HOME

Kindstötung: "Diese Frauen sind keine Bestien"

Familiendrama in Pforzheim: Eine Mutter wirft ihre zwei Kinder aus dem vierten Stock und springt hinterher. Sie litt offenbar unter paranoider Schizophrenie. Der Kriminologe Christian Pfeiffer sagt im stern.de-Interview, was Eltern zu einer solchen Tat treibt.

Herr Pfeiffer, in Pforzheim hat eine Frau sich und ihre zwei Kinder von einem Balkon gestürzt. Nur der vierjährige Sohn überlebte. Wie kann es zu einer solchen Tat kommen?
Wir machen gerade eine große Untersuchung zu Männern und Frauen, die ihre Kinder getötet haben. Sie umfasst Fälle aus den vergangenen zehn Jahren. Die Untersuchung zeigt, dass Menschen wegen ganz unterschiedlicher Probleme so reagieren. Pauschal kann man sagen, dass diese Frauen keine Bestien in Menschengestalt sind, keine Ungeheuer. In aller Regel sind sie selbst in ihrer eigenen Kindheit und Jugend Opfer von Gewalt geworden und haben wenig Sicherheit in der Rolle als Mutter, zusätzlich sind sie von besonderen Belastungen betroffen.

Welchen Belastungen?
Bei rund einem Fünftel der Männer und Frauen, die ihre Kinder getötet haben, liegt eine psychische Erkrankung vor. Sie leiden unter massiven Depressionen, haben Wahnvorstellungen, sehen sich bedroht. Sie sind davon überzeugt, ihre Kinder retten zu müssen und bringen deshalb erst die Kinder und manchmal auch sich selbst um.

Aber warum töten diese Menschen nicht nur sich selbst, sondern nehmen ihre Kinder mit in den Tod?
Sie denken, dass die Kinder nach ihrem eigenen Tod niemanden haben, auf den sie sich verlassen können. Die Frauen befürchten, dass ihre Kinder fremden Menschen ausgeliefert sein werden und kein schönes Leben vor sich haben. Davor wollen sie die Kinder schützen. Bei Männern, die sich und ihre Kinder getötet haben, gibt es manchmal großen Hass zwischen den Eltern. Männer töten auch dann die Kinder, wenn sie ihrer Frau die Freuden des Elternseins nicht gönnen.

Sind diese Menschen vorher schon in psychiatrischer Behandlung gewesen?
Ja, meistens. Die behandelnden Ärzte haben dann diese Krise nicht richtig vorausgesehen. Oder die Betroffenen haben die Behandlung abgebrochen, eventuell die Medikamente abgesetzt. Es kann natürlich auch passieren, dass Alkohol oder Drogen eine Rolle beim Tatentschluss spielen.

Gibt es noch andere Motive, die Eltern zu einer solchen Tat veranlassen?
Manche töten ihre Kinder, weil sie selber psychisch und sozial verelendet sind. Diese Personen fristen ein Leben am Rande der Gesellschaft, kommen mit dem Leben nicht mehr klar und sehen für sich und ihre Kinder keinen anderen Ausweg mehr.

In Baden-Württemberg hat es in den vergangenen Monaten eine Reihe von Kindstötungen gegeben. Häufen sich solche Fälle tatsächlich?
Nein, sie sind eindeutig rückläufig und das seit fünfzehn Jahren. Zumindest in Westdeutschland. In Ostdeutschland haben wir erheblich mehr Fälle von Kindstötungen, hauptsächlich weil dort die soziale Situation vieler Familien schlechter ist.

In Pforzheim hat der vierjährige Sohn wohl überlebt. Wie erklärt man einem Kind diese Tragödie?
Der Junge ist alt genug, dass er wohl alles mitbekommen hat. Man kann natürlich darauf hoffen, dass er sich an die Tat selber nicht mehr erinnern kann, falls er durch den Sturz eine Gehirnerschütterung erlitten hat.

Ist eine solche Tat für Freunde und Angehörige vorhersehbar?
Bei psychisch Kranken ist eine tiefe Krise meistens im Vorfeld erkennbar. Es gibt Signale, die die Betroffenen aussenden. Das Umfeld nimmt diese Signale manchmal aber nicht wahr oder reagiert nicht ausreichend.

Haben Sie dafür ein Beispiel?
Vor einigen Jahren hat eine psychisch kranke Frau im schleswig-holsteinischen Darry ihre vier Kinder getötet. Ihr getrennt von der Familie lebender Mann hatte sich zuvor Hilfe suchend an die Behörden gewandt. Diese haben sich aber nicht intensiv genug um die Frau gekümmert. Eines muss man aber hinzufügen: Zum Glück kommt es oft gar nicht zu solch schrecklichen Taten, gerade weil den Menschen vorher geholfen werden konnte. Darüber wird natürlich nicht berichtet, die Öffentlichkeit erfährt davon nichts. Die meisten Fälle gehen glimpflich aus, ohne Tote. Aus solchen Einzelfällen wie in Pforzheim kann man also nicht schließen, dass es keine Nächstenliebe mehr gibt.

Interview: Nico-Elliot Kälberer. Mitarbeit. Malte Arnsperger
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.