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Kindesmissbrauchs-Prozess: Lange Haftsrafe für Oliver Shanti

Sechs Jahre und zehn Monate Gefängnis - so lautet das Urteil im Missbrauchs-Prozess gegen Sektenguru Oliver Shanti. Die Richter des Landgerichts München befanden Shanti für schuldig, vier Jungen jahrelang sexuell missbraucht zu haben.

Der Esoterik-Musiker Oliver Shanti ist wegen Kindesmissbrauchs zu sechs Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das Landgericht München sah es am Freitag als erwiesen an, dass der selbsternannte Sektenguru auf seinem Landgut in Portugal vier Jungen über Jahre hinweg sexuell misshandelt habe. Die Anklage hatte achteinhalb, die Verteidigung vier Jahre Haft gefordert.

Der 61-jährige Shanti hatte gestanden, die vier Jungen mindestens 76 Mal sexuell missbraucht zu haben. In seinem Schlusswort bat er das Gericht um ein "barmherziges Urteil". Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, er habe sich Kinder von Anhängern und Angestellten auf seiner Finca in Portugal wie Leibeigene gehalten und zu seiner Befriedigung benutzt. Das jüngste Opfer sei ein siebenjähriger Junge gewesen.

"Sie mussten ihm jederzeit zur Verfügung stehen"

"Der Angeklagte hat sie angelernt und behandelt wie sein Eigentum. Sie mussten ihm zur Verfügung stehen zu jeder Tag- und Nachtzeit", sagte Staatsanwältin Christine Schäfer. "Wenn sie nicht spurten, wurden sie bestraft." Konkret zu beweisen seien 77 Fälle des teilweise gewaltsamen Missbrauchs gegen vier Jungen und ein Mädchen. Aber das sei "nur die Spitze des Eisbergs" - "es sind mit Sicherheit sehr viel mehr gewesen", sagte die Anklägerin.

Die Verteidigung sagte dagegen, die Taten lägen lange zurück. Der 61-Jährige habe seit 13 Jahren keine Straftat mehr begangen. Außerdem warf die Verteidigung dem Gericht vor, es habe den an einer ansteckenden Infektion erkrankte Shanti bei der Verhandlung "mit Mundschutz im Kittel in einem Glaskasten zur Schau gestellt".

Shanti, der die inzwischen erwachsenen Opfer im Zeugenstand noch als Lügner beschimpft hatte, entschuldigte sich in seinem Schlusswort, bei den Opfern für sein Verhalten - und bat die Richter, ihm "noch eine Chance zu geben".

AP / AP