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Prozessauftakt in Kopenhagen: Tief gesunken

Es ist der Mordprozess des Jahres. In Kopenhagen soll das Geheimnis der letzten Fahrt der "UC3 Nautilus" geklärt werden. Die entscheidende Frage: Hat Peter Madsen Kim Wall ermordet? Die Anklageschrift offenbart neue, schaurige Details.

Das Gericht in Kopenhagen muss klären: Was geschah mit Kim Wall an Bord von Peter Madsens U-Boot "UC3 Nautilus"?

"Er stach und schnitt sie zehn Mal an der Außenseite ihrer Geschlechtsteile und stach ihr vier Mal mit dem Messer oder dem Schraubenzieher in die Vagina."

Am Abend des 10. August 2017 ist es warm in Kopenhagen. Vor der dänischen Hauptstadt liegt die Ostsee ruhig in der Sonne, Touristen genießen den Blick in die Weite. Die Schwedin Kim Wall hat sich für diesen Sommertag verabredet. Die 30-jährige Journalistin ist fasziniert von Menschen mit großen Ideen, mit Visionen, mit verrückten Vorlieben. Solche Menschen stellt sie am liebsten vor. Und solch einen Menschen will sie nun treffen.

Peter Madsen lebt seinen Traum. Er will irgendwann mal einen Menschen ins All schießen, mit einer eigenen Rakete. Und darum schraubt er, zeichnet, bastelt, konstruiert, rechnet, testet, fummelt. Er plant mal alleine, mal mit Freunden: seine Weltraumrakete. Doch er will nicht nur nach weit oben, er ist auch besessen davon, abzutauchen. 2002 baut er sein erstes U-Boot, die "Freya". 2005 noch eines, die "Kraka", und 2008 sein größtes - die "UC3 Nautilus". Er benennt es nach dem Unterseeboot aus Jules Vernes "20.000 Meilen unter dem Meer". Schwarz lackierter Stahl, fast 18 Meter lang, 40 Tonnen schwer. Das Ungetüm ist Madsens Meisterstück. Klar, dass er es dieser jungen Journalistin zeigt, die sich für ihn interessiert. Er lädt sie ein. Wer nicht damit gefahren ist, kann schlecht über Madsens Arbeit berichten.

Nur einen Tag nach dem 10. August liegt die "Nautilus" als Wrack sieben Meter unter der Wasseroberfläche auf dem Grund der Køgebucht. Madsens Meisterwerk ist sein Untergang geworden. Kim Wall hat keine Geschichte über einen genialen Tüftler geschrieben, hat nicht betont, wie brillant Madsen die Menschheit prägen will. Kim Wall konnte keine Lobeshymnen schreiben. Sie ist tot. Und Madsen muss nun grausame Dinge über sich lesen. Wie das Zitat aus der Anklageschrift oben. Und jene weiter unten.

Die letzte fahrt der "UC3 Nautilus"

Am 11. August 2017 sank die "UC3 Nautilus" in der Køgebucht vor Kopenhagen. Was auf ihrer letzten Fahrt geschah, muss jetzt das Gericht klären

In Dänemark kennt fast jeder den 47-jährigen Peter Madsen und seine Konstruktionen. Ein Tüftler sei er, heißt es, ein Visionär und ein Spinner, ein Mann zwischen Genie und Wahnsinn. Madsen ruft in seinem Heimatland Be- und Verwunderung gleichermaßen hervor, schon seit Jahren ist das so. Über ihn wurden Bücher geschrieben und Filme gedreht, er gilt als kreativ und impulsiv, als Menschenfänger, der mit Menschen allerdings trotzdem irgendwie nicht so wirklich umgehen kann. Ab dem 11. August will dann plötzlich die ganze Welt wissen, wer dieser Peter Madsen ist, und nicht nur das, sondern: Wer er wirklich ist. Dieser Mann, der die Journalistin auf sein U-Boot einlädt und danach alleine aus dem Wasser vor Kopenhagen gezogen wird. Sein U-Boot verschollen, die Kameras knipsen, sein Daumen trotzdem oben, "alles okay" - nur die junge Kim Wall, die ist nirgends mehr.

Peter Madsens Credo: Absolute Freiheit - und absolute Kontrolle

Thomas Djursing bekommt in diesen Tagen im August viele Anfragen. Er soll mit der Presse sprechen, immerhin ist er doch einer der wenigen, die diesen verdächtigen Mann näher kennen, er habe ihn doch über Jahre begleitet und am Ende das Buch "Raketen-Madsen" geschrieben. Einem dänischen Boulevardblatt sagt Djursing, Madsen sei nicht gewalttätig, er trinke nicht, er nehme keine Drogen. Madsen sei ein Mann mit Werten, allerdings streite er sich "mit Gott und jedermann".

Dank Djursing kennt bald jeder Madsens Biographie im Detail: Peter Langkjær Madsen wird im Januar 1971 geboren. Er ist ein Kind aus einfachen Verhältnissen, die Mutter ist Servierkraft in einem Gasthof in der dänischen Kleinstadt Skælskør, der Vater ist 36 Jahre älter und dort Chef. Den Vater beschreibt Djursing als eifersüchtig, ein Kerl, der seine Frau überwache und zuhause Madsens drei Halbbrüder verprügle. Nur Madsen, das leibliche Kind, schlage er nie. Als Madsen noch ein kleiner Junge ist, trennen sich die Eltern. Der Sohn bleibt bei seinem Vater, mehrfach ziehen sie um. "Für Peter sind Wohnungen, Klassenkameraden und Familie wie Wasser, das zwischen den Fingern zerrinnt", schreibt Djursing. Das einzig Sichere im Leben seien seine Raketenprojekte: "Die kann er kontrollieren." Als Madsen 17 ist, stirbt der Vater. Djursings Urteil ist klar: "Er definierte sich im Kontrast zu seinem Vater und sucht die Freiheit in jeder Hinsicht."

Und dann sind da eben diese Geschichten von den Raketen: Mit sieben Jahren experimentiert Madsen zum ersten Mal daran, von einem Test vor der Schule ist die Rede, dort soll Madsen im März 1986 dann auch die erste gestartet haben. In Djursings Buch wird er mit den Worten zitiert: "Ich liebte den Gedanken, dass hinter dem Schulgebäude eine vollbetankte Rakete stand." Viele Jahre später glücken Madsen mit dem Verein "Copenhagen Suborbitals" zahlreiche Starts, am Ende aber scheitert die Zusammenarbeit. Seit 2014 arbeitet Madsen allein unter dem Namen "Raketmadsens Rumlaboratorium". Rakete und später U-Boote - es ist wohl seine Art, zwei konkurrierende Träume zu gleichen Teilen zu leben: absolute Freiheit - und absolute Kontrolle. Im Dokumentarfilm "My Private Submarine" sagt Peter Madsen laut "NZZ": "Nachts träume ich, frei unter Wasser zu schwimmen." Wer Madsen also wirklich ist, das ist nicht so einfach zu klären. Madsen, meint Djursing, das sei "eine komplexe Person". 

Mutmaßlicher Mörder von Kim Wall: "Amateurs in Space": Doku zeigt besessenen Tüftler Peter Madsen

Kim Wall: Sie lächelt - dann schließt sich die Luke

Das reizt Kim Wall. Sie will ihn verstehen. Auch an diesem sonnigen Donnerstag. Die schwedische Journalistin schreibt für renommierte Magazine, reist dafür um die Welt, auch in gefährliche Regionen, berichtet aus Uganda und Haiti, gibt den Schwachen eine Stimme. Eine junge Frau, die trotz des Elends, das sie in ihrem Leben schon gesehen hat, voller Zuversicht in die Welt blickt, werden Freunde später sagen. Das Treffen mit "Raketen-Madsen" plante sie lange, und doch muss plötzlich alles ganz schnell gehen. Madsen ruft sie am Vormittag an, am Abend geht sie an Bord der "UC3 Nautilus", nicht weit weg von ihrer WG in der dänischen Hauptstadt. Ihrem Freund verspricht sie, schnell zurück zu sein, sie wollen noch feiern. Beim Auslaufen macht ein Schlauchbootfahrer ein Foto von Kim Wall, es wird das letzte sein, das es von ihr gibt. Gemeinsam mit Madsen schaut sie aus dem Turm der "UC3 Nautilus". Sie lächelt. Wenig später schließt sich die Luke.

Es gibt viele Versionen dazu, was sich an Bord abspielt, nachdem die Luke einrastet und das Boot in die Ostsee hinabtaucht. Eine Version von der Kopenhagener Staatsanwaltschaft und mehrere von Peter Madsen. Fest steht: Das U-Boot sinkt am nächsten Morgen. Als der gerettete Madsen wieder an Land steht, hat er gleich eine Erklärung für den Untergang parat: "Ich war auf einer Probefahrt und habe ein paar Dinge getestet. Dann ist etwas mit einem Ballasttank schiefgegangen". Die Journalistin? Will der Tüftler vorher auf einer Insel im Kopenhagener Hafen abgesetzt haben. Die Ermittler sind sofort skeptisch. Schon am Wochenende nach dem Untergang können Spezialisten das U-Boot aus der Tiefe bergen. Die Polizei teilt nüchtern mit: Kim Wall war weder tot noch lebendig an Bord. Das Unterseeboot ist absichtlich versenkt worden.

Das Verschwinden der Journalistin wird zum Kriminalfall und Madsen zum Verdächtigen. Mittlerweile kennt die halbe Welt den Fall. Jeden Tag schreiben mehr Journalisten über den Tüftler, der ohne Boot und Begleitung an Land zurückkehrte. Madsen selbst sorgt für immer mehr Verwirrung, ändert seine Geschichte. Zehn Tage nach dem Untergang klingt sie plötzlich so: Sie, Kim Wall, sei durch ein Unglück an Bord ums Leben gekommen, eine Klappe soll ihr auf den Kopf gefallen sein. Er, Madsen, habe sie dann in die Ostsee geworfen.

Prozessauftakt: Der mysteriöse Todesfall Kim Wall in Bildern
Die letzte Fahrt der "UC3 Nautilus"

In Dänemark kennt fast jeder Peter Madsen, den Raketentüftler und U-Boot-Bauer. Am 10. August 2017 lädt er die Journalistin zu einer Fahrt auf seinem Unterseeboot "UC3 Nautilus ein".

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Nun beginnt der Prozess und inzwischen erzählt das aus Zeugenaussagen, rechtsmedizinischen Untersuchungen und Ermittlungsergebnissen zusammengesetzte Puzzle eine andere Geschichte. Das, was Madsen so berichtete, ist offenbar nicht einmal die halbe Wahrheit. Das geht aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft hervor, die dem stern vorliegt. Es ist ein Dokument des Grauens:

"Nach vorhergehender Planung und Vorbereitung tötete er sein Opfer zwischen dem 10. August, ca. 22 Uhr und dem 11. August, ca. 10 Uhr an Bord des U-Boots 'UC3 Nautilus' auf unbekannte Art und Weise, möglicherweise durch Strangulation oder Ersticken."

Am Abend des 21. August steht endgültig fest, dass Kim Wall tot ist. Ein Radfahrer macht in der Ostsee vor Kopenhagen eine Entdeckung. Die Polizei stellt fest: Der tote Körper hat schon länger im Wasser gelegen und: Es fehlen Arme, Beine und Kopf. Es sind die sterblichen Überreste von Kim Wall.

"Er fesselte sie an Kopf, Armen und Beinen, misshandelte sie mit Schlägen, stach auf sie ein und tötete sie. (...) Er steckte Beine, Arme, Torso, Beine und Kopf mit einem Rohr in eine Tüte, damit sie auf dem Meeresboden verbleiben, bevor er die Leichenteile ins Wasser warf."

"Mit grenzenloser Traurigkeit und Bestürzung erhielten wir die Nachricht, dass Überreste unserer Tochter und Schwester Kim Wall gefunden wurden", schreibt Ingrid Wall, die Mutter der Journalistin. "Das Ausmaß der Katastrophe können wir noch nicht ermessen, und viele Fragen müssen noch beantwortet werden." 

Das ist die Aufgabe der Ermittler. Akribisch sichern sie an Land Spuren im Wrack der "UC3 Nautilus". Die Staatsanwaltschaft ändert ihren Vorwurf auf Mord - und nicht nur das.

"Er zwang sie mit Gewalt oder durch Androhung von Gewalt zu sexuellen Handlungen."

Die Ermittler beschreiben Stiche und Schnitte an vielen Stellen von Kim Walls Körper, von schweren Verletzungen im Intimbereich ist die Rede. Die Polizei findet Säge, Messer, Schraubenzieher. Und Peter Madsen? Der tischt eine neue Geschichte auf: Kim Wall sei während des gemeinsamen Ausflug an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben. Warum er die Leiche anschließend zerstückelt, erklärt er nicht. Es gibt aber Indizien.

Die Anklageschrift liegt etwa einen Monat vor, als eine Frau namens Deirdre King der "NZZ am Sonntag" sagt: Sie liebe Peter Madsen noch immer, "auf eine seltsame Art und Weise". King ist 39 Jahre alt, sie kennt Madsen seit 14 Jahren, sie war seine Mitarbeiterin auf der "Nautilus", seine Freundin, seine Geliebte, eine seiner vielen. Er sei eine Mischung aus Nerd und Genie, dem die Frauen zu Füßen lägen, sagte King einmal über den Erfinder.

Peter Madsen ist ein verheirateter Mann, aber mit Frau Sirid führt er eine offene Ehe, manchmal wird sie als polyamourös bezeichnet. King nennt Madsen gar einen "Frauen-Junkie". Einer, der Fetisch und Sadomaso möge und sich nie auf eine Einzige einlassen könne, sie selbst hätte schon Sex mit ihm im U-Boot auf dem Meeresgrund gehabt. Medien schreiben, Madsen habe Swinger-Clubs besucht. Ein Freund erzählt, er sei von zwei Dingen besessen gewesen: Das eine war die Arbeit, das andere der Sex.

Nur im Extremen soll Peter Madsen seine Ruhe gefunden haben. Biograph Djursing beschreibt ihn als einen Mann, der sämtliche Grenzen austesten wollte: jene der Vernunft, jene der Sexualität, jene der Legalität.

Jetzt übernehmen andere die Kontrolle

Seitdem Madsen im Sommer festgenommen wurde, kursieren die wildesten Gerüchte. Waren U-Boot, Rakete und Fetisch nicht mehr genug? Wollte der egozentrische Madsen das perfekte Verbrechen begehen? Peter Madsen soll irre Phantasien gesponnen haben. Er soll davon geträumt haben, wie ihn eines Tages die Polizei jage. In seiner Werkstatt beschlagnahmten die Ermittler laut Staatsanwaltschaft eine Festplatte: Darauf waren Videos, in denen Frauen gehängt und verbrannt wurden. Es soll sich um echte Aufnahmen handeln. 

Er hasse nichts so sehr, wie die Kontrolle über etwas zu verlieren. Auch das sagt Deirdre King über Peter Madsen. Jetzt übernehmen andere das Kommando. Die Wahrheit über die letzte Fahrt der "UC3 Nautilus" müssen jetzt eine Richterin und zwei Schöffen im Kopenhagener Gericht an die Oberfläche bringen.

Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft.

Das Gericht in Kopenhagen muss klären: Was geschah mit Kim Wall an Bord von Peter Madsens U-Boot "UC3 Nautilus"?

Der stern berichtete umfassend über die letzte Fahrt der "UC3 Nautilus". Lesen Sie mehr dazu:

Mitarbeit: Nina Berger; mit Material von DPA und AFP
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(