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Kassandra-Peiniger verurteilt: "Eine besondere Gründlichkeit an den Tag gelegt hat, Kassandra zu töten"

Der Anlass war nichtig, die Tat noch brutaler als bislang bekannt: Der 15-jährige Peiniger der kleinen Kassandra ist am Mittwoch zu achteinhalb Jahren Jugendhaft verurteilt worden.

Das Martyrium der neunjährigen Kassandra aus Velbert hat im vergangenen Herbst bundesweit für Entsetzen gesorgt: Ein 15-jähriger Nachbarsjunge verletzte das Mädchen mit Steinschlägen lebensgefährlich und warf es dann zum Sterben in einen Gulli. Wegen versuchten Mordes wurde der geständige Peiniger des Kindes am Mittwoch vom Wuppertaler Landgericht zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt.

Gerichtssprecher Thorsten Anger sagte nach der nicht-öffentlichen Urteilsverkündung, das Gericht habe keine Zweifel an der Schuldfähigkeit und der strafrechtlichen Verantwortlichkeit des Angeklagten. Die Höhe der Jugendstrafe trage der Brutalität der Tat Rechnung und berücksichtige, dass der Angeklagte, "eine besondere Gründlichkeit an den Tag gelegt hat, Kassandra zu töten".

Das Motiv der Tat war erschreckend geringfügig: Der 15-Jährige sei verärgert gewesen, dass ihn die Neunjährige einmal verpetzt habe und er deshalb nicht mehr mit ihrem Bruder spielen durfte, berichtete der Justizsprecher. Aus Wut darüber habe er die Neunjährige zunächst zweimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Dann soll er Angst vor einer Bestrafung bekommen und beschlossen haben, das Mädchen aus dem Weg zu schaffen. Er attackierte sie Anger zufolge mit einem Betonstein, den er in der Nähe fand, schleppte sie zu einem Gullischacht und stieß sie hinein. Der Angeklagte habe dann noch vier Steine mit einem Gewicht von bis zu 19 Kilogramm auf sein Opfer hinabgeworfen, berichtete der Justizsprecher weiter.

Viele Stunden lag das Mädchen schwer verletzt in dem 1,50 Meter tiefen Schacht, den der 15-Jährige wieder mit dem Deckel verschlossen hatte. Zwar hatten die Eltern an jenem Montagabend gegen 21.00 Uhr die Polizei alarmiert, nachdem die damals Neunjährige nicht wie üblich gegen 18.00 Uhr von der Hausaufgabenbetreuung in Velbert-Neviges heimgekehrt war.

Doch erst nach rund siebenstündiger Suche entdeckte ein Spürhund das wimmernde Mädchen lebensgefährlich verletzt und stark unterkühlt in dem verschlossenen Kanalschacht. Starker Regen überflutete zu diesem Zeitpunkt bereits den Gully, so dass Kassandra zu ertrinken drohte.

Die Neunjährige erlitt durch die Misshandlungen ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und zahlreiche innere Verletzungen. Sie wurde in ein künstliches Koma versetzt. Als sie nach Woche wieder bei Bewusstsein war, konnte sie sich nicht daran erinnern, was ihr angetan worden war.

"Zugunsten des Angeklagten hat die Kammer berücksichtigt, dass der Angeklagte bereits am ersten Prozesstag ein umfassendes Geständnis abgelegt hat", betonte der Gerichtssprecher. Dennoch ging das Gericht mit dem Strafmaß von achteinhalb Jahren sogar noch über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus. Die Anklagebehörde hatte eine Haftstrafe von sieben Jahren und zehn Monaten gefordert, die Verteidigung fünf Jahre.

Die Verteidigerinnen Astrid Denecke und Edith Lunnebach ließen zunächst offen, ob sie Revision einlegen wollen. Das Strafmaß liege deutlich unter der Höchststrafe. "Wir überlegen deshalb gründlich, ob wir Revision einlegen", hieß es von ihnen.

Der Vertreter der Nebenklage, Holger Boden, erklärte: "Das entspricht in etwa den Vorstellungen, die die Eltern haben. Viel wichtiger ist aber, dass jetzt die Aufarbeitung beginnen kann." Das Urteil ist bisher nicht rechtskräftig.

Christine Veenstra, APN / APN
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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?