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Kachelmann-Prozess: Von Todesängsten und Traumata

Morgen ist ein wichtiger Tag im Kachelmann-Prozess. Das angebliche Vergewaltigungsopfer kommt zu Wort. Nur: Die Frau kann sich an viele Einzelheiten nicht erinnern. Warum nicht?

Von Malte Arnsperger und Nina Poelchau

Silvia May* hatte sich ein lila Seidentuch um den Hals gedreht. Es passte farblich zu den Leggings, die sie an diesem Tag im Gerichtssaal trug. Es könnte aber auch noch einen anderen Grund für dieses Tuch geben. Dient es – wenigstens traumapsychologisch gesehen – als Anhaltspunkt, dass Jörg Kachelmann ihr in der Nacht zum 9. Februar ein Messer die Kehle presste? Dass sie, die früher ungern Halstücher getragen hat, ihren Hals seit der Nacht zum 9. Februar intuitiv schützt? Oder ist das nur das Konstrukt eines Therapeuten - ihres Therapeuten Günter Seidler, der auch als Zeuge im Gericht aussagen wird - im ideologischen Rausch, bar jeder kritischen Distanz?

Am kommenden Mittwoch wird die 37-Jährige ihren mit Spannung erwarteten Zeugenauftritt im Mannheimer Landgericht haben. Gezeigt hat sich die zierliche Blondine schon an den ersten beiden Prozesstagen, nur schwieg sie damals. Doch nun wird Silvia May ausführlich erzählen müssen, was ihrer Ansicht nach in der Nacht zum 9. Februar 2010 in ihrer Schwetzinger Wohnung passiert ist. Sie hat den Wettermoderator Jörg Kachelmann angezeigt, weil er sie dort vergewaltigt und ihr mit einem Messer in der Hand sogar mit dem Tode gedroht habe. Kachelmann bestreitet dies. Da es keine weiteren Tatzeugen gibt, kommt Mays Aussage überragende Bedeutung zu. Glauben ihr die Richter, sieht es schlecht aus für den Wetterexperten, tun sie dies nicht, wird er wohl freigesprochen. Doch es gibt ein Problem: Die Radiomoderatorin kann sich offensichtlich an viele Einzelheiten der angeblichen Vergewaltigung nur noch schlecht erinnern. Dies könnte Folge einer Traumatisierung sein, oder aber beweisen, dass May lügt.

Eine Traumatisierung lässt sich wissenschaftlich erklären: Bei einer Erfahrung wie einer Vergewaltigung werden im Gehirn kaskadenartig Stresshormone freigesetzt, die ihrerseits an Nervenzellen andocken, sagt der Bielefelder Hirnforscher Hans Markowitsch, Gutachter im Kachelmann-Prozess. Besonders zwei Hirngebiete haben entsprechende Rezeptoren für diese Hormone: die "Amygdala", verantwortlich für die Verarbeitung der emotionalen Bestandteile eines Ereignisses, und der "Hippocampus", zuständig für die Fakten und die Übertragung der Erinnerungen vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis. "Damit ein Ereignis in seiner Gesamtheit gespeichert werden kann, müssen diese beiden Hirnstrukturen synchron agieren. Nur so kann man sich später sowohl an die emotionalen Teile als auch an die Fakten erinnern", sagt Markowitsch. Bei Patienten, die an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden, komme es jedoch zu einer Dissoziation, also einem Auseinanderdriften der beiden Anteile. "Die Person erinnert sich an das Ereignis nur noch als etwas ganz Schlimmes, ohne jedoch die Fakten schildern zu können, oder eben genau umgekehrt."

Völlig unterschiedliche Reaktionen unter Todesangst

Reaktionen unter Todesangst seien von Mensch zu Mensch verschieden, sie hingen von den jeweiligen Erfahrungen und seinem Verhalten bis zu dem Todesangstzeitpunkt ab, sagt Markowitsch. Manche verfallen – wie auch einige Tierarten – in Schockstarre. Andere reagieren á la James Bond: Hellwach, geradezu überaufmerksam, keine Fluchtchance, kein Detail entgeht ihnen im Moment der Not.

Die Schockstarre sei beim Menschen eher angelernt, sagt Markowitsch, vor allem durch frühkindliche Erfahrungen von Hilflosigkeit, von Ausgeliefertsein an deutlich überlegene Kräfte, gegen die sich zu wehren ohnehin aussichtslos war. Personen, die eine behütete Kindheit erlebt hätten, seien emotional robuster als bereits in jungen Jahren missbrauchte Menschen, die eher zu Verdrängung neigten. Markowitsch kommt im Kachelmann-Verfahren in seiner Expertise über Silvia May offenbar zu keinem eindeutigen Schluss.

Experten debattieren heftig

Überhaupt gehen die Expertenmeinungen in dem Fall weit auseinander. Mays eigener Therapeut Günther Seidler, eine Kapazität auf dem Gebiet der Traumaforschung, diagnostizierte ein schweres posttraumatisches Belastungssyndrom mit allem, was dazugehört: Flashbacks, Dissoziationen, Abgleiten der Gedanken, sobald das Gespräch auf die zentralen Geschehnisse zusteuert. Er hält die Erinnerungslücken für eine Bestätigung der Trauma-Hypothese.

Der vom Mannheimer Gericht beauftragte Hans-Ludwig Kröber, der als eine Art "Leitwolf" unter den Gerichtsmedizinern gilt, hält von der Traumatisierungsthese überhaupt nichts. Seiner Meinung nach können sich Menschen, die sich in einer lebensbedrohlichen Lage befanden, gerade an die gefährlichen und entscheidenden Momente klar und deutlich erinnern. In seinem Gutachten macht Kröber klar, wie wenig er von Seidlers Expertise hält. Man gewinnt zudem den Eindruck, dass Kröber Traumatologen für eine ziemlich dubiose Gemeinschaft von Gefühlsduslern hält. Günter Seidlers Annahme zum Beispiel, dass Silvia May deshalb neuerdings einen Seidenschal trägt, weil sie in jener verhängnisvollen Nacht am Hals verletzt wurde, tut er ziemlich unmissverständlich als blanken Blödsinn ab. Ein Kollege Kröbers, der im Zusammenhang mit dem Kachelmann-Prozess nicht genannt werden will, sagt: "Das ist eine Modediagnose, die zunehmend inflationär gestellt wird."

*Name von der Redaktion geändert

Auf solche Worte reagiert Michaela Huber geradezu entsetzt. Huber ist Mitbegründerin des Zentrums für Psychotraumatologie in Kassel und beschäftigt sich seit Jahren mit den psychischen Folgen von Gewalt. Sie sagt: "Die Amnesie ist ein integraler Bestandteil eines Traumas. Es ist völlig normal, das sich ein Opfer nach einer Traumatisierung nicht an alles erinnern kann und es ist völlig normal, dass es sich nicht an die besonders belastenden Momente erinnern kann. Denn gerade in den Situationen, in denen ein Mensch Todesangst hat, schalten sich bestimmte Regionen des Gehirns ab."

Sie kenne zwar das mutmaßliche Opfer von Jörg Kachelmann nicht und wolle den Fall nicht bewerten, sagt Huber - aber eines sei sicher: "Nach einer Traumatisierung kann eine Amnesie zu- oder abnehmen. Sie nimmt insbesondere dann zu, wenn der Mensch Opfer von zwischenmenschlicher Gewalt wird, bei der es den Täter kannte und mochte. Denn dieser sogenannte Bindungsverrat ist ein solcher Schock, dass das Gehirn den notwendigen Verarbeitungsprozess ganz besonders blockiert." Untersuchungen hätten gezeigt, dass mindestens 25 Prozent der Vergewaltigungsopfer eine Teilamnesie hätten.

Eine junge Erkrankung

Um die Methoden und Ergebnisse der Traumatologie wird unter Experten so heftig gestritten wie in kaum einem anderen Bereich der Psychologie. Zwei Hauptgründe gibt es dafür. Zum einen ist die Psychotraumatologie erst seit 1980 in das Diagnostische und Statistische Handbuch Psychischer Störungen aufgenommen worden und damit eine eher junge Erkrankung. Und über die Traumatologie werde auch deshalb mehr diskutiert, weil mit der Diagnose immer für eine Institution Kosten verbunden seien, meint Doris Denis aus Berlin, die eine Schwerpunktpraxis für posttraumatische Erkrankungen hat. So muss der Rentenversicherungsträger oder eine Krankenversicherung nach einem traumatischen Ereignis, etwa einem Banküberfall, die Kosten der Behandlung und des Arbeitsausfalls eines Opfers bezahlen. Das tun diese aber natürlich nur, wenn zweifelsfrei feststeht, dass jenes eine Geschehnis die psychische Erkrankung hervorgerufen hat. Ein harter Job für die Gutachter.

Im Fall Kachelmann geht es zunächst nicht um die Folgen, die die mutmaßliche Vergewaltigung für Silvia May hatte. Sie muss den Richtern mit ihrer Aussage beweisen, dass sie wirklich ein Opfer ist. Traumatisierung hin oder her, mit oder ohne Seidenschal.

18jähriger Kater und Welpe geht das?
Hallo, wir haben einen 18-jährigen Kater der aber noch recht fit ist. Er ist zwar eigentlich nur zu meiner Mutter anhänglich also kommt immer am Abend auf die Couch und lässt sich streicheln von ihr sonst ist er eigentlich den ganzen Tag in seinem Bett im Keller oder oben auf einer Decke die im Schrank liegt. Erzieht sich also zurück. Nun ist der Wunsch nach einem Welpen doch sehr groß und der einzige Grund der dagegen spricht oder der infrage kommt warum wir keinen holen würden wäre unser Kater. Habt ihr Erfahrung mit alten Katzen und welchen gemacht? Unser Kater ist nämlich Hallo, wir haben einen 18-jährigen Kater der aber noch recht fit ist. Er ist zwar eigentlich nur zu meiner Mutter anhänglich also kommt immer am Abend auf die Couch und lässt sich streicheln von ihr sonst ist er eigentlich den ganzen Tag in seinem Bett im Keller oder oben auf einer Decke die im Schrank liegt. Erzieht sich also zurück. Nun ist der Wunsch nach einem Welpen doch sehr groß und der einzige Grund der dagegen spricht oder der infrage kommt warum wir keinen holen würden wäre unser Kater. Habt ihr Erfahrung mit alten Katzen und welchen gemacht? Unser Kater ist nämlich eigentlich nicht So gut auf Hunde zu sprechen also wenn ein Hund an seinem Garten vorbeigeht springt er schon hinterm Zaun ein bisschen hoch und fängt an zu fauchen. Denkt ihr nicht das Man wird vorsichtiger Eingewöhnung es schaffen könnte dass die beiden sich verstehen? LG und danke im Voraus