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Kalifornien: Verfolgungsjagd durch verkohlte Landschaft: Polizei erschießt gesuchten Mord-Verdächtigen

Es müssen filmreife Szenen gewesen sein. In der durch die Waldbrände verkohlten Landschaft Nordkaliforniens liefert sich ein Mann eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. Der Wagen wird gestoppt. Dann fallen Schüsse.

Polizisten in der Camp-Fire-Evakuierungszone nahe Paradise, Kalifornien

Polizisten in der Camp-Fire-Evakuierungszone nahe Paradise in Kalifornien. Nach einer wilden Verfolgungsjagd durch die verbrannte Gegend erschossen Polizisten einen gesuchten Mordverdächtigen.

Getty Images / AFP

Dramatische Szenen mitten in der Evakuierungszone um das verheerende Camp Fire im Norden Kaliforniens: In der apokalyptischen Szenerie der menschenleeren und weithin verbrannten Gegend lieferten sich die Polizei und ein 48 Jahre alter Mann eine wilde Verfolgungsjagd über den Highway 70 in Richtung der Stadt Oroville, wie unter anderen der "San Francisco Chronicle" berichtet. Unweit der Abzweigung nach Pentz kam es schließlich zum Showdown: der Mann wurde von den Sheriffs erschossen. Wie sich herausstellte, handelte es sich um einen gesuchten Verdächtigen in einem Doppelmord-Fall.

Der 48-Jährige war aufgefallen, weil er drei Tage lang in einem Auto auf dem Parkplatz eines Baumarktes in Yankee Hill, in der Nähe der von den Waldbränden zerstörten Kleinstadt Paradise, verbracht hatte. Ein Bewohner der Gegend fand das merkwürdig und verständigte die Polizei. Eine Patrouille war wenig später zur Stelle und fand den Verdächtigen schlafend in seinem Wagen vor. Erstaunlicherweise brachte eine Überprüfung des Nummernschildes schnell Gewissheit, dass es sich um einen wahrscheinlich bewaffneten und gefährlichen Mann handelte, heißt es in dem Bericht weiter. Auch dass er der gesuchte Verdächtige im Zusammenhang mit einem Doppelmord im Dezember 2014 in der Gegend war, wurde den Sheriffs damit sofort klar. Die Polizisten forderten Verstärkung an. So berichtete es der Bezirksstaatsanwalt des Butte County, Mike Ramsey, auf einer Pressekonferenz.

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Verfolgungsjagd über die Evakuierungsroute

Als die Sheriffs den Wagen umstellt hatten, nahmen die dramatischen Ereignisse ihren Lauf. Der Mann kam zu sich, berichtet der "Chronicle" weiter, und schien eine Waffe aus der Jacke ziehen zu wollen. Die Polizisten wichen zurück und forderten den Verdächtigen auf, aus dem Wagen auszusteigen. Doch, so der Staatsanwalt weiter, der 48-Jährige dachte gar nicht daran. "Ihr hättet mich in Frieden lassen sollen" und "Ich gehe nicht zurück", soll er gesagt haben, ehe er aufs Gas trat und - nachdem er noch einen anderen Pkw gerammt hatte - auf dem Highway 70 davonraste.

Die Schnellstraße, die Tage zuvor noch die Haupt-Evakuierungsroute aus dem Brandgebiet gewesen war, war wohl weitgehend leer, denn die Polizisten teilten später mit, dass sie mit fast 145 Kilometern pro Stunde hinter dem Verdächtigen in Richtung Süden herrasen mussten. Mit Hilfe einer Nagelsperre konnte die Polizei den Mann stoppen. Zunächst raste er zwar mit geplatzten Reifen weiter, doch nach einer halben Meile kratzten die Felgen derart an der Fahrbahn, dass es für den Flüchtenden nicht weiterging.

Sechs Polizisten eröffnen das Feuer

Die Beamten setzten einen Polizeihund ein, um den Mann unter Kontrolle zu bringen. Doch der 48-Jährige hatte sich offenbar mit seinem Ende abgefunden. Er rückte drohend auf den Hund und die Polizisten zu und zielte, so Staatsanwalt Ramsey laut "Chronicle"-Bericht mit einem metallischen Gegenstand auf die Polizisten. Sechs Sheriffs eröffneten das Feuer und trafen sowohl den vermeintlich Bewaffneten als auch den Polizeihund. Dieser wurde zusätzlich von einem Pitbull attackiert, der plötzlich aus dem Wagen des Verfolgten sprang. Beide Hunde wurden erschossen. Der 48-Jährige wurde am Kopf und am Körper getroffen und war auf der Stelle tot, so der Staatsanwalt.

Laut dem Bericht war der erschossene Straftäter im November 2016 zu sieben Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Eine geraume Zeit nach dem Doppelmord im Winter 2014 hatten Ermittler die Wohnung des Mannes im nahen Berry Creek durchsucht. Dabei fanden sie eine Flinte, eine Pistole und eine Rohrbombe. Als der Mann wenig später in einem Geschäft festgenommen wurde, hatte er ein Sturmgewehr, einen Dolch und Schlagringe bei sich. Wegen des Baus der Rohrbombe und des Besitzes von Methamphetamin wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt, die er bis Mai 2018 absaß. Einige Wochen nach seiner Entlassung hörte er auf, sich bei seinem Bewährungshelfer zu melden. Seither wurde er polizeilich gesucht. Ob der Mann tatsächlich vor vier Jahren zwei Menschen getötet hat, dazu äußerte sich der Staatsanwalt nicht.

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dho