Kinderschänderprozess Das Grauen in der "Tosa-Klause"


Im Prozess um die Kinderschänder von der "Tosa-Klause" hat der Staatsanwalt seine Version geschildert: Demnach hätten die 13 Angeklagten den 5-jährigen Pascal regelmäßig vergewaltigt - und irgendwann getötet.

Vielen Zuschauern im Gerichtssaal steht das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Oberstaatsanwalt Josef Pattar beschreibt bis ins Detail, wie der kleine Pascal nach Überzeugung der Anklage in der verrauchten Saarbrücker Bierkneipe "Tosa-Klause" mehrfach grausam vergewaltigt wurde. Das entsetzliche Geschehen wird noch einmal lebendig. Aber fast alle 13 verdächtigen Mitglieder des Kinderschänderrings hören den Vorwürfen mit unbewegter Miene zu. Einer blättert gelangweilt in seinen Unterlagen, ein anderer zieht spöttisch die Augenbrauen hoch.

Schon zu Beginn des Prozesses am Morgen demonstriert der Großteil der vier Frauen und neun Männer Gleichmut: Die Hauptangeklagte, Kneipenwirtin Christa W., die wegen eines Hüftleidens stark hinkt, betritt den Saal des Schwurgerichts mit starrem Gesichtsausdruck. Perfekt geschminkt geht sie mit hoch aufrichteten Kopf an den Kameras der Journalisten vorbei und setzt sich wie die 12 Mitangeklagten auf die Anklagebank - gut bewacht von gut zwei Dutzend Polizisten.

Der Prozess verzögert sich

Die Beschuldigten, 37 bis 62 Jahre alt, sind mehrheitlich arbeitslos, nahezu alle geschieden oder getrennt lebend. Einer korrigiert ärgerlich und aufgebracht den Richter, er möge seinen Namen nicht immer wieder falsch aussprechen. Der Vorsitzende Richter Ulrich Chudoba bleibt gelassen - anders dagegen einige Besucher: "Du frecher Hund!", ruft jemand von den vollbesetzten Reihen. Die Rechtsanwälte sorgen unterdessen mit verschiedenen Anträgen immer wieder für Verzögerungen des Prozesses - sie beschweren sich unter anderem über Platzmangel und die Besetzung der Schöffen.

Mehr als 100 Zuschauer und Journalisten verfolgen diesen wohl spektakulärsten Kinderschänder-Prozess der vergangenen Jahre. Mord, schwerer sexueller Missbrauch und Beihilfe lauten die Anklagepunkte. Was das Verfahren von anderen unterscheidet, ist nicht nur die große Zahl der Beschuldigten, die sich nach Überzeugung der Anklage regelmäßig zum Sex mit Kindern im Hinterzimmer der Kneipe trafen. Auch der Verdacht, die Wirtin habe den 5-jährigen Pascal und mindestens zwei andere Kinder gegen jeweils 20 Mark an die Freier verkauft, macht diesen Fall so entsetzlich.

Pascals Leiche wurde nie gefunden

Mit der Ankündigung einer 40 Jahre alten Angeklagten: "Heute machen wir es einmal anders!" haben nach Überzeugung der Anklage die letzten Stunden von Pascal vor seinem Tod am 30. September 2001 begonnen. Der Junge sei auf brutale Weise von mehreren Männern nacheinander vergewaltigt worden. Die als geistig zurückgeblieben eingestufte 40-Jährige soll den kleinen Jungen festgehalten haben. Dabei drückte sie angblich auch ein Kissen auf sein Gesicht. So sollten seine Schreie nicht nach außen dringen. Während der Misshandlungen oder kurz danach starb Pascal nach Überzeugung des Staatsanwalts - seine Leiche wurde jedoch nie gefunden.

Auch das Fahrrad des Jungen bleibt bis heute verschwunden. Videos und Fotos, die Christa W. von den Misshandlungen gemacht haben soll, seien nie gefunden worden, sagt eine Rechtsanwältin. "Es gibt keine objektiven Tatbeweise", erklärt sie während der Verhandlung. Weil auch die Mehrheit der mutmaßlichen Kinderschänder zu den Vorwürfen schweigen wollen, wird sich die Verhandlung vermutlich lange hinziehen. Richter Chudoba hat bis Jahresende zunächst montags und dienstags als Verhandlungstermine anberaumt. 102 Zeugen sind zu dem Prozess geladen.

Andrea Löbbecke und Ulf Mauder/DPA DPA

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