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Kinderporno-Prozess: Angeklagte verraten ihre Methoden

Wegen Kinderpornographie sind sieben Männer in Darmstadt zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Sie hatten im Internet etwa 100.000 Kinderporno-Dateien getauscht. Ihre Aussagen verrieten viel darüber, wie die Szene sich im Internet organisiert.

In einem der bundesweit größten Kinderporno-Prozesse sind vor dem Landgericht Darmstadt sieben Männer zu Haftstrafen zwischen zwei Jahren auf Bewährung und fünf Jahren verurteilt worden. Die Männer hatten nach Auffassung des Gerichts in "bandenmäßigen Strukturen" von 2006 bis 2009 rund 100.000 Dateien mit kinderpornografischem Material aus dem Internet heruntergeladen und getauscht. Unter anderem seien Fotos von schwer sexuell missbrauchten Säuglingen gezeigt worden, hieß es. Einer der Verurteilten, ein 34-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen, hatte eingeräumt, selbst ein Kind neun Mal sexuell missbraucht zu haben. Er bekam die höchste Strafe.

"Es gibt ein Internet im Internet", sagte einer der Angeklagten, nach eigenem Bekunden "klar pädophil" und zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Er war der Techniker der neunköpfigen Bande krimineller Pädophiler und baute 2005 einen konspirativen Online-Treffpunkt auf, der 2009 - als die Bande aufflog - 467 angemeldete Mitglieder hatte, die sich auf der Plattform mit kinderpornografischem Material versorgten.

Unzählige Kinderporno-Plattformen im Internet

Nach Erkenntnissen der in Darmstadt die Anklage führenden Generalstaatsanwälte existieren unzählige solcher Plattformen im globalen Netz. Die kriminellen Pädophilen sichern sich zunächst ganz unproblematisch Platz auf einem Server, der irgendwo auf der Welt bereitstehen kann, im Darmstädter Fall waren es Festplatten in Ungarn und Russland. Die Zugänge zu den dann eingerichteten eigenen Serveradressen werden unter den Pädophilen konspirativ übermittelt.

Die Weitergabe eines solchen Serverzugangs setzt Vertrautheit voraus, die beispielsweise bei längeren Chats auf einem öffentlichen Onlineforum wie "Girllover" hergestellt wird. Die gleichnamige Plattform ist ein Treffpunkt bekennender Pädophiler und mit Unterbrechungen seit 1997 im Netz zu finden. Wer danach auf dem konspirativen Server landet, kann unter Verwendung einer ellenlangen, nur als Kopie handhabbaren Webadresse zu den eingerichteten Pädophilenboards gelangen, die im Fall der in Darmstadt angeklagten Bande "Zauberwald" oder "Sonneninsel" hießen.

Interessierte mussten sich "hochschlafen"

Auf den Boards sind Räume eingerichtet, welche die unterschiedlichsten Vorlieben bedienen. An das begehrteste Material kommen Interessierte nur, wenn sie ihrerseits neue einschlägige Bilder oder Videos beisteuern - sie müssen sich "hochschlafen", heißt es im Jargon. Gehandelt werden stets Links, die zu einer Downloadadresse führen. Hinterlegt sind jedoch nie per Mausklick funktionierende Hotlinks, sondern eine verstümmelte, für Suchmaschinen unauffindbare Version, der beispielsweise ein "t" im "http" fehlt.

Die kriminellen Pädophilen sind selbst stets anonymisiert im World Wide Web unterwegs. Beim Surfen nutzen sie beispielsweise das frei verfügbare Netzwerk "Tor", ein Programm, das Verbindungsdaten unkenntlich macht und die Rückverfolgung zu einem Internetanschluss verhindert. Der Datenverkehr eines Nutzers wird damit nicht nachvollziehbar. An der Entwicklung solcher Programme beteiligt sich auch die Uni Dresden, überzeugte Datenschützer verfolgen damit ganz legale Ziele.

BKA bekam einen Tipp

Die Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) konnten bei ihren Ermittlungen gegen den in Darmstadt verurteilten Kinderpornografie-Ring keine einzige Nutzeradresse zum Inhaber des Internetanschlusses zurückverfolgen. Unter anderem wählten sich die BKA-Beamten stattdessen selbst verdeckt als User ein, nachdem sie einen Tipp bekommen hatten.

tkr/DAPD/DPA / DPA
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?