Karolina-Prozess Mit heißem Wasser geduscht


Schläge, Gürtelhieben und Verbrennungen: Ein Polizeivideo zeigte am dritten Verhandlungstag die Folterspuren an der kleinen Karolina. Der Angeklagte erklärte seine Taten mit Erziehungsabsichten.

Das Grauen hat kein Ende: Der Mordprozess um den qualvollen Tod der dreijährigen Karolina wird verlängert. Das Landgericht Memmingen will zwei oder drei zusätzliche Verhandlungstage ansetzen. Ursprünglich war das Urteil gegen die angeklagte Mutter Zaneta C. und ihren Exfreund Mehmet A. für kommenden Montag geplant.

Am dritten Verhandlungstag ließ das Gericht eine Videorekonstruktion über die Misshandlungen an Karolina zeigen. Bei dem rund halbstündigen Film brach Zaneta C. in Tränen aus. Die 26-Jährige schloss die Augen und hielt sich die Ohren zu. Ihr 31-jähriger Exfreund verfolgte den Film mit ungerührter Miene.

Die 26-jährige Polin soll laut Anklage zugesehen haben, wie ihr türkischer Exfreund ihre kleine Tochter vier Tage lang so grausam misshandelte, dass sie starb. Karolina war am 5. Januar 2004 nackt, kahl geschoren und grausam zugerichtet in einer Kliniktoilette in Weißenhorn bei Neu-Ulm gefunden worden.

Schläge, Gürtelhieben und Verbrennungen

Auf dem Polizeivideo von Ende Februar 2004 zeigt Zaneta C. den Ermittlern in der früheren Wohnung des Paares in Biberachzell bei Weißenhorn, wie Mehmet A. das Kleinkind misshandelt haben soll: mit Schlägen, Gürtelhieben und Verbrennungen. Im engen Schlafzimmer schlug er der vor dem Bett stehenden Karolina demnach immer wieder so mit der Hand auf Wange oder Hinterkopf, dass sie mit dem Gesicht gegen die Kommode oder den Schrank fiel.

Als er der Kleinen den erhitzten Verschluss einer Methadon-Flasche auf den Körper drückte, und Zaneta C. ihn aufforderte aufzuhören, soll der Angeklagte nur gesagt haben: "Nein, ich bin noch nicht fertig. Das ist eine neue Methode, damit sie nachher folgt." Bei der Tatrekonstruktion schilderte die Beschuldigte auch den letzten von insgesamt vier Tagen mit Folterungen: Zur Strafe, dass Karolina in die Hose gemacht habe, habe Mehmet A. sie mit brühend heißem Wasser abgeduscht, mit Gürtel und Fäusten traktiert und anschließend mit einem Kinnhaken bewusstlos geschlagen.

Mehmet As. Erziehungsabsichten

Mehmet A., der die Misshandlungen eingeräumt hatte, versuchte vor Gericht erneut, seine Taten mit Erziehungsabsichten zu erklären. "Ich bin ausgeflippt, wenn sie ins Bett gemacht hat, oder wenn sie in die Hose geschissen hat." Er sei wegen Kleinigkeiten ausgerastet, sagte der Angeklagte. "Das Geschrei hat mich wütend gemacht." Nach den Folterungen sei es ihm nicht besser gegangen. Während der Verhandlung beschimpfte Zaneta C. ihren Exfreund in einem erneuten Wutausbruch als "Psychopath" und "perverses Schwein". Sie trommelte mit den Fäusten auf die Anklagebank und schrie: "Ich vermisse meine Tochter!"

Der Lebensgefährte von Zanetas Mutter sagte vor Gericht, die junge Frau habe Karolina los werden wollen. Sie habe gesagt, sie gebe die Kleine in ein Kinderheim. Zaneta C. habe ihre Tochter geschlagen und als "Hure" bezeichnet.

Oberstaatsanwalt Johann Kreuzpointner bewertete die Ausführungen als Schauspiel für die Gutachter, das A. gegenüber Mitgefangenen angekündigt habe. Ein psychiatrisches Gutachten und weitere Aussagen von Sachverständigen wurden für Montag erwartet. Mehmet A. gilt laut Anklage wegen seiner früheren Drogensucht als vermindert schuldfähig.

Am dritten Prozesstag klärte sich auch wie die Polizei auf die Spur der Angeklagten gekommen war, die nach der Tat nach Italien geflohen waren. Der Bruder von Mehmet A. erkannte Karolina auf einem im Fernsehen gezeigten Fahndungsfoto und berichtete der Polizei, er habe das Paar nach Italien gefahren.

AP AP

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