Kinderschänderfall Förster gesteht sechs Mädchenmorde


Nach der Verurteilung von Marc Dutroux sieht sich Belgien mit dem nächsten Kinderschänderfall konfrontiert. Der 62-jährige französische Förster Michel Fourniret gestand, sechs Mädchen getötet zu haben.

Eine neue Kinderschänder-Affäre erschüttert Belgien. Gut eine Woche nach der Verurteilung des Mädchenmörders Marc Dutroux hat ein 62 Jahre alter Förster nach Medienberichten gestanden, sechs junge Mädchen umgebracht zu haben. Der einschlägig vorbestrafte Franzose sitzt bereits seit einem Jahr in belgischer Untersuchungshaft. Seine Frau, die dem Mann bis zu neun Entführungen und Morde vorwirft, wurde am Mittwoch wegen des Verdachts auf unterlassene Hilfeleistung ebenfalls verhaftet.

Die Mehrzahl der neun mutmaßlichen Opfer stammt aus Frankreich. Einige Leichen wurden in Südbelgien gefunden, wo der Förster seit Anfang der 90er Jahre lebt. Der heute 62-jährige Michel Fourniret war in den 80er Jahren in Frankreich wegen der Vergewaltigung minderjähriger Mädchen zu sieben Jahren Haft verurteilt worden, kam aber schon nach zwei Jahren wieder frei. Er ließ sich in Sart- Custinne in den belgischen Ardennen unweit der Grenze nieder.

Verschwinden mit Dutroux-Affäre in Verbindung gebracht

Nach Angaben des öffentlichen Fernsehsenders RTBF gestand Fourniret auch die Entführung und Vergewaltigung der damals zwölfjährigen Elisabeth Brichet aus Namur am 20. Dezember 1989, drei Tage nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis. Das Verschwinden des Mädchens war wiederholt mit der Dutroux-Affäre in Verbindung gebracht worden. Seine Mutter gehörte nach der Entdeckung der getöteten und überlebenden Dutroux-Opfer zu den Organisatoren des Weißen Marschs in Brüssel 1996, an dem Hunderttausende Belgier teilnahmen und der Opfer gedachten.

Festgenommen wurde Fourniret am 26. Juni 2003, nachdem er ein 13-jähriges Mädchen im belgischen Ciney zu entführen versucht hatte. Wie früher Dutroux hatte der Förster dabei nach Darstellung der Zeitung "La Capitale" einen Lieferwagen benutzt. Das Mädchen konnte jedoch flüchten. Ihre Angaben führten zur Verhaftung des Franzosen. Bei den anschließenden Verhören soll Fourniret den Polizisten von seinem Vorstrafen in Frankreich erzählt haben. In Belgien hatte er da schon länger als zehn Jahre unbehelligt gelebt.

Mehrfach sei Fourniret unter dem Vorwand von Familienbesuchen an frühere Tatorte in Frankreich zurückgekehrt, berichtete die Zeitung "La Libre Belgique". Dort verschwand im Januar 2003 - wenige Monate vor der Festnahme des Försters - ein neunjähriges Mädchen. Im Januar vergangenen Jahres habe Fourniret zudem einen Posten als Aufseher in der Schulkantine von Sart-Custinne bekommen. Die lokalen Behörden wussten den Berichten zufolge nichts von seiner Vorgeschichte.

"Lücke im europäischen Rechtssystem"

Die grenzüberschreitende Affäre weise auf eine Lücke im europäischen Rechtssystem hin, meinte die Zeitung "La Capitale": Es gebe kein EU-weites Vorstrafenregister für gefährliche Kriminelle. Entsprechende EU-Pläne sind noch im Anfangsstadium. Wie im Fall Dutroux beziehe die belgische Polizei ihr Wissen zu großen Teilen aus den Aussagen der Frau des Beschuldigten, hieß es.

Die Dutroux-Affäre hatte mit dem Urteil des Schwurgerichts von Arlon in der vergangenen Woche ihr vorläufiges Ende gefunden. Der Haupttäter Marc Dutroux wurde wegen der Entführung von sechs Mädchen, von denen vier qualvoll zu Tode kamen, zu lebenslanger Haft verurteilt. Seine Frau und zwei weitere Täter bekamen Freiheitsstrafen zwischen 5 und 30 Jahren. Der Fall hatte wiederholte Fahndungspannen bei Polizei und Justiz aufgedeckt.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker