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Ein Fall schockiert die USA: Verstörende Bilder und Berichte: Zehn verwahrloste Kinder aus "entsetzlicher" Lage befreit

In Kalifornien sind die Eltern von zehn Kindern festgenommen worden, nachdem Ermittler im Haus der Familie auf "entsetzliche" Lebensumstände gestoßen waren. Der schockierende Fall weckt beängstigende Erinnerungen.

Verstörende Bilder und Berichte: Zehn verwahrloste Kinder aus "entsetzlicher" Lage befreit

Spielzeug und andere Gegenstände liegen wild verteilt in einem Schlafzimmer des Hauses

Es sind Schlagzeilen, die kaum zu ertragen sind - und beängstigende Erinnerungen wecken: "10 Kinder im Elend lebend gefunden" ("L.A. Times"), "Kinder sollen gefoltert worden sein" ("San Francisco Chronicle"), "Polizei berichtet von Stichwunden, Brandwunden und Prellungen bei den Kindern" ("Washington Post") - es gibt kaum eine US-Zeitung, die nicht über den grausamen Fall in Kalifornien berichtet. Nicht zuletzt, weil wenige Monate zuvor ein anderes Martyrium in dem US-Bundesstaat für Entsetzen gesorgt hat: Im März wurden 13 Kinder buchstäblich aus der Gefangenschaft ihrer Eltern befreit.

Nun sorgt ein weiterer Fall von mutmaßlichem Kindesmissbrauch für Aufregung. In Kalifornien sind die beiden Eltern von zehn Kindern festgenommen worden, nachdem die Ermittler im Haus der Familie auf "entsetzliche" Lebensumstände gestoßen waren. Die Kinder im Alter von vier Monaten bis zwölf Jahren hätten völlig verwahrlost in einem verdreckten Umfeld gelebt, teilte die Polizei im nordkalifornischen Fairfield am Montag mit.

Der 30 Jahre alten Mutter wird Vernachlässigung vorgeworfen, sie ist nach Zahlung einer Kaution vorerst wieder auf freiem Fuß. Der 29-jährige Vater wurde wegen des Verdachts der Kindesmisshandlung und Foltervorwürfen festgenommen. Die wurden der Fürsorge übergeben. Und die Bestürzung ist groß - auch bei der Polizei. Bereits jetzt haben die Beamten weitere Anklagen im Laufe der Ermittlungen in Aussicht gestellt.

Kinder haben zwischen Kot und Müll gelebt

Die Behörden waren auf die Familie aufmerksam geworden, nachdem eines der Kinder als vermisst gemeldet worden war. Die Polizei spürte das zwölfjährige Kind auf und stieß bei einer Hausdurchsuchung auf die weiteren Geschwister. Und auf "entsetzliche" Lebensumstände, wie es die Ermittler beinahe euphemistisch beschreiben.

Verstörende Bilder zeigen ein zugemülltes Haus mit verdreckten Kinderzimmern und Gerümpel.

Laut Polizei-Leutnant Greg Hurlbut habe man in dem Haus auch verdorbenes Essen und Kot von Menschen und Tieren vorgefunden, berichtet der US-Sender KTVU. Einige Bereiche seien so vermüllt gewesen, dass die Beamten keinen Zugang zu ihnen gehabt hätten.

Verstörende Bilder und Berichte: Zehn verwahrloste Kinder aus "entsetzlicher" Lage befreit

Das Badezimmer ist mit Fäkalien übersät

Stichwunden, Blutergüsse und Verbrennungen

Medienberichten zufolge gehen die Ermittler davon aus, dass neun der zehn Kinder missbraucht worden sind. So berichtet etwa die "Washington Post", dass bei den Kindern Stichwunden, Blutergüsse und Verbrennungen festgestellt worden seien. Einige der Verletzungen seien offenbar mit Luftpistolen herbeigeführt worden.

"Ich habe bisher noch keinen Fall erlebt, in denen wir Eltern anklagen, die ihre eigenen Kinder gefoltert haben", zitiert KTVU den Polizei-Leutnant Greg Hurlbut, "und ich bin seit ungefähr 30 Jahren im Strafvollzug tätig". Die Bezirkststaatsanwaltschaft des Countys Solano geht laut dem US-Sender davon aus, dass den Kindern die Folterschmerzen bewusst zugefügt worden sind. Womöglich aus sadistischen Gründen.

Alles nur ein Missverständnis?

Die Mutter der Kinder hat für die Unordnung im Haus eine andere Erklärung. Demnach habe Ina Rogers, wie sie gegenüber KTVU beteuert, das Haus auf der Suche nach ihrem verschwundenen Sohn auf den Kopf gestellt. "Ich hatte Angst, dass ich ihn nicht finde. (...) Ich hob Betten hoch, riss Sachen aus dem Schrank, nahm wirklich alles auseinander, um sicherzugehen, dass er wirklich nicht da war." Der Zwölfjährige sei ausgebüxt, nachdem sie ihm ein Tablet-Computer abgenommen habe und es zu einem Streit kam. Die Polizei fand den Jungen schließlich schlafend unter einem Busch in der Nähe des Hauses, wie die Beamten in einer Pressekonferenz informierten.

Auch den Missbrauch der Kinder streitet die Mutter ab. Weder sie noch ihr Eheman Jonathan Allen, mit dem sie gemeinsam acht (von insgesamt elf) Kinder habe, wären handgreiflich geworden.

Sie würde alle ihre Kinder - bis auf eines der insgesamt elf Kinder, das nicht in dem Haus lebt - zu Hause unterrichten. Ein Lebensstil, den viele Menschen verurteilen würden. Der Fall sei daraufhin "explodiert", die ganze Situation entspreche nicht der Wahrheit.

"Das ist absolut entsetzlich für mich. Ich bemühe mich und bin stolz darauf, meinen Kindern ein guter Elternteil zu sein", wird Rogers zitiert. "Mein Mann hat viele Tätowierungen. Er sieht aus wie ein angsteinflößendes Wesen, weshalb ihn viele Menschen so schnell verurteilen." Ihr Mann sei eine "unglaubliche Person". Sie werde nicht erlauben, dass diese Geschichte die Familie entzweit. "Ich werde nicht aufgeben zu kämpfen."

Am 24. Mai soll Jonathan Allen, der von dem Fairfield Police Department inhaftiert wurde, einem Richter vorgeführt werden.

fs/Mit Material der DPA/wue