Kindesmissbrauch Judotrainer zu langer Haftstrafe verurteilt


Er hat seine neun jungen Opfer über die Jahre insgesamt mindestens 211-mal unsittlich berührt und sexuell missbraucht. Dafür muss ein Judotrainer aus Passau nun sechs Jahre und neun Monate in Haft. Das Gericht ordnete außerdem die Unterbringung in der Psychiatrie an.

Wegen 211-fachen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen muss ein niederbayerischer Judotrainer sechs Jahre und neun Monate in Haft. Das Landgericht Passau ordnete am Donnerstag zudem die zeitlich unbegrenzte Unterbringung des 38-Jährigen in der Psychiatrie an. Der bereits einschlägig vorbestrafte Mann hatte zuvor alle Vorwürfe eingeräumt.

Gutachter bezeichneten Wolfgang D. im Prozess, der nur einen Tag dauerte, als "kernpädophil". Wegen seiner hohen Triebhaftigkeit bleibe D. gefährlich. Ohne Therapie bestehe eine hohe Gefahr der Wiederholung. Allerdings seien auch die Aussichten einer Behandlung eher schlecht, sagte eine Psychiaterin vor Gericht.

Angeklagter zeigt Reue

Bereits zu Beginn des Prozesses hatte D. gestanden. "Es tut mir leid, den Geschädigten gegenüber, meinen Freunden gegenüber und den Leuten, die mir all die Jahre die Stange gehalten haben." In seinem letzten Wort sagte der Angeklagte: "Ich habe mit glühenden Fingern in den Seelen gewühlt, und das tut mir leid." Die Schuld liege ausschließlich bei ihm.

Der Vorsitzende Richter ging darauf bei der Urteilsverkündung ein und betonte: "Kindesmissbrauch ist Mord an der kindlichen Seele. Jeder einzelne Fall ist die Schuld des Täters, nicht des missbrauchten Kindes." Beide Seiten verzichteten auf Rechtsmittel, das Urteil ist damit rechtskräftig.

Übergriffe zogen sich 15 Jahre hin

Die Übergriffe hatten bereits 1994 begonnen und sich bis 2009 hingezogen. Die insgesamt neun Opfer waren zwischen 9 und 15 Jahre alt. Meist verging sich D. beim gemeinsamen Duschen nach dem Training an ihnen. Teilweise fanden die Taten aber auch im familiären Umfeld statt.

D. war bereits im Sommer 2008 wegen dreifachen sexuellen Missbrauchs an zwei Jungen zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Im Laufe des Berufungsverfahrens waren dann zahlreiche zusätzliche Übergriffe bekanntgeworden, im April 2009 wurde er verhaftet. Die Berufung gegen seine erste Strafe hat D. inzwischen zurückgenommen. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte der Passauer Judoclub Fehler eingeräumt. "Wir müssen uns vielleicht vorwerfen lassen, dass wir zu gutgläubig waren und bis zuletzt immer an seine Unschuld geglaubt haben", sagte die Zweite Vorsitzende Steffi Dallmeier im August 2009.

APD APD

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