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Kachelmann vor Gericht: Richter verkünden das Urteil

Der Prozess des Jahres findet heute ein Ende: Im Fall Kachelmann verkündet das Landgericht um 9 Uhr das Urteil. Prozessbeobachter rechnen mit einem Freispruch.

Im Prozess gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann wird das Landgericht Mannheim heute um 9 Uhr sein Urteil verkünden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 52-Jährigen schwere Vergewaltigung vor und fordert vier Jahre und drei Monate Haft. Die Verteidigung hat auf Freispruch plädiert. Kachelmann bestreitet die Vorwürfe. Er war im März vergangenen Jahres festgenommen worden und hatte vier Monate lang in Untersuchungshaft gesessen.

Viele Prozessbeobachter rechnen mit einem Freispruch. Zum einen, weil die Beweislage nicht eindeutig ist. Mehrere Gutachter konnten in dem mehr als acht Monate dauernden Verfahren keine klare Einschätzung zum Wahrheitsgehalt der Vorwürfe abgeben. Zum anderen, weil die Urteilsverkündung nur für eine Stunde angesetzt ist. Nach Meinung vieler Experten würde die Verlesung eines Schuldspruches deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Der Prozess gegen den ehemaligen Wettermoderator hat in den vergangenen Monaten ein beispielloses Medienspektakel ausgelöst. Bei der heutigen Urteilsverkündung sind 49 Journalisten akkreditiert. Weitere Pressevertreter werden vermutlich auf den Bänken für die Zuschauer Platz nehmen müssen, weil die Pressebank nicht ausreicht. Um den Ansturm zu bewältigen, müssen Zuschauer den Gerichtssaal durch einen Nebeneingang betreten.

Revision oder Rechtsmittel gegen das Urteil wahrscheinlich

Auch mit dem Urteil am 44. Verhandlungstag wird es nicht sofort still werden um den Prozess des Jahres. Die Diskussionen werden weitergehen. Und mit großer Wahrscheinlichkeit geht es mit einer Revision auch juristisch in eine neue Runde. Schon lange vor dem Urteil hatte die Verteidigung Revision angekündigt, sollte Jörg Kachelmann schuldig gesprochen werden. Im Falle eines Freispruchs will die Anklage "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" zumindest formal Rechtsmittel einlegen, sagte Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge am Montag. Er widersprach damit Medienberichten, wonach es angeblich eine Absprache innerhalb der Staatsanwaltschaft gegeben haben soll, auf Rechtsmittel zu verzichten - möglicherweise eine weitere Volte im Medien- und Nervenkrieg um Kachelmann.

mai/DPA / DPA