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Käse-Skandal: Gammelkäse wohl nicht mehr im Handel

Der aus Käseabfällen produzierte italienische Gammelkäse könnte laut italienischer Polizei auch in Deutschland gelandet sein. Doch nun versuchen deutsche Behörden, die Verbraucher mit einer Entwarnung zu beruhigen.

Im italienischen Gammelkäse-Skandal sind deutsche Verbraucher aktuell offenbar nicht gefährdet. "Nach unseren Informationen liegt der Fall bereits zwei Jahre zurück", sagte eine Sprecherin des Bundesverbraucherschutzministeriums. Man habe keine Hinweise darauf, dass damals produzierter Käse noch im Handel sein könne. Die Vorsichtsmaßnahmen der bayerischen Behörden halte man aber für richtig. Die angeblich in den Fall verwickelte Fabrik in Woringen im Allgäu bleibt nach der Polizeirazzia vorerst geschlossen. Der Betrieb sei für unbestimmte Zeit versiegelt. "Bis zum Eingang der Untersuchungsergebnisse werden von dem Betriebsgelände keine weiteren Produkte in den Handel gelangen", sagte ein Polizeisprecher in Kempten. Erhärtet habe sich der Verdacht gegen das Unternehmen bisher nicht. Nun würden die sichergestellten Lebensmittel chemisch analysiert. Mit Ergebnissen rechnen die Ermittler nicht vor der Wochenmitte.

Die Polizei im italienischen Cremona hatte mitgeteilt, viele Tonnen verunreinigten Käseabfalls seien wieder aufbereitet und offenbar auch nach Deutschland exportiert worden. Die Betrüger hätten sich von Käsereien dafür bezahlen lassen, Käseabfall zu entsorgen. Der mit Plastikstücken und Mäuseexkrementen verunreinigte Abfall sei stattdessen weiterverarbeitet worden und offenbar in Italien, Deutschland, Österreich, Frankreich und Spanien verkauft worden. Laut italienischem Gesundheitsministerium könnte der Gammelkäse in den Einzelhandel gelangt sein.

Betrieb sei laufend kontrolliert worden

Im Allgäu durchsuchten Lebensmittelkontrolleure daraufhin die Schmelzkäse-Herstellung des italienischen Unternehmens, das seit vier Jahren ein stillgelegtes Molkereigebäude der Allgäuland-Käserei gemietet hat, wie deren Geschäftsführer Manfred Herrmann sagte. Der Betrieb stelle dort mit vier oder fünf Mitarbeitern Schmelzkäse her, sei aber laufend kontrolliert worden. Die deutschen Ermittler betonten, derzeit könnten die Vorwürfe gegen die Firma weder bestätigt noch dementiert werden. Die Ermittlungen zu den Warenströmen dauerten an. Einen Verantwortlichen der Fabrik trafen sie bis Freitagabend nicht vor Ort an.

Für Ärger sorgt unterdessen die Informationspolitik der italienischen Behörden in dem Fall: Zwar wurden nach italienischen Angaben bereits im März 2007 drei Männer wegen Betrugs festgenommen. Der Skandal wurde aber erst am Freitag durch italienische Medienberichte bekannt. Ein bayerischer Ministeriumssprecher warf Italien vor, die anderen EU-Länder nicht alarmiert zu haben: "Wir haben gar nichts. Das ist eine Nullnummer", sagte er. Auch im Kemptener Polizeipräsidium hieß es, die italienischen Behörden hätten vor den Presseberichten "keine derartigen Informationen übermittelt".

AP / AP