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Prozessauftakt in Leipzig: Kinderzimmer-Dealer machte Millionen mit Drogenhandel im Internet

Er saß in seinem Zimmer und wickelte Drogendeals über das Internet ab: Ein 20-Jähriger aus Leipzig hat Tausende Kunden weltweit mit Stoff beliefert - per Post. Seine Eltern wussten angeblich von nichts.

Der 20-Jährige steht in Leipzig wegen schweren Drogenhandels vor Gericht

Raffinierter Drogenhandel im Internet: Der junge Leipziger soll aus seinem Kinderzimmer heraus bis zu vier Millionen Euro eingenommen haben

Im Wochenrhythmus sollen die Kuriere aus den Niederlanden in Leipzig vorgefahren sein. Am 26. Februar dieses Jahres kommt die letzte Drogenfuhre an: Sieben Kartons, prall gefüllt mit Kokain, Haschisch und Ecstasy, schleppt ein junger Mann in sein Zimmer in der Wohnung seiner Eltern. Zum Verkauf der Ware kommt der mittlerweile als "Kinderzimmer-Dealer" bekannte 20-Jährige nicht mehr. Die Ermittler schlagen zu, nachdem sie ihn schon geraume Zeit im Visier hatten. Nun muss er sich vor dem Landgericht Leipzig verantworten. Dabeim wirkt er teilnahmslos und unbeeindruckt.

Von Dezember 2013 bis Februar 2015 soll der Angeklagte über das Internet mit insgesamt 914 Kilogramm Drogen und verschreibungspflichtigen Tabletten gehandelt haben. Seine Eltern haben von den Machenschaften des Sohnes offenbar nichts mitbekommen. Zumeist lieferte er einfach per Post, wobei er letztlich aufflog: Einige Pakete blieben liegen, wurden dann geöffnet, so dass die Polizei Wind bekam.

Konspirativ und professionell

Ermittlern zufolge ging der junge Mann ansonsten äußerst konspirativ und professionell vor. Begonnen habe er seine Karriere im nur eingeschränkt zugänglichen sogenannten Darknet, dann sei er ins offen zugängliche Internet gewechselt, wo er die Ware auf der Plattform "Shiny Flakes" (leuchtende Flocken) angeboten habe. Zur Anonymisierung von Empfängern und Absendern sei eine Spezialsoftware zum Einsatz gekommen.

Außer Heroin habe er alles geliefert, was es an Drogen auf dem Markt gab. Bezahlt wurde mit dem Internetgeld Bitcoin. "Bestellung, Bezahlung, Vorauskasse", sei das System gewesen, so die Staatsanwaltschaft. Die Polizei geht von mehreren Tausend Kunden weltweit aus.

Wie die Leipziger Polizei im März mitgeteilt hatte, wurden nach der Festnahme des Angeklagten rund 360 Kilogramm Drogen beschlagnahmt - es ist einer der größten Drogenfunde in Deutschland. Die Ermittler präsentierten Berge von beschlagnahmtem Kokain, Ecstasy, LSD und Marihuana. Bis zu seiner Festnahme soll der Beschuldigte nach Angaben der Staatsanwaltschaft vier Millionen Euro aus den Verkäufen erlöst haben.

Kurier legte umfassendes Geständnis ab

Er werde zunächst keine Erklärung zu den Vorwürfen abgeben, ließ der Angeklagte zum Prozessauftakt von seinem Verteidiger Stefan Constabel verkünden. Auch bei früheren Vernehmungen hatte sich der Beschuldigte in Schweigen gehüllt.

Für den Prozess sind bisher Termine bis zum 6. Oktober festgelegt. Nach dem ersten Verhandlungstag sollte es ein Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen zwischen allen Prozessbeteiligten geben. Dabei dürfte auch erörtert worden sein, ob für den jungen Mann noch das Jugendstrafrecht oder das Erwachsenstrafrecht gilt.

Bei einer Verurteilung wirkt sich das erheblich auf das Strafmaß aus. Nach Jugendstrafrecht droht eine Höchststrafe von zehn Jahren Haft. Wird er als Erwachsener behandelt, könnten es bis zu 15 Jahre werden.

Zu welchem Ergebnis die Parteien gekommen sind, soll am nächsten Prozesstag am 8. September verkündet werden. Der Kurier des "Kinderzimmer-Dealers", der in einem abgetrennten Verfahren seit Montag vor Gericht steht, hatte zunächst auch geschwiegen, dann aber ein umfassendes Geständnis abgelegt.

tis/Sabine Fuchs / DPA
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