Kannibalen-Prozess Anklage fordert lebenslänglich


Die Staatsanwaltschaft hat lebenslänglich für den "Kannibalen von Rotenburg" gefordert. Von Armin Meiwes gehe eine große Gefahr für die Allgemeinheit aus. "Das war kein Mord", entgegnet die Verteidigung.

Der "Kannibale von Rotenburg" soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft wegen Mordes lebenslang in Haft. Im zweiten Prozess gegen den 44 Jahre alten Armin Meiwes verlangten die Ankläger vor dem Frankfurter Landgericht zudem die Feststellung der besonders schweren Schuld. Dies würde eine Entlassung auf Bewährung nach 15 Jahren verhindern. Die Verteidigung plädierte in dem neuen Verfahren, den Angeklagten wegen Tötung auf Verlangen zu verurteilen.

Im ersten Prozess hatte das Landgericht Kassel im Januar 2004 Meiwes wegen Totschlags zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Diese Entscheidung hatte der Bundesgerichtshof aufgehoben, weil mehrere Mordmerkmale nicht ausreichend geprüft worden seien. Meiwes hatte vor fünf Jahren im osthessischen Rotenburg einen Ingenieur aus Berlin getötet, zerlegt und teilweise gegessen.

"Das war kein Mord"

"Das war kein Mord", sagte Verteidiger Joachim Bremer. Meiwes habe lediglich die expliziten Wünsche des 43 Jahre alten Ingenieurs umgesetzt, den er über das Internet kennen gelernt hatte. "Sein Ziel war es, verspeist zu werden, und das beinhaltete den Tod", sagte der Anwalt. Der Strafrahmen für Tötung auf Verlangen liegt zwischen sechs Monaten und fünf Jahren. Das Urteil soll am nächsten Dienstag verkündet werden.

Mit dem Antrag auf die besonders schwere Schuld ist die Staatsanwaltschaft über ihre Forderung aus dem ersten Prozess in Kassel hinausgegangen. Armin Meiwes leide unter einer schweren seelischen Abartigkeit und sei nach Einschätzung von Experten nicht therapierbar, sagte Staatsanwältin Annette von Schmiedeberg. Von Meiwes gehe eine große Gefahr für die Allgemeinheit aus. Er zeige keinerlei Reue und habe sich unmittelbar nach der Tat bereits wieder auf die Suche nach neuen Opfern begeben. Es gebe zudem Äußerungen von ihm, dass er sich am liebsten alle paar Wochen ein Schlachtopfer holen und sich nur noch von "Jungenfleisch" ernähren wolle. "Das finde ich außerordentlich Besorgnis erregend", sagte die Staatsanwältin.

Schlachten für das Selbstwertgefühl

Die Staatsanwälte sehen in dem einzigartigen Fall drei Mordmerkmale erfüllt. Meiwes wollte mit der Tat seinen Sexualtrieb befriedigen und eine andere Straftat, nämlich die Störung der Totenruhe, ermöglichen, sagte Staatsanwalt Marcus Köhler. Das Schlachten habe Meiwes Gefühle der Macht und Dominanz über sein Opfer gegeben, mit denen er sein eigenes Selbstwertgefühl steigern wollte. Dies sei als niederer Beweggrund und damit als drittes Mordmerkmal zu werten.

Die Vorstellung der Schlachtung eines jungen Mannes sei schon vor der Tat zentraler Fetisch im Sexualleben des Angeklagten gewesen. Er habe seinen Traum mit allen Sinnen verwirklichen wollen, um sich bei der späteren Erinnerung daran selbst zu befriedigen. "Er wollte einen Top-Film für sein Kopf-Kino produzieren", sagte der Ankläger.

Hingegen sei nicht zu beweisen gewesen, dass Meiwes die von ihm aufgenommenen Bilder der Schlachtung als Gewaltpornografie massenhaft verbreiten wollte, sagte Köhler. Das Video habe ihm mehr als Gedächtnisstütze gedient, mit einzelnen Bildern habe er andere Interessenten beeindrucken wollen.

DPA DPA

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