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Die Kannibalen von Krasnodar: Trieb die Armut sie zum Verkauf von Menschenfleisch?

Zerstückelte Leichen, abgezogene Hautstücke und eingelegtes Menschenfleisch: In der Wohnung von Dmitrij und Natalia B. entdeckte die Polizei die Überreste von mindestens sieben Menschen. Doch was machten die "Kannibalen von Krasnodar" damit?

In russischen sozialen Netzwerken pflegten Dmitrij und Natalia B. mehrere Seiten. Sie sollen bis zu 30 Menschen ermordet haben.

In russischen sozialen Netzwerken pflegten Dmitrij und Natalia B. mehrere Seiten. Sie sollen bis zu 30 Menschen ermordet haben.

Für Roman Khomyakow begann der 11. September wie so viele andere Tage auch. Mit seinen Kollegen asphaltierte er in seiner Heimatstadt Krasnodar eine neue Straße. Es war ein gewöhnlicher Arbeitstag auf dem Bau - bis Khomyakow am Straßenrand ein Mobiltelefon entdeckte. Neugierig stöberte er die Dateien auf dem Handy durch und stieß auf einige ungewöhnliche Fotos. "Zuerst habe ich gar nicht verstanden, was da überhaupt abgebildet war", erzählte der Bauarbeiter der russischen Zeitung "Moskowski Komsomolez". "Doch dann schaute ich genauer hin." Ein Mann mit einer abgetrennten Hand im Mund, ein Mann mit einem abgetrennten Kopf in den Hand. "Eine Montage, dachte ich".

Dieser Meinung waren auch seine Kollegen: Was man mit Photoshop nicht alles anstellen kann. Und so arbeiteten die einfach weiter. Doch schon bald trat ein Mann mit einem kleinen Hund auf die Bauarbeiter zu. Er habe sein Telefon verloren, ob sie es nicht gesehen hätten, fragte der Unbekannte. "Er sah aus wie ein Obdachloser. Ich habe ihn sofort erkannt. Es war der Typ, der auch auf den Fotos war", erinnerte sich Khomyakow später. 

Ein mulmiges Gefühl überkam ihn. Und so leugnete Khomyakow den Fund. "Wir haben ihm das Telefon nicht zurückgegeben und er ging wieder weg. Wenig später fuhr die vorbei und ich übergab das Handy den Beamten."

Überreste von sieben Menschen in der Tiefkühltruhe

Eine Entscheidung, die die Polizei auf die Spur eines Serienmörders bringen sollte. Denn die Fotos waren keine Montage. Auf den Bildern identifizierten die Ermittler eine Frau, die seit Tagen vermisst wurde. Es war ihr Kopf, der auf den Bildern in die gehalten wurde.

Schnell wurde der Besitzer des Telefons identifiziert: Dmitrij B., 35 Jahre alt, arbeitslos, mehrfach vorbestraft, verheiratet mit Natalia B.. Zusammen mit seiner Frau bewohnt er ein kleines Zimmer in einem ehemaligen Wohnheim am Rande von .  

Was die Beamten dort entdeckten, übertraf ihre schlimmsten Befürchtungen. In einem Eimer fanden die Ermittler einen Frauenkopf, daneben einen rothaarigen Skalp. In der Tiefkühltruhe lagerte das Paar sieben Tüten mit zerstückelten Leichenteilen, abgezogene Hautstücke und eingelegtes menschliches Fleisch. Es sind die Überreste von mindestens sieben Menschen.

Menschenfleisch an Restaurants verkauft?

Schnell folgte das Geständnis: Dmitrji B. gab laut der russischen Polizei an, 30 Menschen ermordet zu haben. Den ersten Mord will er bereits 1999 begangen haben. Eins seiner Opfer habe er aus Versehen getötet. "Lena hat mich angemacht", erzählte er den Ermittlern über sein erstes Opfer. "Aber ich liebe meine Natascha, ich bin ein treuer Ehemann!" Der Versuch, die Annäherungsversuche seiner Bekannten abzuwehren, sei unglücklich geendet. So zumindest seine Darstellung: "Ich habe Lena geschubst, sie ist hingefallen und hat sich den Kopf gestoßen. Ich wusste nicht, was ich machen soll. Also habe ich den Körper zu uns nach Hause geschleppt", zitiert das Magazin "Life" aus den Vernehmungsprotokollen. 

Doch was geschah mit den Überresten dieses Opfers und der anderen danach? Die Funde in der Wohnung des Ehepaares wecken einen schrecklichen Verdacht. Neben den menschlichen Überresten finden die Ermittler Rezepte zur Zubereitung von menschlichem Fleisch. Fotos zeigen, wie Leichenteile ins Essen geworfen werden.  Dmitrij B. soll bereits gestanden haben, zusammen mit seiner Frau die Überreste seiner Opfer verspeist zu haben. Schnell taufte die russische Presse das Paar als die "Kannibalen von Krasnodar".

Und die Berichte lokaler Restaurantbesitzer lassen Grausiges vermuten. Offenbar haben Dmitrij und Natalia B. versucht, Fleisch an Gastronomiebertriebe zu verkaufen. Der Café-Besitzer Vitalij Jakubenko erinnerte sich an eine seltsame Begegnung im Jahr 2010. Damals habe Natalia B. sich bei ihm um einen Job als Köchin beworben, erzählte er im Gespräch mit der Zeitung "Moskowski Komsomolez". Vor allem habe sie sich jedoch dafür interessiert, wo Fleisch und Fisch eingekauft werden und wie frisch die Ware ist. "Solche Fragen stellt man nicht einfach so", so Jakubenko. "Ich arbeite schon lange in dem Geschäft. Und habe schon oft Leute getroffen, die mir ihre Ware billig aufdrehen wollten, unter anderem auch Fleisch", fügte er vieldeutig hinzu. "Mir kam die Frau damals sehr unruhig, übermäßig gesprächig und neugierig vor."

Seltsame Begegnungen

Auch die Nachbarn wissen von seltsamen Vorkommnissen zu berichten. "Ein gemeinsamer Bekannter rief mich vor einem Monat an und erzählte: 'Stell dir vor, sie kamen zu mir und versuchten, mich zu töten!'", erinnerte sich eine Frau. Das Pärchen habe versucht eine Eifersuchtsszene zu inszenieren und den Mann angegriffen.

"Wenn jemand in der Stadt Natalia B. gefragt hat, wovon sie und ihr Mann leben, hat sie geantwortet: 'Ich backe Piroggen'", erzählte eine andere Bekannte. Und wenn jemand gefragt hätte, woraus die Pirogen denn gemacht seien, habe Natalia geantwortet: "Was immer da ist."

Kartoffeln und Zwiebeln auf Schuldschein 

Das Paar lebte in großer Armut. Vor ein paar Jahren verlor Natalia B. ihren Job als Krankenschwester - wegen Alkoholismus. Dmitrij schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. Wegen vier Vorstrafen fand er in seiner Heimatstadt wohl keine Festanstellung. Auch er hatte mit Alkoholproblemen zu kämpfen. "Natalia war völlig heruntergekommen", erzählte eine Verkäuferin von einem Markt in der Nachbarschaft des Paares. "Fast immer alkoholisiert. Dmitrij bat oft um Kartoffeln oder Zwiebeln." Bezahlen konnte er dafür nicht. "Wir sind ihm trotzdem entgegengekommen. Die Schulden notierte er sich immer in ein Heftchen", erzählte die Händlerin der Zeitung "Moskowski Komsomolez". Sobald er wieder ein bisschen Geld verdienen konnte, habe er seine Schulden stets beglichen.

Nun wird spekuliert, ob die "Kannibalen von Krasnodar" zur Aufbesserung ihrer finanziellen Lage Menschenfleisch verkauft haben könnten. Die Ermittlungen laufen. Noch kann die Polizei diese Information nicht bestätigen. Dmitrij und Natalia befinden sich weiter in Untersuchungshaft und werden verhört.


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