Kannibalen-Prozess Fantasien eines Menschenfressers


Puppengrillen, Marzipankörper: Nach Einschätzung eines vor Gericht eingeladenen Beamten war der "Kannibale" Meiwes seine ganze Freizeit mit kannibalistischen Fantasien beschäftigt.

Der Kannibale von Rotenburg hatte per Internet Kontakt mit 29 Gleichgesinnten. Von diesen seien aber keine Straftaten bekannt, sagte ein Beamter des Landeskriminalamtes Hessen am Freitag vor dem Landgericht Kassel. Die Ermittler erfuhren von den Kontakten aus den Datenträgern und Ausdrucken aus dem Internet-Chat-Verkehr, die im Haus des Angeklagten Armin Meiwes sichergestellt worden waren. Der 42-Jährige hat gestanden, am 10. März 2001 den Berliner Diplom-Ingenieur Bernd Jürgen B. auf dessen Wunsch hin getötet und große Mengen des Menschenfleischs eingefroren und gegessen zu haben.

204 Personen zur Schlachtung bereit

Die Ermittler identifizierten nach Angaben des LKA-Beamten die Personen hinter 432 E-Mail-Adressen, mit denen Meiwes seine kannibalistischen Fantasien ausgetauscht hatte. Einige hätten über mehrere E-Mail-Adressen verfügt. 204 Menschen hätten sich "Frankie", wie sich Meiwes im Internet nannte, als Schlacht- oder Misshandlungsopfer angeboten. 13 wollten gerne zusehen oder mitmachen.

"Richtig liebevoll im Detail"

Nach Einschätzung des LKA-Beamten muss Meiwes sich in seiner gesamten Freizeit mit kannibalistischen Fantasien hingegeben haben. Er habe auch Puppen gegrillt und Körper mit Marzipanmasse nachmoduliert. "Richtig liebevoll im Detail wurde gearbeitet", sagte der Beamte. Bei der Auswahl möglicher "Schlachtopfer" habe Meiwes immer darauf geachtet, dass sie volljährig seien und sich freiwillig töten lassen wollten. Dies habe er sich im Zweifel auch schriftlich bestätigen lassen. "Was ich hier erlebt habe, habe ich nicht für möglich gehalten", sagte der Kripo-Beamte.

Reine Effekthascherei?

In dem Mordprozess hörten die Richter auch den Vater des getöteten 43-Jährigen, einen ehemaligen Berliner Arzt, an. Er sagte, Bernd Jürgen sei in der Kindheit eher ein Einzelgänger gewesen. Er warf dem Angeklagten vor, es mit seinen Aussagen auf "Effekthascherei" anzulegen. Auch zeige er keine ehrliche Reue. Der Vater hatte von Meiwes im September vergangenen Jahres einen Brief erhalten. Darin sprach ihm der Angeklagte "herzliches Beileid" aus und erklärte: "Ich wollte ihn aufessen, töten wollte ich ihn nicht."

AP AP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker