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Kieler Sophienhof Mob jagt Mädchen durch Einkaufszentrum? Polizei rudert zurück

Sicherheitsleute stehen im Einkaufszentrum Sophienhof in Kiel
Keine Fotos, kein Mob: Hauseigene Sicherheitsleute im Kieler Einkaufszentrum Sophienhof
© Carsten Rehder/DPA
Die Meldung sorgte bundesweit für Aufsehen: Drei Mädchen sollten im Kieler Einkaufszentrum Sophienhof von einer Gruppe Migranten belästigt und gefilmt geworden sein. Nun musste sich die Polizei korrigieren.

Die Übergriffe auf drei Mädchen im Einkaufszentrum Sophienhof in Kiel Ende Februar sind offenbar ganz anders abgelaufen, als von der Polizei zunächst dargestellt wurde. Das ergebe sich aus dem Abschlussbericht der Polizei an die Kieler Staatsanwaltschaft, berichtet "Spiegel Online". Demnach sind einige der zunächst erhobenen Vorwürfe haltlos.

"Die Mädchen sind nicht gefilmt und fotografiert worden", zitiert die Nachrichtenseite Oberstaatsanwalt Axel Bieler. Auf den Handys der verdächtigen jungen Männer seien keine Bilder der Mädchen gefunden worden.

Auch der Vorwurf, "20 bis 30 Personen mit Migrationshintergrund" hätten die Opfer bedrängt, trifft demnach nicht zu. "Es gab keinen Mob", sagte Bieler "Spiegel Online". Man gehe lediglich von Schaulustigen aus, die "nicht in das Geschehen eingegriffen haben" und für die Strafverfolgungsbehörden keine Rolle spielten. Zu ihrer Nationalität würden keine Angaben gemacht, da diese "unerheblich" sei.

In Kiel wurde ein "Fall konstruiert, der keiner war"

Die Polizei hatte nach dem Vorfall am 27. Februar gemeldet. Danach hätten zunächst zwei Asylbewerber aus Afghanistan die Mädchen im Alter von 15, 16 und 17 Jahren beobachtet, verfolgt und mit Mobiltelefonen gefilmt und fotografiert. Nach und nach sei die Zahl der Männer, die die Mädchen belästigt haben sollen, auf 20 bis 30 gestiegen. Später verkündete der stellvertretende Landespolizeidirektor Joachim Gutt vor dem Innen- und Rechtsausschuss des Landtages, das die Ermittler auf den Handys der beiden 19 und 26 Jahre alten Hauptverdächtigen Fotos der Opfer gefunden hätten.

"Hier wurde ein Fall konstruiert, der keiner war", sagte Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki "Spiegel Online". Dafür habe er kein Verständnis. Die Vorfälle seien "nicht nur übertrieben, sondern falsch dargestellt worden". Es hätte viel stärker betont werden sollen, dass es nur um einen Verdacht gehe.

Bieler geht weiter von "massiver Belästigung" aus

Oberstaatsanwalt Bieler verteidigte dem Bericht zufolge die Ermittler. Die vermeintlichen Fotos und Videos gingen auf eine "Wahrnehmung der Mädchen" zurück, die sich nicht bestätigt habe. Es sei immerhin denkbar, dass die Beschuldigten ihre Handys genutzt hätten, um zu zoomen. Er gehen dennoch weiterhin "von einer massiven Belästigung" der Mädchen aus.

Die beiden Beschuldigten sind unterdessen auf freiem Fuß. Ihnen droht aber noch eine Anklage wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Die Afghanen hatten sich nach Angaben der Polizei vehement gegen ihre Festnahme gewehrt. Es gab demnach massive Beleidigungen, Bedrohungen und Körperverletzungen.

mad

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