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Justizirrtum aufgeklärt: 62-Jähriger freigesprochen - nachdem er 33 Jahre unschuldig in Haft saß

Keith Bush verbrachte mehr als die Hälfte seines Lebens im Gefängnis, weil er als Jugendlicher wegen Mordes und versuchter Vergewaltigung verurteilt worden war. Zu unrecht, wie jetzt ein Richter entschied.

"Ich kann Ihnen nicht zurückgeben, was Ihnen in den 1970er-Jahren genommen wurde, aber ich kann Ihnen ihre Unschuld zurückgeben." Mit diesen Worten hat ein Richter im Bezirk Suffolk im US-Bundesstaat New York einen Mann freigesprochen, der 33 Jahre lang im Gefängnis saß, obwohl er kein Verbrechen begangen hatte.

Keith Bush war 17 Jahre alt, als er im Januar 1975 von der Polizei festgenommen wurde, weil er die 14-jährige Sherese Watson sexuell missbraucht und ermordet haben sollte, wie US-Medien berichten. Bush und das Mädchen waren demnach beide auf einer Party in dem Ort Bellport gewesen, von der Watson nie nach Hause zurückkehrte. Nach zwei Tagen sei ihre Leiche in der Nähe des Veranstaltungsortes aufgefunden worden. Den Ermittlungen zufolge sei sie erwürgt worden, nachdem ihr Mörder zuvor versucht habe, sie zu vergewaltigen.

Wichtige Zeugin hatte gelogen

Bush beteuerte den Berichten zufolge stets seine Unschuld. Zwar habe er ein Geständnis unterzeichnet, behauptete aber, dass Polizisten ihn geschlagen und dazu gezwungen hätten. Dennoch sprach ihn eine Jury schuldig. Richter Anthony Senft befand jetzt, Bush habe kein faires Verfahren bekommen und erklärte, mittlerweile seien zuvor unter Verschluss gehaltene Beweismittel entdeckt worden, die auf einen anderen Mordverdächtigen hindeuteten, der allerdings bereits verstorben sei.

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Unter den Beweisen, die bei Bushs Prozess vorgelegt wurden, war laut "Fox News" auch die Aussage eines Mädchens, das angegeben hatte, auch an der Party teilgenommen und gesehen zu haben, wie Watson mit Bush das Haus verlassen habe. Die 15-Jährige hatte ihre Aussage nach Angaben des Nachrichtensenders bei einer Anhörung im November 1980 aber widerrufen und zugegeben, dass sie nie auf der Party gewesen sei und bei dem Prozess gelogen habe. Die Ermittlungsbehörden hätten ihren Widerruf damals jedoch abgelehnt. Der Staatsanwalt des Bezirks entschuldigte sich jetzt im Namen seiner Behörde und der Polizei bei Bush.

"Mehr als ein Leben voller Leid"

Bush war bereits im Jahr 2007 aus dem Gefängnis entlassen worden. Er war jedoch nur auf "lebenslange Bewährung" frei und musste sich als Sexualstraftäter registrieren lassen. Zwischenzeitlich kam der mittlerweile 62-Jährige "Fox News" zufolge wegen einer Verletzung der Bewährungsauflagen wieder für ein Jahr hinter Gitter. Sein Vergehen: Er hatte einen Computer mit Internetzugang benutzt, mit dem er seine Biografie schrieb.

Er habe eine lange Zeit voller Verletzungen und Schmerz erlebt und niemand habe ihn anhören wollen, sagte Bush dem Sender CBS New York. "Vierundvierzig Jahre sind mehr als ein Leben voller Leid, und ich weiß, dass es mir nicht zurückgegeben werden kann." Aber es gebe Möglichkeiten zu lernen und zu wachsen. "Und glauben Sie mir, durch diese Sache habe ich gelernt und bin gewachsen."

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Quellen: CBS New York"Fox News", "News12", "The Independent"

mad