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Urteil in Südafrika: Das Mädchen, das 17 Jahre lang bei falschen Eltern lebte

Zephany Nurse war gerade geboren, als sie aus einem Krankenhaus in Kapstadt entführt wurde. Die Ziehmutter der heute 19-Jährigen muss nun ins Gefängnis. Können Zephany und ihre leiblichen Eltern je zueinander finden?

Die leiblichen Eltern von Zephany Nurse vor dem Gericht in Kapstadt

Die leiblichen Eltern von Zephany Nurse vor dem Gericht in Kapstadt

19 Jahre nach der Entführung eines Neugeborenen aus einem südafrikanischen Krankenhaus hat ein Gericht die Täterin zu zehn Jahren Haft verurteilt. Richter John Hlophe begründete das Strafmaß gegen die 52-Jährige in Kapstadt mit der Schwere der Tat, wie südafrikanische Medien berichteten. Das Mädchen war im Alter von drei Tagen aus seinem Bettchen im Krankenhaus gestohlen worden, erst als Jugendliche erfuhr es die Wahrheit.

Nach Überzeugung des Gerichts hatte die Verurteilte die kleine Zephany im März 1997 aus ihrem Bettchen in einem Krankenhaus in Kapstadt gestohlen. In den folgenden Jahren zog sie das Kind wie ihr eigenes auf. Die Angeklagte hatte stets bestritten, Zephany Nurse im April 1997 entführt zu haben. Eine andere Frau habe ihr das Kind auf einem Bahnhof übergeben, sagte sie vor Gericht.

Richter Hlophe sah das anders. Die Entführung des Babys sei mit Vorsatz erfolgt und die Tat sei zu schwer, um nicht mit Gefängnis bestraft zu werden, sagte er laut dem südafrikanischen Nachrichtenportal "News24". Als mildernde Umstände erkannte er unter anderem an, dass die Angeklagte nicht vorbestraft war.

Mitschülerin sah ihr verblüffend ähnlich

Die Staatsanwaltschaft hatte 15 Jahre Gefängnis gefordert, äußerte sich aber dennoch zufrieden mit dem Urteil. "Man kann nicht ein Kind stehlen und hoffen, dass die Gesellschaft oder die Justiz das akzeptiert", sagte Sprecher Eric Ntabazalila.

Die wahre Identität des Mädchens war im Februar 2015 durch Zufall ans Licht gekommen: Zephany hatte sich in der Schule mit ihrer biologischen Schwester angefreundet. Aufgrund der großen Ähnlichkeit der Teenager veranlasste Nurses biologischer Vater 2015 einen DNA-Test, der Zephanys Identität als seine leibliche Tochter bestätigte.

Die leibliche Mutter der 19-Jährigen hatte in dem Prozess unter Tränen geschildert, wie sie damals im Krankenhaus aufwachte und ihre Tochter nicht in deren Bettchen gefunden hatte. Nach dem Verschwinden ihrer Tochter hatten Celeste Nurse und Morne Nurse noch drei weitere Kinder bekommen. Sie gaben die Hoffnung nie auf, Zephany eines Tages wiederzufinden, und feierten jedes Jahr ihren Geburtstag.

Angeklagte hatte mehrere Fehlgeburten durchlitten

Wie sich später herausstellte, wuchs das Mädchen nur wenige Kilometer von seinen leiblichen Eltern entfernt auf. Es verlebte anscheinend eine glückliche Kindheit und war nie über seine wahre Identität aufgeklärt worden. Auch der Ehemann der Verurteilten soll nicht gewusst haben, dass Zephany nicht seine eigene Tochter war.

Die 52-jährige Angeklagte sagte vor Gericht aus, sie habe Ende 1996 nach mehreren Fehlgeburten aus Verzweiflung eine Frau kontaktiert und dafür bezahlt, ein Baby für sie zu finden. Dieses habe sie dann fünf Monate später in Empfang genommen. Im Kreuzverhör verstrickte sich Zephanys Ziehmutter allerdings in Widersprüche. Das Gericht wies ihre Darstellung zurück und sprach sie im März der Kindesentführung schuldig.

"Ich konnte nächtelang nicht schlafen"

Trotz der Enthüllungen über ihre Herkunft baute Zephany keine Beziehung zu ihren leiblichen Eltern auf. Während des Prozesses, der in Südafrika auf großes Medieninteresse stieß, beschimpften sich beide Familien außerhalb des Gerichtsgebäudes gegenseitig.

Südafrikanischen Medien zufolge lebt Zephany mittlerweile wieder bei dem Ehemann der Verurteilten, dem Mann, den sie 17 Jahre lang für ihren Vater gehalten hatte.

Zephanys leiblicher Vater begrüßte das nun ergangene Urteil, mit dem für ihn eine schwierige Zeit zu Ende geht. "Das hat mich müde gemacht, es hat mich vollkommen krank gemacht", sagte er der Nachrichtenagentur AFP vor dem Gerichtsgebäude. "Ich konnte nächtelang nicht schlafen. Ich konnte nicht richtig essen." Nun wolle er Zephany besser kennen lernen, fügte Nurse hinzu. "Der Weg nach vorn ist es nun, eine Beziehung zu meiner Tochter aufzubauen, das ist alles."

kis / AFP / DPA