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Kindstötung in Weiden: 25-Jährige zu lebenslanger Haft verurteilt

Angelina H. konnte das Schreien ihre Kindes nicht mehr ertragen. Sie knebelte und erwürgte den Säugling. Das Landgericht Weiden veruteilte die junge Frau wegen Mordes aus niederen Beweggründen zur Höchstrafe.

Wegen der Ermordung ihres acht Monate alten Säuglings muss eine 25-Jährige aus Weiden lebenslang in Haft. Das Landgericht Weiden verurteilte Angelina H. am Donnerstag wegen Mordes aus niederen Beweggründen zur Höchststrafe. Nach Überzeugung der Schwurgerichtskammer hatte die Frau den kleinen Gero am 21. Mai 2010 mit einem Knebel aus Kleidungsstücken sowie durch Würgen erstickt. Das Motiv für die Tat sah die Kammer im Hass der Angeklagten auf das Kind, das ihren Körper in der Schwangerschaft zerstört habe. "Diese Einstellung steht sittlich auf niedrigster Stufe", sagte der Vorsitzende Richter Bernhard Ring. Mit dem Urteil schloss sich das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft an.

Gleichwohl sprach Richter Ring von einer "nicht einfachen Entscheidung" des Schwurgerichts angesichts des hohen Strafmaßes für die 25-Jährige. Allerdings habe der Prozess keine andere Bewertung der Tat ergeben, so Ring. So habe die 25-Jährige am Nachmittag des 21. Mai 2010 den Säugling im Badezimmer zunächst mit einem Pullover geknebelt und später durch Würgen am Hals erstickt. Im Anschluss an die Tat hatte die Angeklagte sich Zigaretten und Bier gekauft und ferngesehen. Erst nach drei Tagen informierte sie den Vater des Kindes per Telefon. "Die Tat war geplant", sagte Ring und schloss einen Affekt wegen des anhaltenden Schreiens des Säuglings aus. Gero sei "pflegeleicht" gewesen, sein Schreien könne "allenfalls der Anlass, nicht aber das Motiv" gewesen sein. "Von einer Spontantat oder einem Affekt könne daher nicht die Rede sein", sagte Ring. Die Verteidigung der Angeklagten hatte geltend gemacht, dass die 25-Jährige durch das anhaltende Schreien des Säuglings zur Tat hingerissen worden sei.

Schwere Depressionen

Für die Verurteilung zugrunde gelegt hatte das Gericht die Aussagen der Frau bei ihren ersten Vernehmungen bei der Polizei. Dabei hatte die Frau wiederholt zu Protokoll gegeben, seit längerem den Plan zur Tötung des Kindes gehabt zu haben, weil der Junge ihren Körper zerstört habe. Zwei Psychiater und eine Psychologin hatten der Frau ein Borderline-Syndrom sowie schwere Depressionen bescheinigt. Ein gerichtsmedizinisches Gutachten hielt die Angeklagte indes für voll schuldfähig und schloss eine Persönlichkeitsstörung aus. Eine Verurteilung wegen besonderer Grausamkeit aufgrund des fast dreißigminütigen Todeskampfes entfiel dagegen.

Die Verteidigung kündigte noch im Gerichtssaal eine Revision gegen das Urteil an. Nach seiner Auffassung handele es sich nach wie vor nur um Totschlag, sagte Verteidiger Tobias Konze. Insbesondere die Gutachter hätten die "facettenreiche Persönlichkeit der Angeklagten zu wenig berücksichtigt" und stattdessen "zu viele Mutmaßungen über die Schuldfähigkeit" angestellt, so Konze.

DAPD / dapd
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