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Kampf gegen Missbrauch: Indonesien will Kinderschänder kastrieren lassen

Der Inselstaat Indonesien ergreift drastische Maßnahmen gegen Kindesmissbrauch: Pädophile Sexualtäter sollen neben ihrer Haftstrafe zusätzlich chemisch kastriert werden.

Mutmaßlicher Sexualstraftäter umringt von Polizisten

Ein mutmaßlicher Vergewaltiger (M.) auf dem Weg zum Gerichtsgebäude - umringt von Polizeibeamten: Indonesien sieht sich mit einer Welle von Sexualdelikten konfrontiert

Die indonesische Regierung will mit einer chemischen Kastration als zusätzlicher Strafe gegen pädophile Sextäter vorgehen. Präsident Joko Widodo unterstütze einen derartigen Gesetzesentwurf und werde bald eine entsprechende Verordnung herausgeben, zitierte die Webseite der Regierung die Ministerin für soziale Angelegenheiten. Aktivisten für Kinderrechte begrüßten die Entscheidung. "Indonesien befindet sich in einer Notsituation, was Kindesmissbrauch betrifft", sagte der Vorsitzende der Nationalen Kommission für den Schutz von Kindern, Merdeka Sirait.

Mit der Maßnahme reagieren die Behörden auf eine Reihe dramatischer sexueller Angriffe auf Kinder der jüngsten Zeit. Zuletzt hatte die Entführung, mehrfache Vergewaltigung und Ermordung einer Neunjährigen vor wenigen Tagen in der Hauptstadt Jakarta das Land erschüttert. Nach offiziellen Angaben ist die Zahl der öffentlich gewordenen Fälle sexueller Gewalt gegen Kinder von knapp 2200 im Jahr 2011 auf über 5000 im Jahr 2014 gestiegen.

Zu den geplanten Maßnahmen gehöre die Injektion von Hormon-Medikamenten, um den Geschlechtstrieb bei überführten Tätern zu hemmen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Das bisherige Gesetz sieht für Täter, die Kinder missbrauchen, eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren und eine maximale Geldstrafe von 300 Millionen Rupien (knapp 20.000 Euro) vor. Die chemische Kastration mit Hormon-Medikamenten soll als zusätzliche Bestrafung eingeführt werden. Das Verfahren wird nur in wenigen Ländern gegen Kinderschänder eingesetzt, darunter in Polen und einigen US-Bundesstaaten. Südkorea war im Jahr 2011 das erste asiatische Land, das sie als Strafe einführte. 

amt / DPA / AFP