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Prozessauftakt in Neuseeland: Wird Megaupload-Gründer Kim Dotcom an die USA ausgeliefert?

Die Verhandlung über die US-Auslieferung von Kim Dotcom, bürgerlich Kim Schmitz und geboren in Kiel, hat begonnen. Der Internetunternehmer bestreitet alle Vorwürfe und inszeniert sich auf Twitter.

Megaupload-Gründer Kim Dotcom vor seinem Anwesen in Neuseeland

Megaupload-Gründer Kim Dotcom nutzt bewusst die Medien und gibt Interviews vor dem Verfahrensauftakt, wie hier auf seinem Anwesen in Neuseeland

Das US-Auslieferungsverfahren gegen den deutschen Internetunternehmer  in Neuseeland hat begonnen und ist direkt auf Donnerstag vertagt worden. Die Verteidigung am Gericht im neuseeländischen Auckland beantragte einen Aufschub oder eine komplette Aufhebung des Verfahrens gegen den gebürtigen Kieler. Der Richter unterbrach zunächst die Sitzung und entschied dann, dass die Verhandlung am Donnerstag fortgesetzt wird. Bereits seit drei Jahren beschäftigt sich die Justiz mit der Frage, ob der 41-jährige Dotcom und seine Kollegen Mathias Ortmann, Bram van der Kolk und Finn Batato wegen Urheberrechtsverletzungen an die USA ausgeliefert werden sollen.

Dotcom selbst sieht sich als Opfer der US-Behörden und inszeniert sich entsprechend auf :

"Ich bin heute vor Gericht. Die Frage ist: (bin ich ein) Innovator oder ein Raubkopierer? Die Antwort wird entweder Internet-Freiheit oder Zensur sein."

"In diesem Fall geht es nicht nur um mich. In diesem Fall geht es darum, wie viel Kontrolle wir den US-Firmen und der US-Regierung über das Internet erlauben."

Ein halbe Milliarde Euro Schaden laut US-Behörden

Die US-Justiz will Dotcom, der mit der Onlineplattform Megaupload ein Vermögen verdiente, wegen Urheberrechtsverletzungen, Unterschlagung und Geldwäsche den Prozess machen. Die Plattform war eine der ersten, die es ihren Nutzern ermöglichte, große Mengen Daten im Internet zu speichern und dort auch anderen zur Verfügung zu stellen. Seine Millionen soll Dotcom vor allem durch Urheberrechtsverletzungen verdient haben. Denn auf Megaupload wurden nicht nur legal Daten getauscht, sondern auch urheberrechtlich geschützte Filme, Musik und Software. Der Schaden soll eine halbe Milliarde US-Dollar betragen.

Dotcom, der als   in Kiel geborenen wurde und als Erwachsener seinen Namen offiziell ändern ließ, stellt sich hingegen als gewöhnlicher Unternehmer dar, den die US-Justiz auf Betreiben der mächtigen Unterhaltungsindustrie verfolgt. In der Anhörung zu dem US-Auslieferungsgesuch werden seine Anwälte voraussichtlich argumentieren, dass derart schwere Vorwürfe wie üblicherweise nur Verbrechern gemacht werden. Urheberrechtsverletzungen würden hingegen üblicherweise in zivilrechtlichen Verfahren behandelt und für ein solches könne keine Auslieferung beschlossen werden.

Gewohnt schillernder Auftritt

Bei seinem Auftritt im Gerichtssaal hatte der schillernde Internetunternehmer einen eigenen Ledersessel mitgebracht, den er nach eigenen Angaben wegen Rückenproblemen benötigt. Zuvor war er mit einem großen schwarzen Geländewagen mit dem personalisierten Kennzeichen KIM.COM vorgefahren.

Nach einer Razzia im Jahr 2012 auf dem Anwesen des Unternehmers in Neuseeland hatten die US-Justizbehörden die Auslieferung beantragt. Seitdem wehrt sich Dotcom dagegen. Der Termin zur Prüfung des Auslieferungsantrags der USA wurde immer wieder verschoben. Dem 41-Jährigen und seinen Kollegen drohen bei einer Verurteilung durch die US-Justiz dort lange Haftstrafen.   

"Ich habe nie dort gelebt. Ich bin nie dorthin gereist. Ich hatte keine Firma dort. Aber alles, wofür ich gearbeitete habe, gehört nun den ."

fin/DPA/AFP