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Kachelmann-Prozess Neun Gutachter beobachten das mutmaßliche Opfer


Es könnte der entscheidende Tag im Kachelmann-Prozess werden: Das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer hat den Zeugenstand betreten und wird vernommen. Ein Gerichtssprecher sagte, die Vernehmung könne mehrere Tage dauern.

Im Prozess gegen Jörg Kachelmann hat das Gericht am Montag mit der Vernehmung des mutmaßlichen Opfers begonnen. Die 37-Jährige beschuldigt den Fernsehmoderator, er habe sie mit einem Messer bedroht und vergewaltigt. Er bestreitet das. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wurde für die Vernehmung die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Der Prozesstag begann mit einstündiger Verspätung. Das Gericht musste zunächst im prozessrechtlichen Streit mit der Verteidigung über die Belehrung der ehemaligen Geliebten nachgeben: Der Vorsitzende Richter belehrte die Zeugin nun doch über ihr Aussageverweigerungsrecht nach Paragraf 55 der Strafprozessordnung. Demnach müssen Zeugen keine Angaben machen, wenn sie ansonsten Gefahr liefen, sich selbst zu belasten. Die Verteidigung hält es für möglich, dass die Frau sich wegen einer falschen Verdächtigung strafbar gemacht hat.

Neun Gutachter beobachten die 37-Jährige

Mit forschem Schritt hatte die Frau am Vormittag den Gerichtssaal betreten. Kachelmann, der nach eigener Aussage etwa zwölf Jahre mit der Moderatorin liiert war, blickte zweimal kurz zu ihr hinüber. Sie konzentrierte sich derweil auf die Richter. Neun Sachverständige, von denen allein fünf von Kachelmanns Verteidigern beauftragt wurden, beobachten das Aussageverhalten der 37-Jährigen. Da die Gutachter hinter der Zeugin sitzen, wird ihr Gesicht in Großaufnahme auf eine etwa vier Quadratmeter große Leinwand übertragen. "Sie hätten sie sonst nicht sehen können", sagte Staatsanwalt Andreas Grossmann. Der Nebenklägerin mache das sicherlich nichts aus, denn sie sei ja medienerfahren, sagte er.

"Sie wird im Moment zur Person vernommen und schildert ihren Werdegang bis zur beruflichen Tätigkeit, die sie jetzt ausübt", sagte Kachelmanns Verteidiger Klaus Schroth in einer Sitzungspause. Die Vernehmung sei "sehr ausführlich". Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, er könne sich vorstellen, "dass diese Vernehmung mehrere Tage in Anspruch nehmen wird".

Befangenheitsantrag wird geprüft

Vergangene Woche noch hatte die Strafkammer eine Belehrung der Zeugin abgelehnt. Daraufhin hatte Kachelmanns Anwalt Reinhard Birkenstock einen Befangenheitsantrag gegen die drei Richter gestellt. Über diesen Antrag muss spätestens bis Mittwoch entschieden werden. Hat er Erfolg, könnte der Prozess platzen und müsste neu aufgerollt werden. Über den Antrag entscheiden zwei Vertretungsrichter, die normalerweise in anderen Kammern tätig sind, sowie der Ergänzungsrichter, gegen den kein Befangenheitsantrag gestellt wurde.

Keine Belehrung über Aussageverweigerungsrecht

In der vergangenen Woche hatte die Verteidigung die Verhandlung mit einem Befangenheitsantrag gestoppt. Der Grund: Die Richter lehnten es ab, das mutmaßliche Opfer förmlich darüber zu belehren, dass sie die Aussage verweigern darf, falls sie sich ansonsten selbst belasten würde. Die Verteidigung Kachelmanns sieht darin ein Zeichen, dass die Richter entschlossen sind, der Frau zu glauben und dass sie eine - unter Umständen strafbare - falsche Beschuldigung für ausgeschlossen halten.

Dass die Richter dem wiederholt vorgetragenen Ansinnen der Kachelmann-Verteidigung nachgegeben haben, begründete der Vorsitzende Richter damit, den Prozess nicht unnötig in die Länge ziehen zu wollen. Indes hat die Verteidigung vier weitere Gutachten beantragt, die belegen sollen, dass es sich bei dem Vergewaltigungsvorwurf um eine Falschbeschuldigung handelt.

Befangenheitsantrag von der Staatsanwaltschaft

Kachelmanns Verteidiger haben den zunächst zurückgezogenen Gutachter Tilman Elliger zuletzt wieder mit ins Gericht gebracht, allerdings noch keinen Antrag gestellt, ihn als Sachverständigen zu bestellen.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits einen Befangenheitsantrag gegen Elliger angekündigt. Der Psychologe und Psychiater hatte vor Prozessbeginn Aufmerksamkeit erregt, als er nach Kachelmanns Entlassung aus der Untersuchungshaft auf dessen Party auftauchte.

swd/DPA/DAPD/Reuters DPA Reuters

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