amerikanische Psychologin Martha Stout beschreibt darin den Typus eines nach außen netten freundlichen Menschen, der in Wahrheit völlig gefühlskalt ist.

Zu Beginn des zwölften Verhandlungstags kam zur Sprache, ob die Frau aus Schwetzingen sich früher selbst blaue Flecken zugefügt haben könnte. Die Strafkammer gab ein neues Untersuchungsergebnis zu den Verletzungsfotos bekannt, die auf dem Computer der 37-Jährigen gefunden wurden. Zwei der Fotos zeigen blaue Flecke an ihren Oberschenkeln. Die Aufnahmen entstanden ein Jahr vor der angeblichen Tat und wurden von einem inzwischen als befangen abgelehnten Gutachter Kachelmanns als Selbststudie gedeutet. Die Frau habe mit zeitlich versetzten Aufnahmen höchstwahrscheinlich herausfinden wollen, wie sich Hämatome entwickeln. Da auch nach der angeblichen Vergewaltigung blaue Flecke an den Oberschenkeln vorhanden waren, interpretierte der Kachelmann-Gutachter die früheren Fotos als Experiment. Die beiden Aufnahmen entstanden jedoch im Abstand von nur rund 30 Sekunden, wie sich jetzt herausstellte. Zeitstudien über die Entwicklung von Hämatomen scheiden damit aus.

Die Strafkammer hatte bereits vor einigen Wochen gerügt, dass der Gutachter Bernd Brinkmann die sado-masochistischen Sexualpraktiken nicht als Entstehungsgrund für die Fotos in Betracht gezogen hatte.

APN / APN