Kinderschänder Dutroux auf der Anklagebank


Neue Spekulationen über einflussreiche Hintermänner haben zur Eröffnung des Jahrhundertprozesses gegen den belgischen Kinderschänder Marc Dutroux für Wirbel gesorgt.

Neue Spekulationen über einflussreiche Hintermänner haben zur Eröffnung des Jahrhundertprozesses gegen den belgischen Kinderschänder Marc Dutroux für Wirbel gesorgt. Der Fernsehsender VTM berichtete über einen Brief Dutroux’, in dem der Hauptangeklagte ein kriminelles Netzwerk mit Verbindungen zu Sicherheitsbehörden erwähnt. Der 47-Jährige muss sich seit Montag vor einem Schwurgericht im südbelgischen Arlon wegen dreifachen Mordes sowie Entführung und Vergewaltigung von sechs Mädchen verantworten.

Urteil in zwei bis drei Monaten

Einer seiner Anwälte, Ronny Baudewijn, sagte, die neuen Angaben seines Mandanten seien "nicht die beste Entscheidung" gewesen. Dem Fernsehsender zufolge soll der mitangeklagte Brüsseler Geschäftsmann Michel Nihoul als Kontaktperson zu den Hintermännern gedient haben. Jan Fermon, Anwalt der Nebenklage, bezeichnete solche Theorien als "Beleidigung der Opfer". Aussagen wird Dutroux voraussichtlich am Mittwoch. Den ersten Prozesstag verschlief der Hauptangeklagte weitgehend.

Mitangeklagt sind zudem Dutroux’ mutmaßlicher Komplize Michel Lelievre und seine Exfrau Michelle Martin. Dutroux wartet bereits seit August 1996 auf seinen Prozess. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe. Bislang weist er die Vorwürfe zurück. Ein Urteil wird in zwei bis drei Monaten erwartet. Die Eltern der ermordeten An Marchal äußerten die Hoffnung, endlich Licht ins Dunkel des Falles zu bringen. "Wir hoffen, dass wir die Wahrheit finden werden", sagte Betty Marchal.

Dutroux schlief während der Verhandlung

Am Morgen betrat Dutroux den stark abgesicherten Gerichtssaal in Handschellen. Foto- und Filmaufnahmen von sich verweigerte er. Das wiederholte Dösen des Angeklagten erklärte Anwalt Xavier Magnee damit, dass sein Mandant sehr schlecht schlafe und so viel Zeit wie möglich nutze, um sich auszuruhen. Im Mittelpunkt des ersten Prozesstages stand die Auswahl der Geschworenen. Am Nachmittag wurden sechs Frauen und sechs Männer in die Jury benannt.

Dutroux muss sich wegen Mordes an der 17 Jahre alten An und der 19-jährigen Eefje verantworten, die im August 1995 verschleppt worden waren. Zudem werden ihm Entführung, Freiheitsberaubung und Vergewaltigung der beiden Mädchen sowie der achtjährigen Julie und Melissa und der zur Tatzeit 1996 zwölfjährigen Sabine und der 14 Jahre alten Laetitia vorgeworfen. Ferner wird ihm die Ermordung seines Komplizen Bernard Weinstein vorgeworfen.

Kurz nach Dutroux’ Festnahme im August 1996 wurden Sabine und Laetitia aus einem Kellerverlies in seinem Haus bei Charleroi gerettet. Beide Opfer wollen in dem Prozess aussagen. Die Leichen von Julie, Melissa, An und Eefje grub die Polizei auf anderen Grundstücken des Kinderschänders aus.

Keine Anklage wegen Todes von Julie und Melissa

Die Umstände des Todes von Julie und Melissa wurden nie eindeutig geklärt, weshalb niemand wegen Mordes an den beiden Mädchen angeklagt ist. Dutroux behauptet, die Kinder seien verhungert, während er eine sechsmonatige Haftstrafe wegen Autodiebstahls absaß. Auf der Suche nach den Mädchen durchsuchte die Polizei im Dezember 1995 sogar eines der Häuser Dutroux’. Zu dieser Zeit wurden Julie und Melissa im Keller gefangen gehalten, ohne dass es die Beamten bemerkten.

Ein Untersuchungsausschuss des Parlaments kam zu dem Schluss, dass Julie und Melissa hätten gerettet werden können, wenn die Behörden sorgfältiger gearbeitet hätten. Dutroux war der Polizei bereits als Kinderschänder bekannt. 1989 wurde er wegen Vergewaltigung von fünf Mädchen zu 13 Jahren Haft verurteilt, kam wegen guter Führung aber nach drei Jahren frei. Die Pannen lösten Massenproteste aus, nach einem Fluchtversuch Dutroux’ im April 1998 mussten zwei Minister zurücktreten.

Insgesamt 490 Zeugen geladen

Die Morde an den Mädchen streitet Dutroux ab. Zugegeben hat er, seinen Komplizen Bernard Weinstein umgebracht zu haben. Kurz nach Dutroux' Festnahme im August 1996 konnten Sabine und Laetitia lebend aus einem Kellerverließ in seinem Haus bei Charleroi befreit werden. Beide Opfer wollen in dem Prozess aussagen. Insgesamt haben Anklage und Verteidigung 490 Zeugen vorgeladen.

Für Julie und Melissa sowie An und Eefje kam jede Hilfe zu spät. Ihre Leichen grub die Polizei auf anderen Grundstücken des Kinderschänders aus. Nach wie vor umstritten ist die Frage, ob die Dutroux-Bande alleine handelte oder im Auftrag und unter dem Schutz einflussreicher Kreise.

330 Polizisten im Einsatz

Die Umstände des Todes von Julie und Melissa konnten eindeutig nie geklärt werden, weshalb niemand wegen Mordes an den beiden Mädchen angeklagt ist. Dutroux behauptet, die Kinder seien verhungert, während er eine sechsmonatige Haftstrafe wegen Autodiebstahls absaß. Auf der Suche nach den Mädchen durchsuchte die Polizei im Dezember 1995 sogar eines der Häuser Dutroux'. Zu dieser Zeit wurden Julie und Melissa im Keller gefangen gehalten, die Beamten merkten nichts.

Ein Untersuchungsausschuss des Parlaments kam zu dem Schluss, dass Julie und Melissa hätten gerettet werden können, wenn die Behörden sorgfältiger gearbeitet hätten. Dutroux war der Polizei bereits als Kinderschänder bekannt. 1989 wurde er wegen Vergewaltigung von fünf Mädchen zu 13 Jahren Haft verurteilt, kam wegen guter Führung aber nach drei Jahren frei. Die Pannen lösten Massenproteste aus, nach einem Fluchtversuch Dutroux’ im April 1998 mussten zwei Minister zurücktreten.

Für den Prozess sind 1.340 Journalisten aus aller Welt akkreditiert. 330 Polizisten sollen für Ordnung in dem kleinen Städtchen an der Grenze zu Luxemburg sorgen. Die Prozesskosten belaufen sich auf rund 4,6 Millionen Euro.

AP


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