HOME

Kinderpornografie: Polizei ermittelt gegen 12.000 Verdächtige

Es ist der bisher größte Fall von Kinderpornografie in Deutschland: Ermittler haben 12.000 Verdächtige ausgemacht, die kinderpornografisches Material aus dem Internet heruntergeladen haben sollen. Entscheidend für den Ermittlungserfolg war der Hinweis eines Internetanbieters.

In einer der größten Aktionen gegen Besitzer von Kinderpornografie wird derzeit bundesweit gegen mehrere tausend Verdächtige ermittelt. Der Sprecher der Berliner Polizei, Bernhard Schodrowski, bestätigte die umfangreichen "Ermittlungen in einem Großkomplex". Die Federführung liege bei der Staatsanwaltschaft und Polizei in Berlin, die eng mit den zuständigen Behörden in zahlreichen Bundesländern zusammenarbeiteten. Die Experten befänden sich "mitten in den Ermittlungen". Weitere Angaben könnten derzeit nicht gemacht werden. Auch eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Berlin nannte keine Einzelheiten.

Nach Informationen des Radiosenders MDR Info gibt es derzeit insgesamt 12.000 Verdächtige. Eine Bestätigung für die Zahl gab es auch von Berliner Seite nicht. Allein für Sachsen-Anhalt bestätigte die Staatsanwaltschaft Halle 325 Fälle, die zum großen Teil abgeschlossen seien. "Ihnen wird vorgeworfen, kinderpornografisches Material heruntergeladen oder besessen zu haben", sagte Oberstaatsanwalt Peter Vogt aus Halle im MDR.

1700 verdächtige in Baden-Württemberg

Bereits am Freitag hatte das Landeskriminalamt Baden-Württemberg erklärt, dass in dem Bundesland gegen rund 1700 Beschuldigte wegen des Verdachts auf Besitz von kinderpornografischen Dateien ermittelt werde. Aus anderen Bundesländern gab es bislang keine detaillierten Angaben.

Nach Angaben Vogts kamen die Fahnder den Verdächtigen mit einem Hinweis eines Berliner Internetanbieters auf die Spur. "Der Provider hatte einen enormen Datenverkehr festgestellt. Bei deren Analyse stellte sich heraus, dass es sich um Zugriffe auf ein kinderpornografisches Portal handelte." Im Sommer hätten die Fahnder in Sachsen-Anhalt Ermittlungsergebnisse aus Berlin bekommen. "Das Material wurde geprüft. Daraufhin haben wir Durchsuchungen beantragt."

Kommunalpolitiker zu Geldstrafe verurteilt

Im Zuge der Ermittlungen sei der Ex-Oberbürgermeister von Merseburg, Reinhard Rumprecht, Anfang August ins Visier der Fahnder geraten. Der parteilose Kommunalpolitiker sei wegen des Besitzes von Kinderpornografie per Strafbefehl zu einer Geldstrafe von 8000 Euro verurteilt und habe inzwischen sein Amt niedergelegt. Der Chef der Zentralstelle für Ermittlungen gegen Kinderpornografie wies darauf hin, dass sich Internetnutzer bei Kinderpornografie sehr schnell strafbar machten. "Schon wenn zielgerichtet mit bestimmten Begriffen nach Kinderpornografie gesucht wird, macht man sich strafbar."

Internetnutzer, die Mails mit kinderpornografischem Inhalt erhielten, sollten sich bei der Polizei melden und die Nachricht an die Behörden weiterleiten. "Schon als Adressat solcher Mails kann man ins Visier der Ermittler geraten", sagte Vogt. Der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" sagte Vogt, in Sachsen-Anhalt habe es bereits zahlreiche Durchsuchungen und Beschlagnahmungen gegeben.

Vogt zählt zu den profiliertesten Kennern der Szene in der Bundesrepublik. Mit seinen Ermittlungen legte er etwa den Grundstein für eine der weltweit größten Operationen, bei der 2003 unter dem Decknamen "Marcy" 38 kinderpornografische Zirkel im Internet gesprengt werden konnten. Dabei wurden weltweit 26.500 tatverdächtige Nutzer in 166 Staaten ermittelt.

AP/Reuters / AP / Reuters