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Kindesmord an Etan Patz nach 33 Jahren geklärt: Der Mordfall, der ein Land veränderte

Als der kleine Etan vor 33 Jahren auf dem Weg zur Schule verschwand, hat das ganz Amerika erschüttert, die Eltern litten Qualen. Jetzt stellte die Polizei den Täter. Doch es bleiben einige Fragen.

Einmal wolle er allein zur Schule gehen, hatte der kleine Etan seinen Eltern gesagt. Er sei sechs und doch schon groß - und so ließen Julie und Stanley Patz ihren Sohn die wenigen hundert Meter gehen. Sie sahen Etan nie wieder. Das Verschwinden des kleinen, fröhlich guckenden Jungen 1979 in New York gehört zu Amerikas rätselhaftesten Kriminalfällen. Jetzt scheint der Fall geklärt - nach 33 Jahren.

Etan hatte seinen Eltern gesagt, er wolle sich auf dem Weg noch eine Limonade kaufen. Den Dollar dafür hatte sich der Sechsjährige ganz allein verdient, als er einem Nachbarn geholfen hatte. Mit dem Versprechen auf eine Limonade hatte der damals 19 Jahre alte Pedro Hernandez auch den Jungen zu sich in den Laden gelockt. Im Keller erwürgte er nach eigenen Angaben das Kind. Warum, was der Junge zuvor erleiden musste - alles noch unklar für die Öffentlichkeit, trotz eines langen Geständnisses, dass der heute 51 Jahre alte Hernandez mündlich, schriftlich und per Video abgelegt hat. Darin heißt es auch, er habe die Leiche des Jungen in einen Müllcontainer geworfen.

Die Eltern hofften bis zuletzt

Für Etans Eltern begannen damals 33 Jahre der Qual - und ein ganzes Land litt mit ihnen. Die Bild des lächelnden kleinen Jungen erschien in allen Zeitungen, auf Plakaten - und auf Milchkartons. Seitdem ist diese Fahndungsmethode immer wieder angewandt worden, um Millionen Menschen an der Suche zu beteiligen. Julie und Stanley Patz zogen nie um und behielten all die Jahre die gleiche Telefonnummer. Vielleicht steht der Junge - solche Fälle hatte es ja gegeben - doch eines Tages wieder vor der Tür, hofften sie.

Er tat es nicht und ein Land veränderte sich. "Stranger Danger", "Gefahr vor einem Unbekannten", hieß das Schlagwort, dass Millionen Eltern in misstrauische Menschen verwandelte. Als die Mutter Lenore Skenazy das mit ihrem Blog "Free-Range Kids" (in etwa: "freilaufende Kinder") wieder korrigieren wollte, hatte sie den Ruf als "Amerikas schlechteste Mutter" weg. Schließlich hatte sie ihre neunjährige Tochter allein U-Bahn fahren lassen. Dabei macht sie in ihrem Blog klar: "Free Rangers glauben an Helme, Kindersitze im Auto und Sicherheitsgurte - eben Sicherheit! Aber wir glauben nicht, dass Kinder bei jedem Spielen draußen einen Leibwächter brauchen."

Vermisstenanzeigen auf Milchkartons

Und trotzdem: "Der Fall Etan hat unsere Sicht, wie man ein Kind erzieht, völlig verändert", konstatiert der "Star Ledger" am Freitag. Auch die "New York Daily News" meint, dass "Eltern in unserer Stadt seitdem anders auf ihre Mitmenschen gucken, selbst auf ihre Nachbarn". Und die "New York Times" erinnert daran, dass Bilder von vermissten Kindern in Werbepausen, auf Großleinwänden und eben auf Milchkartons inzwischen ein vertrautes Bild seien - alles angeschoben durch den Fall Etan Patz. Der Tag seines Verschwindens war von US-Präsident Ronald Reagan übrigens noch im selben Jahr zum "Nationalen Tag des vermissten Kindes" erklärt worden.

Die Polizei wurde auf Hernandez erst durch einen Tipp aufmerksam und nahm ihn am Donnerstag fest - einen Tag vor dem 33. Jahrestag von Etans Verschwinden. Der Mann hat inzwischen selbst eine Tochter und habe bei seiner Festnahme erleichtert gewirkt, sagte New Yorks Polizeichef Ray Kelly. Er bereue die Tat.

"Sie haben ihn endlich"

Für Etans Eltern gibt es, auch wenn noch immer Fragen offen bleiben, nun endlich Gewissheit - aber auch die Gewissheit, dass es keinen Ort gibt, an dem sie bei ihrem Sohn sein können. Auf der Website "Find a Grave", sonst eher der Platz zum Stöbern nach Promigräbern, wurden inzwischen weit mehr als 1000 Nachrufe hinterlassen. "Ich hoffe, Du und Deine Eltern finden nun Frieden", schrieb einer und ein anderer: "Sie haben ihn endlich. Etan..., ruhe in Frieden, kleiner Engel."

von Chris Melzer, DPA / DPA
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