Kindstötungen von Darry Mutter gehorchte einer Frauenstimme


Einer Mutter aus dem schleswig-holsteinischen Darry wird vorgeworfen, ihre fünf Kinder erstickt zu haben. Nun steht sie in Kiel vor Gericht. Doch schon zum Prozessauftakt ist klar, dass die 32-jährige Frau wohl nicht verurteilt werden wird.

Knapp sieben Monate nach der Familientragödie von Darry (Kreis Plön) mit fünf toten Kindern muss sich die Mutter vor dem Kieler Landgericht verantworten Die Staatsanwaltschaft wirft der 32-Jährigen vor, ihre Jungen im Alter von drei bis neun Jahren Anfang Dezember vorsätzlich getötet zu haben. Die Beschuldigte selbst, die wachsbleich zum Prozess erschien, äußerte sich zu Prozessbeginn nicht zur Tat und nur knapp zu ihrer Person - leise und kaum vernehmbar. Sie muss sich wegen Totschlags verantworten, gilt wegen einer paranoiden Schizophrenie jedoch als schuldunfähig. Der Fall hatte bundesweit Entsetzen und Fassungslosigkeit ausgelöst, dementsprechend groß war das Interesse der Medien-Öffentlichkeit am ersten Prozesstag.

Laut Anklageschrift hat die junge Frau Stimmen aus dem Jenseits gehört und sich von einer eingebildeten "Nathalie" bedroht gefühlt. Andere Stimmen, die sie für real gehalten habe, hätten ihr eingeflüstert, dass ihre Kinder im Jenseits sicher vor "Nathalie" seien, sagte Staatsanwalt Michael Bimler. Sie fasste den Entschluss, die fünf kleinen Brüder Aidan, 3, Ronan, 5, Liam, 6, Jonas, 8, und Justin, 9, "zu töten, ohne Mörder zu sein". Unter einem Vorwand schickte sie ihren Mann, den Vater der drei kleinsten Jungen, nach Berlin, um freie Bahn für die Tat zu haben, wie Bimler weiter ausführte.

Schlafmitteldosis zu niedrig

Bei der Schilderung des Tathergangs am ersten Verhandlungstag brach der schmächtige US-Amerikaner, der als Nebenkläger auftrat, in heftige Weinkrämpfe aus. Nach Ausführungen Bimlers soll die Beschuldigte ihren Kindern zur Betäubung zunächst ein Schlafmittel gegeben haben und die fünf anschließend im Keller nebeneinander auf ein Matratzenlager gebettet haben. Dann stülpte sie ihnen laut Staatsanwalt Mülltüten über den Kopf, um sie zu ersticken. Bei drei der Kinder soll die Schlafmitteldosis allerdings zu niedrig gewesen sein, so dass sie sich gegen die Tüten gewehrt haben. "Sie fügten ihrer Mutter Kratzwunden im Gesicht zu", sagte Bimler.

Weil die Frau "wegen einer krankhaften seelischen Störung unfähig war, das Unrecht ihrer Taten einzusehen", beantragte die Staatsanwaltschaft ein Sicherungsverfahren. Sie will die dauerhafte Unterbringung der 32-Jährigen in der Psychiatrie erreichen, da sie wegen ihrer psychischen Erkrankung gefährlich für die Allgemeinheit sei. Die Beschuldigte befindet sich auf Anordnung des Amtsgerichts Plön bereits seit der Tat vorläufig in der Psychiatrie.

Vater erhebt schwere Vorwürfe

Vor Gericht wird wohl auch die Frage eine Rolle spielen, ob es trotz der umfangreichen behördlichen Unterstützung der Familie Mängel in der Betreuung gab, wie der 35-jährige Vater behauptet. So erhob er Ende Februar in einem Fernsehbericht schwere Vorwürfe gegen seine Frau und die Behörden. Sie litt nach seinen Worten an Wahnvorstellungen und habe öfter davon gesprochen, dass sie sich und den Kindern etwas antun wolle. Er habe sich daher mehrfach an die Behörden gewandt, doch die hätten ihn alleingelassen.

DPA DPA

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