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Klage angestrengt: Bahnmitarbeiter wehrt sich gegen Pipi-Bußgeld

Die neuen S-Bahn-Züge in Nordrhein-Westfalen sind schnell und komfortabel, haben aber oft keine Toiletten. Im Fall der Fälle bringt das auch die Bahnmitarbeiter in Bedrängnis - und nun sogar vor Gericht.

Mit den Zugtoiletten gibt es häufig Ärger: verdreckt, defekt, geschlossen. In Nordrhein-Westfalen hat man das Problem bei der neuen S-Bahn-Generation auf besondere Weise gelöst. Die neuen Züge sind schick, schnell, leise - und haben gar keine Toiletten. Dieser Umstand bringt der Deutschen Bahn an diesem Mittwoch einen peinlichen Prozess vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht ein.

Hintergrund ist ein Vorfall, bei dem ein Fahrgast in einem Zug der Linie 9, der zwischen Wuppertal und Haltern pendelt, mal dringend musste. Von einem 53-jährigen Bahnmitarbeiter wurde er laut Gerichtsakten auf den nächsten Halt vertröstet. Der Fahrgast erwiderte, dass er bis dahin nicht durchhalten könne. In der Not soll der Bahn-Mann den Gast in die 1. Klasse geschickt haben, um sich zu erleichtern. Dort war er an einem Abfallbehälter aber von einem anderen Bahnmitarbeiter erwischt und zur Rede gestellt worden.

Der geplagte Fahrgast habe erwidert, er habe nur den Rat des Kollegen befolgt. Daraufhin war dem 53-jährigen Bahnmitarbeiter von seiner Arbeitgeberin ein Bußgeld von 100 Euro aufgebrummt worden. Doch der Mann wehrte sich und zog gegen das Bußgeld vor Gericht: Für einen solchen Fall gebe es keine Dienstanweisung und damit könne er auch gegen keine verstoßen haben. Nun wird der Fall öffentlich verhandelt.

Keine niederländische Lösung

"Die Deutsche Bahn bedauert sehr, dass es zu dem Vorfall kommen konnte", sagte ein Bahnsprecher am Dienstag in Berlin, hielt sich aber ansonsten bedeckt: "Wir möchten der Bewertung durch das Verwaltungsgericht nicht vorgreifen."

"Bei einer zunehmenden Zahl älterer Menschen macht es schon Sinn, S-Bahnen mit Toiletten zu haben", sagt Karl-Peter Naumann, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn. Dass nun ausgerechnet die neuen S-Bahnen keine Toiletten mehr an Bord haben, sei daher "nicht ganz glücklich". Vor die Alternative gestellt, sei es immer noch besser, kostenpflichtige Toiletten anzubieten als gar keine. Urinbeutel, wie sie in den Niederlanden verteilt würden, seien wohl kaum die Lösung. Neue Züge sollten nun auf jeden Fall mit Toiletten bestellt werden, besonders dort, wo die S-Bahnen als Regionalverkehr unterwegs seien, meinte Naumann.

Frank Christiansen,DPA / DPA